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7 Fragen an Jiro Nitsch von der "Next Organic Berlin"

7 Fragen an Jiro Nitsch von der
Zum dritten Mal findet am 10. Mai die Fachmesse "Next Organic Berlin" im alten Flughafen Tempelhof statt. Sie positioniert sich als Format, das mehr als nur eine Bio-Food-Messe für Fachpublikum ist: Nachhaltigkeit, Innovation und Genuss verschmelzen, Produkte und Ideen sind vor Ort live erlebbar. Ein neuer Ansatz, der sich im nunmehr dritten Jahr etabliert hat. Wir haben mit Geschäftsführer Jiro Nitsch gesprochen.

Jiro, wie siehst du die Entwicklung eurer Fachmesse?

Durch wechselnde Themenlandschaften und die Vielzahl von unterschiedlichen Ausstellern verlief die Entwicklung der NOB in den letzten beiden Jahren sehr dynamisch. Angefangen haben wir mit 120 Ausstellern und mehr als 2.000 Fachbesuchern. In diesem Jahr sind es mehr als 180 Aussteller und wir erwarten mehr als 3.500 Fachbesucher. Das Feedback zeigt uns, dass das steigende Interesse an ökologisch und handwerklich hergestellten Lebensmitteln in der Gastronomie, Hotellerie und dem Feinkosthandel einen immer größeren Stellenwert einnimmt.

Die vielen kleinen innovativen Erzeuger bzw. Hersteller sind das Maß der Dinge, aber auch die „Großen“ richten ihre Konzepte mehr und mehr auf das Zielpublikum, das wir ansprechen. Wir finden es sehr wichtig, dass kleine Strukturen gestärkt werden und die Chance erhalten sich zu etablieren, die eben durch ihre Überzeugung und ihren Mut einfach authentisch arbeiten.

Die Betonung liegt ja auf dem Wort „next“. Also: What´s next?

Da kommt einiges auf uns zu! Es gibt unheimlich viele Veränderungen und Strömungen in der Lebensmittelbranche. Nach dem Bio-Boom und der Vegan-Bewegung kommt der Transparenz-Gedanke zurück. Die Endverbraucher wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen.

Außerdem wird es mehr Alternativen geben zu dem Übermaß an Molkerei-, Fleisch– und Industrieprodukten. Das Lebensmittelsystem ist massiv ausgeufert. Regionaler Bezug ist wichtig, ebenso weniger Fleischkonsum und insgesamt weniger Produkte tierischen Ursprungs. Daraus resultieren neue Produktideen, Gastro-Konzepte, Einzelhandelsunternehmungen und Großhandelsstrukturen, die auf Anhieb angenommen werden.

Wir sehen vor allem im Healthy-Food-Bereich viele Trends: Neue Rohstoffe werden entdeckt, wie z.B. Moringa oder frischer Kurkuma. Cold-Press ist ein Riesen-Thema, Kokosmilchjoghurt, frische Algen (dieses Jahr auch auf der Next Organic zu finden), ein sehr hoher Bedarf an Superfoods und vor allem Lebensmittel aus der Region.

Supermärkte führen vegane Produktlinien ein, ein Bio-Sortiment ist Standard und Bio-Supermärkte wachsen. Zugleich weiß man beim Brunch im Restaurant nicht, ob die Rühreier mit Eiern aus Freiland – oder Käfighaltung hergestellt wurden. Viele Gastronomen sagen auch: Das muss ich mir ja alles einzeln besorgen, und kaufen dann doch lieber im Großhandel. Anspruch und Effizienz, wie bringt man das zusammen?

Es gibt immer mehr Gastronomen, die sehr auf die Herkunft der Lebensmittel achten. Gerade auf sensible Frischeprodukte wie Eier, Fleisch- und Molkereiprodukte. Die Verteilung dieser Produkte ist längst logistisch hervorragend gelöst. Alle großen Frische-Verteiler haben das Bio-Ei oder die Bio-Milch aus der Region im Angebot. Immer mehr Erzeuger beliefern auch direkt oder bieten die Waren auf Märkten an. Die Bio-Großhändler erweitern ständig ihr Angebot, um der steigenden Nachfrage zu entsprechen und das ist oft sehr regional und saisonal-betont. Der höhere Preis muss kommuniziert werden, Herkunft und Qualität müssen im Vordergrund stehen. Dann nimmt der Gast diesen auch in Kauf.
 


