Filmkritik

Abgeschnitten: 130 Minuten Psychohorror

Abgeschnitten: 130 Minuten Psychohorror
Im Film "Abgeschnitten" spielt Moritz Bleibtreu einen Rechtsmediziner, der einen unglaublichen Fund in einer Leiche macht.
Gute Psychothriller im deutschen Kino sind selten. "Abgeschnitten" bringt willkommene Abwechslung. Kein Wunder, wenn der Stoff auf dem Buch von Rechtsmediziner Michael Tsokos und Thriller-Autor Sebastian Fitzek basiert. Was der Film alles kann, liest du hier...

Eisiger Wind, man sieht keine fünf Meter weit und keiner kommt von der Insel: Das klingt für viele schon wie der absolute Horror. Ganz anders sieht das die junge Comiczeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer). Die ist heilfroh, auf Helgoland festzusitzen und nicht in Berlin zu sein, wo ihr Stalker-Ex auf sie wartet. Die Insel ist also ihre Flucht vor der Angst, die allerdings neue Formen bekommt, als sie am Strand eine Männerleiche entdeckt.

Währenddessen führt der Berliner Rechtsmediziner Paul Herzfeld (Mortiz Bleibtreu) eine Autopsie an einer völlig entstellten Frau durch, die ungewöhnliche Verletzungen aufweist. Ihr wurde der Kiefer sowie beide Hände entfernt. Gestört wird er bei seiner Arbeit von Neu-Praktikant Ingolf von Appen (Enno Hesse), der sich eher ungeschickt zeigt, aber genau die Gefühle des Zuschauers widerspiegelt: „puh“ und „iih“. Denn der Psychothriller des Genrekenners Christian Alvart (Antikörper, Steig nicht aus! und bald Dogs of Berlin) geht gleich ans Eingemachte und zeigt Herzfelds Arbeit ziemlich detailreich. Kein Wunder, schließlich kreist der Film Abgeschnitten um das Thema forensische Medizin. Die Story basiert auf dem Roman von Michael Tsokos und Sebastian Fitzek.

Bei seiner Arbeit entdeckt Herzfeld im Körper der Frau einen Zettel, darauf findet er den Namen seiner Tochter Hannah sowie eine Handynummer. Als er die Nummer wählt, werden seine Befürchtungen wahr: Seine Tochter wurde von einem sadistischen Psychopathen (Lars Eidinger) entführt. Für den geschiedenen Vater beginnt eine schweißtreibende und ziemlich angsteinflößende Indizienjagd von Berlin nach Helgoland, wobei ihn die erste Spur des Killers mit Linda zusammenbringt – zumindest übers Telefon. Die junge Frau wird Herzfelds Protegé und soll sogar die gefundene Leiche für den verzweifelten Forensiker öffnen. Hilfe bekommt sie bei dieser unmöglichen Forderung von dem Krankenhaus-Hausmeister und Freizeit-Comedian Ender Müller (Fahri Yardem). Ein Dream-Team, wie sich bald herausstellt.

Viele Überraschungen garantiert

Die Story ist bereits purer Wahnsinn und lässt einen immer wieder zusammenzucken. Um ein Vielfaches gesteigert wird das durch Christian Alvarts Inszenierung. Normale Gaststätten-Toiletten werden zu engen Panikräumen, Videoaufnahmen bringen einen direkten Kontakt zum Entführungsopfer und immer wieder dreht und wendet sich die Handlung, was das vielschichtige Geflecht aus Schuld, Trauma, Wahn, Pädophilie und Rache nur noch verworrener macht.

Alvart und sein Team haben tatsächlich auf der Insel Helgoland gedreht. Der Schauplatz mit den Tunnelsystemen, die von den Nazis angelegt wurden, den Klippen und Felsen, hilft die Ausweglosigkeit und Bedrängnis der Figuren fühlbar zu machen. Dabei überzeugen uns besonders Jasna Fritzi Bauer als Linda, die noch viel mehr den Zuschauer spiegelt, wenn sie sich weigert, auch nur ansatzweise in die Nähe der Leichen zu kommen. Außerdem durchläuft sie die größte und nachvollziehbarste Entwicklung im Film. Und Lars Eidinger war nie gruseliger als hier: Sein stechender Blick mit dem verzerrten Lächeln erinnert an den Joker und sein drahtiger Körper mit stets merkwürdiger Haltung lässt einem das Blut gefrieren. Unser einziger Kritikpunkt ist die letzte Szene, die uns zu sehr an das Splatter-Genre erinnert und etwas zu gezwungen wirkt.

Auf die Zuschauer wartet mit Abgeschnitten ein Werk, das unterschiedliche Reize anspricht. Action und Psycho-Thrill gehen hier Hand in Hand, genauso wie Brutalität, Ekel, viel Blut und Sadismus. Daher wirklich kein Film für schwache Nerven, aber einer der das deutsche Thriller-Genre wieder zum Leben erweckt nach dem ebenso gelungenen Film Berlin Falling im Jahr 2017.

Abgeschnitten startet am 11. Oktober in den deutschen Kinos.

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