Aktionstag "Berlin - unsere saubere Stadt"

Abtauchen für einen guten Zweck

Das Team des Reinickendorfer Tauchcenters Dive'n
Das Team des Reinickendorfer Tauchcenters Dive'n
Die Taucher von Dive’n sammeln Müll im Tegeler See. Einkaufswagen, Container Ölfässer - kaum zu glauben, was auf dem Grund des Gewässers liegt. Auch für den Aktionstag "Saubere Stadt" tauchen die Wassersportler ab 12 Uhr an der Tegeler Hafenbrücke ins kühle Nass.

Tauchen hat durchaus etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Wer bei Dive’n einen Kurs belegt, wird auch in Sachen Umweltschutz geschult. Die Reinickendorfer Tauchschule arbeitet eng mit Aware, der Umweltstiftung des internationalen Tauchlehrerverbandes Padi, aber auch mit Greenpeace zusammen.

„Wer nämlich weiß, dass eine Fächerkoralle 150 Jahre braucht, um auf eine Breite von 1,50 Meter zu wachsen, wird beim Tauchen nicht dagegen stoßen und etwas abbrechen“, erklärt Dive’n-Chef Roland Knuth. Und wer einen Fisch anfasst, dem muss klar sein, dass er damit dessen schleimbakterielle Schutzschicht stört. Daran kann das Tier zugrunde gehen. So lernen jährlich 400 Schüler, dass es erste Taucherpflicht ist, das empfindliche aquatische Ökosystem mit seinen Lebewesen zu verstehen und zu respektieren.

Die Leidenschaft fürs Tauchen entdeckte Knuth vor 14 Jahren im Urlaub. 2005 eröffnete er die Tauchschule mit Fachgeschäft und eigenem Sportclub in der Ollenhauer Straße. Heute ist er „Master Instructor“ mit allen Lizenzen. Für Unentschlossene bietet er Schnupperkurse an. Wer untertauchen will, muss mindestens acht Jahre sein. Nach oben gibt es keine Grenze: Der derzeit älteste Schüler ist 73. Auch für Behinderte werden Tauchkurse angeboten. „Wenn ich ins Wasser springe, ist der Stress weg, dann sind alle Sinne mit dem Tauchen beschäftigt“, sagt Roland Knuth. Ihn beeindrucken nicht nur Fauna und Flora tropischer Gewässer, auch in Deutschland gebe es schöne Plätze für Unterwasserfans, weiß er.

400 Kilo Müll im Jahr

„Tauchen ist ungefährlicher als Skifahren“, findet Staff Instructor Daniela Georgi, die sonst als Webdesignerin tätig ist. Goldene Regel: Nie ohne Begleitung ins Wasser gehen. Tauchsport hat eben auch viel mit Kameradschaft zu tun. Darum konnte ohne Probleme eine Gruppe gegründet werden, die im Tegeler See nicht nur nach Flossentieren taucht, sondern nach Müll.

Gewässerpflege betreiben sie schon lange – anfangs im Rahmen des Reinigungstages, zu dem die internationalen Tauchverbände immer am dritten Samstag im September weltweit aufriefen. Mittlerweile setzt das Team die Tradition in Eigenregie fort – mit Effekt: 2006 wurde Dive’n dafür von Bundestagspräsident Norbert Lammert per Urkunde geehrt und bekam die Patenschaft über die Tegeler Greenwichpromenade verliehen. „Beim ersten Mal haben wir eine ganze Tonne Müll aus dem Wasser gefischt“, erinnert sich Tauchschul-Betreiber Roland Knuth.

Weil regelmäßig abgefischt wird, kommen sie jetzt noch auf etwa 400 Kilo jährlich. Unter der Sechserbrücke etwa haben sie eine ganze Einkaufswagen-Halde aufgespürt. Auch Fahrräder, Ölfässer und sogar eine scharfe Pistole samt Patronen wurden schon gefunden, abgesehen von einer unüberschaubaren Menge Flaschen und sonstigem Unrat. Selbst Schaulustige am Ufer haben mit angepackt, etwa, als ein 110 Kilogramm schwerer Gartenbau-Container ans Ufer gehievt werden musste. Für die Bootssportler sind die Taucher angenehme Helfer: Sie kommen als Suchtrupp, wenn ein Ruderblatt oder ein Anker abhandengekommen ist. Auch verlorene Wertgegenstände wurden schon vom Grund des Sees zurück zu den Besitzern befördert.

In diesem Jahr startet Dive’n am 18. August die nächste Reinigungsaktion. Zum Aktionstag am 15. September wird sich das Team erneut dem Areal rund um die Sechserbrücke widmen. Größere Gegenstände können so an Tauen auf die Brücke gezogen werden.

Die Unterwassersportler wollen es zukünftig nicht beim Großreinemachen belassen. Nächstes Jahr soll nahe der Greenwichpromenade ein neues Umweltprojekt beginnen. Dann werden zwei Biologinnen zusammen mit jungen Aquanauten beginnen, die Pflanzen- und Fischwelt des Tegeler Sees zu erforschen.

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Quelle: Der Tagesspiegel

Abtauchen für einen guten Zweck, Gabrielenstraße, 13507 Berlin

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