• Mittwoch, 11. April 2012

Filmfestival bei den "Versagern"

Vorhang auf für polnisches Kino

  • Club der polnischen Versager
    Olga Bowgierd (v.l.), Adam Gusowski vom Club der polnischen Versager in Mitte und Kornel Miglus vom Polnischen Institut Berlin. Foto: Der Tagesspiegel - ©Doris Spiekermann-Klaas

Fast 100 Produktionen bringt das diesjährige Festival Film Polska auf die Leinwände von Berlin und Potsdam. Zentrale Anlaufstelle ist dabei der Club der polnischen Versager in Mitte, deren Organisatoren die besten Arthouse-Filme aus dem Nachbarland garantieren.

Zwei Männer und eine Frau gucken direkt in die Löcher einer riesigen Nase. "Nicht, dass die uns einsaugt", meint Kornel Miglus vom Polnischen Institut Berlin, der neben Olga Bowgierd und Adam Gusowski vom Club der polnischen Versager steht. Natürlich ist die Gefahr, dass die Nase jemanden wegzaubert, nicht besonders groß. Allerdings wäre der auffällige Wandschmuck samt Club der polnischen Versager selbst fast verschwunden. Beides ist Teil des Projekts Schokoladen in Mitte, das der Besitzer des Hauses an der Ackerstraße eigentlich im Februar räumen lassen wollte. Doch Senat, Bezirk und eine Stiftung retteten die Kultur-Location in letzter Minute.

Ein Filmfestival fast wie in Polen

Jetzt kann das kulturelle Leben auch im Club der polnischen Versager weitergehen. Ab Donnerstag findet dort eine Woche lang die erste große Veranstaltung nach der Rettung statt: Film Polska, das größte polnische Filmfestival außerhalb Polens. "Die Planung war in diesem Jahr spannend", sagt Festivalkurator Miglus. Das Polnische Institut Berlin veranstaltet das Festival zwar an insgesamt sieben Orten – vom Arsenal bis zum Zeughaus-Kino. Aber der "Versager"- Club, in dem auch sonst drei Mal im Monat polnische Filme gezeigt werden, bildet das Zentrum. "Hier treffen sich jeden Abend die Filmemacher, um zu diskutieren", erklärt Miglus.

Schon zum 7. Mal organisiert er jetzt das Festival Film Polska, bei dem den Berlinern ihre Nachbarn – und auch die zweitgrößte Einwanderergruppe in der Stadt – noch näher gebracht werden. Unlängst hat Miglus ein vermehrtes Interesse der Berliner an Polen festgestellt. "Es gibt immer mehr Läden, die polnische Produkte verkaufen, und zwar an Deutsche, weil Polen nämlich meist zum Einkaufen über die Grenze fahren." In den deutschen Kinos werden etwa drei bis vier polnische Filme im Jahr gezeigt. Für Film Polska hat er "das Beste, was in Polen in der Nische Arthouse auf dem Markt ist", ausgewählt.

Außergewöhnliche Kinokultur

"In Berlin findet man das Publikum für solche Filme, weil es hier eine besondere Kinokultur gibt." Das entspricht auch Miglus‘ eigenem Filmgeschmack. Über polnische Blockbuster sagt er: "Die funktionieren höchstens als Sonderbarkeit.“ Einen polnischen Publikumsrenner hat er aber für das Festival ausgesucht: Den Oscar-Anwärter "In Darkness", in dem auch Benno Fürmann mitspielt.

Den Film gibt es allerdings nicht im Club der polnischen Versager zu sehen. Hier werden beispielsweise Kurzfilmprojekte von jungen Filmemachern gezeigt. Adam Gusowski, 38, der 2001 den Club als Begegnungsort für Polen und Deutsche mitgründete, freut sich vor allem auf das Programm am Samstagabend. Dann gibt es Filme, eine Ausstellung, eine Konzert und Essen - und bei allem steht die Podlasie im Mittelpunkt. "Das ist ein ostpolnisches Grenzgebiet, eine total vergessene Region, die für andere Polen schon fast in Asien liegt", sagt Gusowski, der ehrenamtlich im Club arbeitet.

Die Zukunft des "Versagers"

Und wie sieht das Programm im Club der polnischen Versager nach der Festival-Abschlussparty am 18. April aus? "Die Fußball-Europameisterschaft in Polen ist das nächste große Ereignis bei uns", meint Gusowski. "Wir zeigen alle Spiele live und kommentieren sie satirisch - immer am Thema vorbei."

Irgendwann aber soll im Club "alles anders" werden. Doch was genau werden soll, weiß Gusowski noch nicht. "Zum ersten Mal seit drei Jahren sind wir auf sicherem Boden und können wieder planen. Wir müssen jetzt eine Vision für die nächsten 99 Jahre ausarbeiten." Bis dann sichert die Stiftung nämlich die Existenz des Schokoladens. "Wir wollen weg von der Kunst, hin zur Geschichte des Arbeiterbezirks Mitte", sagt er. Möglicher Weise könne eine Werkstatt für Behinderte entstehen. "Das sind aber alles große Schuhe, in die wir noch hineinwachsen müssen."

Das Festival läuft vom 12. bis 18. 4. in sieben Kinos, Infos gibt es unter www.filmpolska.de.

Club der polnischen Versager

Ackerstraße 168
10115 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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