Berlin-Charlottenburg

Anwohner planen Bürgerhaus am Lietzensee

Anwohner planen Bürgerhaus am Lietzensee
Am Lietzensee soll bald ein neues Kulturzentrum mit Café entstehen.
Neue Kantstraße - Ein neuer Verein will das leer stehende Parkwächterhaus am Charlottenburger Lietzensee pachten. In dem 90 Jahre alten Baudenkmal soll es ein Café und Kulturveranstaltungen geben. Dafür gab es auch Lob von Klaus Wowereit.

Den Regierenden Bürgermeister haben die Charlottenburger Anwohner schon mal auf ihrer Seite. Dem neuen Verein „Parkhaus Lietzensee“, der das historische Parkwächterhauses im Lietzenseepark wiederbeleben will, empfahl Klaus Wowereit einen Lottomittelantrag. Die Chancen stünden gut, sagte er den Initiatoren Katja Baumeister-Frenzel und Carsten Knobloch vor wenigen Tagen beim SPD-Fest am Lietzensee. Wowereit muss es wissen, er ist noch Stiftungsratsvorsitzender der Lottostiftung. Nur über Zuschüsse für den Verein wird er wegen seines angekündigten Rücktritts als Bürgermeister wohl nicht mehr entscheiden.

Für ein Comeback des leer stehenden Baudenkmals hatte sich zunächst der Verein „Bürger für den Lietzensee“ stark gemacht, der am vorigen Wochenende sein zehnjähriges Bestehen feierte, den Park pflegt und zu Veranstaltungen einlädt. Der Bürgerverein will das Haus aber nicht selbst pachten, wie es der neue Verein plant. Dessen „harter Kern“ besteht laut der Vorsitzenden Katja Baumeister-Frenzel aus sieben Leuten. Sie selbst ist Kulturwissenschaftlerin sowie Event- und Kulturmanagerin, der Vize-Vorsitzende Knobloch hat ein Büro für Kommunikationsdesign. Auch Architekten und ein Gastronomieexperte machen mit. Zum älteren Bürgerverein pflege man freundschaftliche Kontakte, sagt Baumeister-Frenzel, zwei ihrer Unterstützer seien auch dort Mitglied.

Das Haus soll gemeinnützigen Zwecken dienen

Jetzt haben sich die Anwohner an einem Interessenbekundungsverfahren des Bezirks beteiligt. Der Verein will nachbarschaftliches und soziales Engagement fördern, der erste Stock im Haus ist für Kulturveranstaltungen und Integrations- und Bildungsarbeit gedacht. Unten soll ein Café eröffnen, das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) hat sich bereit erklärt, die Gastronomie zu übernehmen. So könnte das Café zur Ausbildungsstätte für benachteiligte junge Leute werden. Anwohner haben ihr Interesse bekundet, mitzuhelfen: Es gebe „ältere Damen, die gerne am Tresen stehen würden“, sagt Baumeister-Frenzel. Außerdem könnte es einen Verleih für Spiel- und Sportzubehör wie Basketbälle oder Tischtenniskellen geben.

Das einstige Parkwächterhaus war 1924-25 nach Plänen des Stadtbaurats Rudolf Walter entstanden. Es steht neben dem großen Spielplatz im Nordwesten des Lietzenseeparks, den vor allem der berühmte Charlottenburger Gartendirektor Erwin Barth (1880 bis 1933) gestaltet hatte. Zuletzt hatte das bezirkliche Grünflächenamt die oberen Etagen genutzt. Bis vor drei Jahren gab es ein Büro, Duschen und Toiletten für die Grünpfleger. Unten schloss 2012 ein kleines Café mit Biergarten. Draußen am Haus gibt es die öffentlichen Toiletten im Park, darunter ein Behinderten-WC. Seit dem Spätsommer 2013 betreibt die Wall AG die Toiletten, deren Vereinbarung mit dem Bezirk läuft aber bald aus.

Die teure Restaurierung könnte schrittweise erfolgen

Das größte Problem ist der Zustand des Hauses: feuchtes Fundament, lose Ziegel, verstopfte Regenrinnen, Vandalismusschäden. Auch verlangt der Bezirk einen barrierefreien Zugang, die enge Treppe kann aber kaum entsprechend umgebaut werden. Damit Behinderte in den ersten Stock oder das kleine Dachgeschoss gelangen können, wäre eine andere Lösung wie eine Außentreppe nötig – dies würde auch das Brandschutzproblem des fehlenden zweiten Rettungswegs lösen. Allerdings ist fraglich, was die Denkmalschutzbehörden davon hielten. Der Bezirk schätzt die Restaurierungskosten auf etwa 600.000 Euro, die der ausgewählte Pächter übernehmen soll. Über so viel Geld verfügt der Verein nicht, man setzt auf einen „Stufenplan“. Die wichtigsten Reparaturen und Umbauten wären demnach für etwa 150.000 Euro möglich, weitere Investitionen könnten folgen.

Stiftungen sollen Fördermittel in Aussicht gestellt haben, sie wollen aber noch nicht genannt werden. „Da beißt sich die Katze in den Schwanz“, sagt Baumeister-Frenzel, man müsse dem Bezirk ja eine gesicherte Finanzierung nachweisen. Angedacht ist auch eine „Crowdfunding“-Kampagne im Internet. Im Interessenbekundungsverfahren haben es die Anwohner in die engere Wahl geschafft. Spannend wird es für sie am 17. September, wenn sie und zwei andere Bewerber ihre Konzepte persönlich der Jury vorstellen. In dieser sitzen Vertreter des Bezirksamts und der BVV, aber auch Mitglieder des älteren Lietzensee-Vereins.

Näheres unter parkhaus-lietzensee.de. Der Verein „Bürger für den Lietzensee“ stellt sich unter www.lietzenseepark.de vor.


Quelle: Der Tagesspiegel

Anwohner planen Bürgerhaus am Lietzensee, Herbartstraße, 14057 Berlin
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