Muslimisches Leben in Kreuzberg

Die offene Eck-Moschee

In der Glaskuppel der Moschee
In der Glaskuppel der Moschee
Am Görlitzer Bahnhof wurde 2010 nach langer Bauzeit die "Omar Ibn Al Khattab Moschee“ als Teil des siebenstöckigen Maschari-Centers eröffnet. Das Gebäude hat nicht nur eine gläserne Kuppel, sondern möchte auch gegenüber Andersgläubigen transparent sein.

Das Prunkstück ist der zehn Meter hohe, palastartige Gebetssaal mit zwei Galerien. Er leuchtet in kräftigen Gold-, Grün- und Weißtönen und ist reichlich mit Stuck verziert. Die Mosaik-Fenster an der Decke färben das einfallende Licht bunt, von der Kuppel hängt ein riesiger Kronleuchter. Der Bau des Maschari-Centers auf dem Gelände des ehemaligen Bolle-Supermarkts hat insgesamt sechs Jahre gedauert.

Äußerlich wirkt das Gebäude, in dem sich auch die Moschee befindet, wie ein Geschäftshaus. Der Komplex ist 5000 Quadratmeter groß, neben dem Gebetssaal, Seminarräumen und Büros residieren hier unter anderem ein Imbiss-Restaurant, ein Reisebüro und eine Fleischerei. Am Dach erkennt man das Gotteshaus am ehesten: es besteht aus einer gläsernen und begrünten Kuppel sowie vier kleinen Minaretten, die sich gut in die Umgebung einpassen. „Sie sind den vier sunnitischen Rechtsschulen Hanefi, Schafi, Melik und Achmad gewidmet“, sagt Birol Ucan, Bauherr und Sprecher des Islamischen Vereins für wohltätige Projekte (IVWP e.V.).

Gemeinde mit ausgestreckter Hand

Der IVWP wurde ursprünglich von Muslimen palästinensischer und libanesischer Herkunft gegründet. „Wir bezeichnen uns als sunnitische Muslime mit sufistischen Einflüssen“, erklärt Ucan. Mit radikalen islamischen Gruppierungen und Sekten will der Verein nichts zu tun haben. „Angeblich Gläubige mit radikalen Ansichten haben bei uns keinen Zutritt“, sagt der Sprecher. Die Gemeinde habe das Ziel, über diese extremen Gruppen aufzuklären. „Wir wollen zeigen, dass der Islam keine Terrorreligion ist.“

Über den Stellenwert der Glaubensrichtung „Habash“, zu der sich die Gemeinde bekennt, sei in Deutschland nicht viel bekannt, sagt Ayfer Dudu, Autorin des Buches „Islam auf Sendung“. „Fest steht, dass die Berliner Gemeinde, lange als Hinterhof-Moschee in Berlin verschrien, mit dem Bau massiven Anfeindungen ausgesetzt war, sich aber Interessierten gegenüber immer offen verhalten hat.“ Sprecher Ucan wollte von Beginn an Transparenz demonstrieren und warf Briefe mit seiner Telefonnummer in die Briefkästen der Nachbarschaft. Die Gemeinde ist offen für gemeinsame Veranstaltungen mit Schulen und Volkshochschulen, Jobcentern und dem Bezirksamt. „Bei uns ist jeden Tag ein Tag der offenen Tür“, sagt Ucan. Interessierte Muslime und Nicht-Muslime könnten sich die Räumlichkeiten jederzeit anschauen – gerne auch zum Freitagsgebet.

Viel Flair, hohe Kosten

Der Gebetssaal ist von verschiedenen arabischen Stilen beeinflusst: Gebetsnische und Kanzel sind nach osmanischer Tradition gebaut, die Gipsarbeiten an den Wänden und der Decke nach andalusisch-marokkanischer. „Das Design haben spezialisierte Fachhandwerker aus Spanien mit marokkanischen Wurzeln entworfen“, erzählt Ucan. Das international-islamische Flair spiegelt sich bei der Herkunft der Besucher wider: in der Moschee beten Gläubige mit libanesischen, palästinensischen, türkischen, afrikanischen und albanischen Wurzeln. „Ich würde uns als internationale Gemeinde zum größten Teil hier geborener Migranten bezeichnen“, sagt Ucan. Unter der Woche werde nur im Erdgeschoss gebetet. „Und zwar Frauen und Männer gemeinsam.“ Beim Freitagsgebet und an Festtagen wie Ramadan seien alle drei Ebenen geöffnet.

Die Fassade der Omar Ibn Al Khattab Moschee war bereits zwei Jahre vor der Eröffnung fertig, doch mit der Inneneinrichtung dauerte es aus finanziellen Gründen etwas länger als geplant. Man war auf die Spenden von Gläubigen und Gönnern angewiesen, denn die Baukosten von Berlins zweitgrößter Moschee werden auf zehn Millionen Euro geschätzt. Der Verein hatte mit Marktständen und in Geschäften, bei muslimischen Veranstaltungen und im Internet Muslime um Spenden für den Bau gebeten.

Im Erdgeschoss und im dritten Stock des Maschari-Centers befinden sich Ladenräume, im vierten ein Veranstaltungssaal, im fünften der deutschsprachige Kindergarten einer privaten Eltern-Initiative, im sechsten Stock die Büroräume des Vereins. Inzwischen sind die Verzögerungen beim Bau vergessen und die Moschee an der Ecke hat sich mit Leben gefüllt.


Quelle: Der Tagesspiegel

Omar Ibn Al-Khattab Moschee, Wiener Straße 1, 10999 Berlin

Telefon 030-6126961

Die Omar Ibn Al Khattab Moschee am Görlitzer Bahnhof soll ein offenes Gotteshaus sein.

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