Welche Format-Neuerungen wird es auf der diesjährigen Messe geben?

Es wird erstmalig eine größere Gastrolounge geben, in der das Thema nachhaltige Tischkultur eine große Rolle spielen wird. Premiere hat in diesem Jahr auch das „Rieber Food Lab“. Hier präsentieren wir u.a. drei Kochteams, die im Deutschen Pavillon auf der Expo 2015 in Mailand ihr Handwerk vorstellen werden: Lucki Maurer, die Gebrüder Eggert und Björn Moschinski. Insgesamt haben wir 12 Kochshows zu unterschiedlichen Themen, wie z.B. Raw Food, Fisch, Fleisch und Vegan.

Wie sieht das beim Raw Food konkret aus, wie können sich Gastronomen, die bislang maximal einen Rohkostsalat auf der Karte haben, sich diesem Thema nähern?

Führende Köpfe wie z.B. Boris Lauser bieten auf der Next Organic spezielle Workshops an, wo genau auf diese Fragen eingegangen wird. Raw Food muss man verstehen lernen. Gastronomen und gerade auch Hotels sollten sich dem Thema mehr annehmen. Rohkost ist auch eine Obst- und Gemüse-Küche. Regionalität und Saisonalität hat in der Rohkost-Küche eine große Gewichtung.

Du sagtest neulich in einem Interview mit „Esspress“, Berlin sei der kulinarische Marktführer in Deutschland. Da hatte Berlin vor einiger Zeit aber noch einen ganz anderen Ruf. Was hat sich getan?

Berlin hat durch seine Geschichte eine besondere Stellung. Schon in den Siebziger Jahren hat sich in Westberlin eine Naturkostszene etabliert, die gewachsen ist. Vieles ist aus der Szene hervorgegangen. Ende der 90er kam dann der Bio-Boom. Immer mehr Biosupermarkt-Konzepte haben sich hier angesiedelt und durchgesetzt.

Solch eine Ladendichte gab es nirgends in Deutschland. Es lag eigentlich auf der Hand, dass andere Bereiche wie die Hotellerie und die Gastronomie nachziehen. Der Touristen-Boom, die günstigen Mieten, die Clubkultur und die ehemaligen Ostbezirke tragen einen großen Teil dazu bei. Stand der Dinge ist: Wenn ich eine gute Idee habe und Erfahrung mitbringe, kann ich im Foodsektor in Berlin fast alles versuchen.

Der neue „Food Entrepreneurs Club“ bildet auf der Next Organic eine eigene Sektion: „FEC goes NOB„. Was dürfen die Besucher hier erwarten?

Viele Food-Akteure sind Quereinsteiger und sehr wissbegierig. Im Dialog mit dem „Food Entrepreneurs Club“ haben wir unter dem Motto „Do The Right Thing And Make Profit“ ein Begleitprogramm entwickelt, das ihnen fachlichen Wissensinput zu zukunftsweisenden Themen vermittelt. In spannenden Panels mit erfahrenen Food-Unternehmern werden aktuelle Themen diskutiert, Gesprächsrunden sollen dem Publikum praktische Tipps und motivierende Denkanstöße geben. Und in der „Ping-Pong-Area“ bieten wir die Möglichkeit, sich in Einzelgesprächen mit Food-Experten aus den Bereichen Lebensmitteltechnik, Finanzierung, Design, Recht, Vertrieb, Personal, Social Media und Crowdfunding über die eigene Idee und das eigene Produkt auszutauschen. Der exklusive Zugang zum Netzwerkbereich macht es leicht, mit anderen Unternehmern, Bloggern und Journalisten ins Gespräch zu kommen.

Jiro, vielen Dank.

Next Organic Berlin
10. Mai 2015, 10–18 Uhr
Flughafen Tempelhof
Platz der Luftbrücke 5
12101 Berlin

Mehr Informationen zur Next Organic sowie Karten für Messe und „FEC goes NOB“ hier.


Quelle: nomyblog

7 Fragen an Jiro Nitsch von der "Next Organic Berlin", Eisenbahnstraße 42, 10997 Berlin
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