Gaslaternen ade

Elektroleuchte Jessica kommt

Elektroleuchte Jessica kommt
In Charlottenburg und Wilmersdorf werden 1368 Gasleuchten durch Alu-Elektrolampen ersetzt.
Hübsche nostalgische Schätze. Aber eben auch Kostenschleudern. Deshalb startet im Mai berlinweit der Austausch von 8000 Gaslaternen. Nirgends gibt es auf so dichtem Raum mehr Leuchten dieser Art wie in Charlottenburg und Wilmersdorf. Denkmalschützer fordern ein neues Lichtkonzept und wollen die Gasleuchten durch eine Petition erhalten.

Der Heimatverein Charlottenburg hält sie für „leuchtende Schätze der Nacht“. Für den Senat stellen sie ein immenses Kostenproblem dar. Berlins Gaslaternen seien anfällig, wartungsintensiv und wahre CO2-Schleudern. Daher hat der Senat vor, das Altberliner Straßenlicht durch moderne Elektroleuchten zu ersetzen. Im Mai beginnt berlinweit der Austausch von 8000 Reihenleuchten aus den 50er Jahren. In Charlottenburg und Wilmersdorf werden 1368 Gasleuchten durch Alu-Elektrolampen des Typs „Jessica“ ersetzt, bestätigt Bezirksstadtrat Marc Schulte (SPD).

Einzigartiges Licht in Charlottenburg

Wolfgang Thaens vom Heimatverein ist sicher, dass das nur ein erster Schritt ist, der die Atmosphäre im Bezirk auf lange Sicht verändern wird.

An keinem Ort der Welt stehen mehr Gaslaternen auf so dichtem Raum wie in Charlottenburg und Wilmersdorf. Drei Viertel der Beleuchtung werden mit Gas betrieben, 7692 Lampen sind es insgesamt. Das Charlottenburger Licht sei einmalig, meint Thaens, auch wenn das vielen nicht klar sei. Ersatzlampe Jessica dagegen sorgt für Leuchtstoffröhrenlicht. Der Heimatverein möchte jetzt Unterzeichner für eine Petition an den Regierenden Bürgermeister finden. Ein sofortiges „Abbau-Moratorium“ und ein neues Lichtkonzept für Berlin werden gefordert.

Dabei will der von SPD und CDU getragene Senat gar nicht mehr allen Gaslampen den Hahn abdrehen. Sollten ursprünglich alle 43.500 Berliner Leuchten bis spätestens 2020 ersetzt sein, sehen die neuen Koalitionsvereinbarungen vor, „historische und denkmalgeschützte Gasleuchten“ zu bewahren. Gemeint sind damit Lampen in denkmalgeschützten Quartieren wie rund um das Amtsgericht Charlottenburg. Dennoch werden wohl auch in diesen Bereichen nicht alle Gaslaternen verschont bleiben. Über Typ, Zahl und Standort der zu erhaltenden Leuchten hätten Denkmalamt und Senatsverwaltung noch keine Entscheidung getroffen, sagt eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Es werden aber höchstens einige wenige Straßen ausgenommen.“ Einige Exemplare wolle man von jedem Lampentyp erhalten.

2,4 Millionen Euro Energiekosten im Jahr sparen

Eine reine Beschwichtigungstaktik, glaubt Bertold Kujath von Verein „Gaslicht-Kultur e. V.“, der den Anstoß zur Petition gegeben hat. Das Denkmalschutzargument habe ein grundlegendes Problem: „Es gibt bis jetzt keine denkmalgeschützte Gasbeleuchtung in Berlin.“ Nur einige Masten, nicht aber deren Beleuchtungsart stehen unter Schutz. Das warme schummerige Gaslicht selbst ist demnach nicht geschützt.

Stadtentwicklungsstadtrat Schulte will abwarten, welche Gasleuchten die Senatsverwaltung auf ihre Liste setzt. „Dann werden wir sehen, ob uns das ausreicht.“ Einen Hoffnungsschimmer für die Gaslichtfreunde sieht er aber nicht: „Das Thema wurde zur Genüge diskutiert, der Bezirk steht zur Umrüstung.“ Hauptargument sind die Einsparungen: 2,4 Millionen Euro Energiekosten, 1,6 Millionen für die Instandhaltung und 9200 Tonnen CO2 soll laut Senatsverwaltung allein der Austausch der 8000 50er-Jahre-Reihenleuchten jährlich einsparen. Das habe auch den Bezirk überzeugt, sagt Schulte.

„Wir fordern nicht einmal, dass alle Gaslampen in Berlin erhalten bleiben“, meint Berthold Kujath. „Aber es muss Ensembles geben, wo die Gasbeleuchtung flächendeckend erhalten bleibt, weil sie Teil der Geschichte Berlins ist.“ Das Gasleuchten-Freilichtmuseum am Rande des Tiergartens sei nicht ausreichend. Unterstützung bekommt er auch von anderer Seite: Der Verein „Denk mal an Berlin e. V.“, der sich zuletzt für die Rettung der Deutschlandhalle einsetzte, kürte die Gaslaterne zum besonderen Denkmal. Zudem forderten die Brüsseler Kulturbewahrer von Europa Noster vor kurzem Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf, den Abbau zu stoppen. Man plane die Unesco einzuschalten, sagt Kujath. Kulturerbe Gaslaterne? „Dafür brauchen wir die Rückendeckung der Berliner.“ Er setzt darauf, dass die Petition viele Unterstützer findet.

Die Petition und weitere Informationen im Internet: www.gaslicht-ist-berlin.de


Quelle: Der Tagesspiegel

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