300 Jahre UdK

Kunst mitten in der Stadt

Die Universität der Künste an der Bundesallee.
Die Universität der Künste an der Bundesallee.
Berlin und die Universität der Künste kann man nicht getrennt voneinander betrachten. Der Rundgang durch die Räume der UdK macht jedes Jahr eindrucksvoll deutlich, wie eng Universitäts-, Kultur- und Stadtleben in Berlin miteinander verwoben sind.

Dass eine Universität so nachhaltig in eine Stadt hineinstrahlen kann, liegt freilich auch an den Menschen, die in ihr lehren und lernen, es muss aber auch mit viel gemeinsamer Geschichte zusammenhängen. Vor über 300 Jahren wurde die „Kurfürstliche Academie der Mahler-, Bildhauer- und Architecturkunst“ errichtet und war zu jener Zeit im Alten Marstall Unter den Linden untergebracht. Als Bildungsanstalt für Künstler und Musiker zog sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in das noch vorwiegend unerschlossene Gebiet zwischen den Städten Berlin und Charlottenburg, an ihren heutigen Standort.

Der liegt heute inmitten der Millionenstadt am Ernst-Reuter-Platz. Wo früher preußisches Brachland war, befand sich bis ins 20. Jahrhundert eine Pferdebahn. Heute flitzen hier Studenten zu Seminaren und fahren Autos ihre Runden. „Campus Charlottenburg“ nennt sich das Gebiet zwischen Einsteinufer und Hardenbergstraße mit Gebäuden der UdK Berlin und der Technischen Universität.

Erinnerungen an alte Zeiten sind immer noch auf dem Campus zu finden. „Die heutigen UdK-Gebäude sind so verstreut, weil zur Musik- und zur Kunsthochschule im Laufe der Zeit noch andere künstlerische Ausbildungsstätten hinzukamen, zum Beispiel die Meisterschule für das Kunsthandwerk an der Straße des 17. Juni oder das Städtische Konservatorium in der Bundesallee“, erklärt der Archivar der UdK, Dietmar Schenk. An einigen Stellen wird ersichtlich, dass die Bauten den Studenten etwas vermitteln sollten. „Am Gebäude in der Hardenbergstraße sind Ornamente und Bodeneinlassungen in den Stilen verschiedener Epochen zu sehen; die waren als Anschauungsmaterial für Studenten gedacht.“ Andere Gebäude wurden im ähnlichen architektonischen Stil errichtet, das Institut für Kirchenmusik neben der TU-Mensa ist etwa dem romanischen Stil nachempfunden.

Eher Arbeitsstätte statt Lebensraum

Die Gebäude der UdK lassen auch die Geschichte der Stadt Berlin nachempfinden. „Im Garten der Hardenbergstraße hat man nach dem Krieg zerbombte Mauern stehen lassen, als Mahnmal“, sagt Dietmar Schenk. Auch der Konzertsaal Ecke Fasanenstraße/Hardenbergstraße wurde von Bomben zerstört und wieder neu errichtet. „Nach dem Krieg war das der erste wieder bespielbare Musiksaal der Stadt, und die Philharmoniker waren hier beheimatet“, weiß Schenk.

Schaut man heute auf die gemeinsame Geschichte einer Stadt und ihrer künstlerischen Hochschule zurück, ist es allerdings schade, dass der Campus Charlottenburg nicht zu einem wirklichen Studentenviertel geworden ist. Obgleich sich TU und UdK längst einander angenähert haben und viele junge Leute täglich im Kiez unterwegs sind, wird auf dem Campus eher gearbeitet als gelebt. Im Projekt „Campus Charlottenburg“ der UdK, der TU und des Bezirks ist man intensiv damit beschäftigt, den Stadtteil schöner zu gestalten, nicht ausschließlich für die Studenten. Der Campus hätte so gute Chancen, ein neuer, lebendiger Mittelpunkt für den Westen Berlins zu werden.

Die UdK hat viele Berühmtheiten hervorgebracht

Schließlich widerspricht eine Aufteilung zwischen Universitätsleben und Lebenskultur dem Wesen der UdK. Die Stadt wird mitgestaltet von Studierenden, Lehrenden und Absolventen der Universität. So hat die UdK berühmte und erfolgreiche Berliner hervorgebracht: die Schauspielerin Martina Gedeck, die Dramatikerin Dea Loher, der Bilderbuchautor Klaus Baumgart („Lauras Stern“), der Architekt Max Dudler, der das Jacob- und Wilhelm-Grimm-Zentrum der HU erbaut hat, oder der Sänger Max Raabe sind einige von ihnen.

Nicht nur die Baugeschichte, auch die kulturhistorische Entwicklung Berlins hängen unmittelbar mit ihren Lehranstalten zusammen. Aus diesem Grund wird die UdK auch zukünftig von Charlottenburg aus dem Charakter Berlins Form geben.


Quelle: Der Tagesspiegel

UdK Berlin, Hardenbergstr. 33, 10625 Berlin

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