Sommerkurs an der Eduard-Mörike-Grundschule

Starthilfe für rumänische Kinder

Starthilfe für rumänische Kinder
Gemeinsam stark: Kinder aus rumänischen Familien lernen an der Eduard-Mörike-Grundschule in lockerer Atmosphäre Deutsch.
Um die Kinder rumänischer Einwanderer schneller in den Unterricht integrieren zu können, bietet die Eduard-Mörike-Grundschule noch bis Freitag einen Deutsch-Sommerkurs für Kinder an. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und selbst wenn der Andrang groß ist, wird kein Kind abgewiesen.

Schule statt Ferien? Rumänische Kinder aus Neukölln scheinen diese Gelegenheit gerne zu ergreifen. Im Rahmen der Sommerschule für Roma an der Eduard-Mörike-Grundschule sollen vor allem Kinder, die nach den Ferien eigeschult werden, gemeinsam Deutsch lernen. Doch auch ältere Schüler sind willkommen. Im vergangenen Jahr war die Nachfrage nach Plätzen so groß, dass sich der Bezirk Neukölln gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Bildung entschloss, das Projekt auch in diesem Sommer fortzusetzen.

Obwohl eigentlich nur 15 Plätze eingeplant waren, versammeln sich bis zu 20 wenig oder überhaupt kein Deutsch sprechende Grundschüler und Kita-Kinder um neun Uhr in der Eduard-Mörike-Grundschule. Und täglich werden es mehr.

Das könnte auch daran liegen, dass es hier laut Schulbetreuerin Ana-Maria Munteanu „lockerer als im normalen Unterricht“ zugeht. Es gibt keine Anwesenheitspflicht und auf die Minute pünktlich muss auch kein Kind kommen. Gemeinsames Musizieren und Malen, spielerisches Rechnen und gemeinsame Spaziergänge durch den Neuköllner Kiez und auf Spielplätze stehen stattdessen auf dem Programm.

Schritt für Schritt auf dem Weg zum eigenen Namen

Unter den Teilnehmern ist auch die fünfjährige Eva, die an diesem Morgen einen Zettel mit sich herumträgt. Darauf hat sie unzählige E’s in blauer Farbe gemalt. Am Freitag, dem letzten Tag des zweiwöchigen Kurses, wird Eva, so hofft Lehrerin Oana Bauer, ihren Namen schreiben können. „Wir schicken niemanden weg“, betont Bauer, die gemeinsam mit einer Kollegin den Sprachunterricht leitet. Über den persönlichen Kontakt spricht sich das Angebot in Roma-Kreisen immer weiter herum, kein Teilnehmer muss sich anmelden.

Die elfjährige Ana-Maria kam vor vier Monaten mit ihren Eltern aus Rumänien nach Berlin. Damals konnte sie überhaupt kein Deutsch. Doch heute, an ihrem ersten Tag in der Sommerschule, kann das Mädchen bereits mit Bestimmtheit sagen: „Ich will sprechen und lesen.“

Die Muttersprache der eingesetzten Sprachvermittlerinnen ist Rumänisch – auch an den Stellen, an denen man mit Deutsch wirklich nicht weiterkommt, können sie deshalb helfen. Ab dem Sommer arbeiten sie in Vollzeit an der Eduard-Mörike-Grundschule. So können sie nicht mehr nur abseits des Unterrichtes etwas für die Kinder tun, sondern auch direkt in einer Schulstunde bei Unklarheiten übersetzen.

„Mit dem Sprachenlernen kennen sich die Kinder aus“, erzählt Helferin Munteanu. Viele Einwandererfamilien sprechen neben Rumänisch auch Romanes, die Sprache der Sinti und Roma. Schulleiterin Beatrice Westphal berichtet von der oftmals schwierigen Situation der Einwandererkinder im Klassenzimmer: „Wenn sie frisch in der Klasse sind, sitzen sie da und die Wörter rauschen an ihnen vorbei.“

Stetig wachsende Zahlen

Im Schuljahr 2010/11 hätten erstmals rumänische Kinder den Unterricht an der Eduard-Mörike-Grundschule besucht, heute stammen 50 von 350 Schülern aus Rumänien, so die Direktorin. Die kontinuierlich steigende Anzahl fordert nicht nur dieser Neuköllner Schule besondere Leistungen ab.

Zwischen 2011 und dem kommenden Schuljahr wird die Zahl der rumänischen Kinder an Neuköllner Schulen von 550 auf etwa 700 steigen, so rechnet der Bezirk vor. Monatlich gehen bis zu 30 Schulanmeldungen von Familien aus Rumänien ein. Seit das Land gemeinsam mit Bulgarien 2007 der europäischen Union beigetreten ist, nimmt die Zahl rumänischer Mitbürger ständig zu. Obwohl sie sich erst 2014 unbeschränkt in Deutschland niederlassen dürfen, ist mit einem gewinnbringenden Gewerbe schon jetzt der unbegrenzte Aufenthalt in Berlin möglich – unter oftmals sehr schlechten Wohnbedingungen.

Die Sommerschule an der Eduard-Mörike-Grundschule wendet sich daher ganz gezielt an Kinder aus rumänischen Familien. Franziska Giffey, die Neuköllner Bildungsstadträtin, betont noch einmal die Dringlichkeit der fördernden Maßnahme: „Aus keinem anderen Land gibt es so viele Zuzüge mit so wenigen Sprachkenntnissen.“ So schnell wie möglich sollen sich die zugezogenen Grundschüler in ihrem neuen Umfeld orientieren können. „Wenn uns das nicht gelingt, wird es für den Staat richtig teuer“, so Giffey.


Quelle: Der Tagesspiegel

Eduard-Mörike-Schule, Stuttgarter Str. 35, 12059 Berlin

Telefon 030 680856890

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