Neuer Audiowalk "(post)koloniale metropole"

Was bedeuten eigentlich diese Straßennamen?

Was bedeuten eigentlich diese Straßennamen?
Wer oder was ist Lüderitz und was hat Deutschland mit Kamerun zu tun? Eine neue App gibt Antworten.
Afrikanisches Viertel - Im Wedding spazieren gehen und etwas über die deutsche Geschichte lernen. Das klappt jetzt mit einem neuen Audiowalk, der per App direkt auf das Handy kommt. In insgesamt 20 Audiodateien werden Straßennamen erklärt, Gedichte vorgetragen und die deutsche Kolonialherrschaft in Afrika dargestellt. QIEZ stellt sie euch kurz vor und erklärt, wie die App funktioniert.

Deutschland rühmt sich damit, seine Nazi-Vergangenheit in zahlreichen Veranstaltungen, Gedenktafeln und Erinnerungsorten aufzuarbeiten und nie zu vergessen. Wenn es um die Kolonialvergangenheit geht, gibt es hierzulande allerdings noch so einiges aufzuholen. Die Überreste des deutschen Imperialismus in Afrika ist beispielsweise immer noch in das Berliner Stadtbild eingeschrieben: im Afrikanischen Viertel in Wedding. 

Dessen Straßennamen wie etwa die Ghanastraße, die Kongostraße oder auch der Nachtigalplatz ehren nicht etwa die heutigen afrikanischen Länder oder beliebte Vogelarten. Sie wurden um 1900 zu Ehren der deutschen Kolonien und deren Begründer so getauft – darunter Gustav Nachtigal (1834-1885), der in einer blutigen Militärinvasion die zweite deutsche Kolonie in Westafrika errichtete. Trotz anhaltender Proteste von afrikanischen und rassismuskritischen Vereinen haben die Straßen bis heute diese Namen behalten.

Seit 2012 finanziert das Bezirksamt Mitte nun das Projekt „Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel“, für das sich seit 2004 Vereine wie der Global Afrikan Congress, der Afrikarat und die Internationale Liga für Menschenrechte eingesetzt haben. Damit soll die deutsche Kolonialgeschichte, deren Nachwirkungen und ihre Rezeption kritisch aufgearbeitet werden. In diesem Rahmen fanden schon so einige Vorträge, Kulturabende und Stadtführungen statt. Für die individuelle Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Afrikanischen Viertels gibt es nun zusätzlich einen Audiowalk mit dem Namen „(post) koloniale metropole“.

Per GPS direkt auf das Handy

Um die persönliche Stadtführung anzutreten, muss zuerst die App „Radio aporee“ (kostenlos) auf das Smartphone geladen werden. Dabei handelt es sich um eine Art akustische Weltkarte. Über die Software sind einzelne Sounds, kurze Vorträge oder auch Bilder für einen bestimmten Ort abgespeichert und kommen dann direkt auf das Handy, wenn die App an dem Ort geöffnet wird. Also einfach auf „start walk“ tippen, den Audiowalk „(post)koloniale metropole“ auswählen und loslaufen.

In der Kameruner Straße, Ecke Togostraße wird dann beispielsweise aus einem Brief des Berliner Polizeipräsidenten über die Benennung dieser beiden Straßen im Jahr 1899 vorgelesen. Darin erklärt er, dass die Berliner BürgerInnen schon oft angeregt hatten, die Namen nach dem aktuellen „Kolonialbesitz“ auszuwählen. So wurde dann die deutsche Kolonialherrschaft im Berliner Stadtbild geehrt, ein Vorbild für einige weitere Kolonialviertel in deutschen Städten.

Die nahegelegene Lüderitzstraße bekam ihren Titel von dem „Gründer“ der ersten deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika Adolph Eduard Lüderitz (1834-1886) und damit von einer Schlüsselfigur in der gewaltvollen deutschen Besetzung afrikanischer Gebiete. Im Audiowalk erzählt an dieser Stelle der in Ghana geborene Victor Ankobea über das Leben im Afrikanischen Viertel.

Weitere Beiträge: In der Otawistraße geht es um den Genozid an der Herero-Bevölkerung im Jahr 1904, in der Ghanastraße singt der karibische Musiker Lord Kitchener in dem Song „Birth of Ghana“ über den Weg zur Unabhängigkeit des Landes und in der Nähe ist das Gedicht „blues in schwarz weiss“ von der afrodeutschen Poetin May Ayim zu hören.

Die insgesamt 20 Audiodateien geben einen Überblick über die Kolonialgeschichte und deren heutige Nachwirkungen und lassen dabei ExpertInnen, KünstlerInnen und die heutigen BewohnerInnen des Afrikanischen Viertels zu Wort kommen. 

Am Freitag den 28. März lädt das Team von „past[at]present. Geschichte im Format“ und Projektmitglieder vom „Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel“ dazu ein, zusammen die App auszuprobieren. Treffpunkt ist der U-Bahnhof Afrikanische Straße um 16:00 Uhr. Danach werden weitere Projektideen für das Jahr 2014 präsentiert und diskutiert. Mehr Infos gibt es hier

Was bedeuten eigentlich diese Straßennamen?, Kameruner Straße , 13351 Berlin
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