Ratgeber

(H)aushelfen: Andere unterstützen, ohne die Wohnung zu verlassen

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Nein, wirklich angebracht ist es aktuell nicht, sich vor die Tür zu begeben. Und sowieso: Wo sollte man hin, wo so vieles zu ist und nicht einmal das Wetter mitspielt? Schön ist das nicht, denn auch weiterhin gibt es da draußen zahllose Menschen zwischen Reinickendorf und Treptow-Köpenick, die irgendeine Form von Hilfe benötigen ...

Haben diese Leute nun Pech gehabt? Nö, nicht unbedingt. Denn mit wenig mehr als Smartphone und Laptop kannst du auch jetzt mächtig vielen Menschen unter die Arme greifen, ohne auch nur deine Couch, geschweige denn die Wohnung zu verlassen.

1. Themenwissen in Foren und Gruppen weitergeben

Jeder von uns hat irgendetwas, in dem er besonders gut ist und/oder einige Erfahrungen vorzuweisen hat. Das kann ein Hobby sein, das du langjährig ausübst. Es können Themen sein, die deinen Beruf betreffen oder auch Komplexe, mit denen du dich in Schule und Studium besonders leidenschaftlich befasst (hast). Salopp formuliert: Du hast von irgendeinem Wissensgebiet wahrscheinlich deutlich mehr Ahnung als zumindest sehr viele Laien da draußen. 

Damit steht bereits das wichtigste Grundgerüst. Denn ganz gleich, ob es sich ums CB-Funken handelt, ob die Zucht von Schlangen und anderem seltenen Getier, um alte Konsolenspiele oder buchstäblich „irgendein“ anderes Thema: zu all dem gibt es Foren, gibt es bei Facebook oder anderen Social Networks Gruppen, gibt es Channels bei YouTube. Und wenn du da nichts findest, stehen die Chancen hoch, dass du spätestens in der ellenlangen Liste von Subreddits auf Reddit ein Thema findest, in dem du dich auskennst. 

Der Rest ist wirklich simpel: Erstelle dir einen Account (sofern das überhaupt nötig ist) und dann schau dich um, wer eine Frage hat, auf die du eine Antwort weißt. Vielleicht bist ja genau du derjenige, der etwas erklären kann, was dem Fragesteller schon seit ewigen Zeiten unter den Nägeln brennt. 

 2. Rezensionen und Tests verfassen

Unser heutiges Leben besteht zu einem großen Teil aus Waren und Erlebnissen. Beides Dinge, für die man teilweise sehr viel Geld ausgeben muss, um sie genießen zu können. Beides sind aber ebenfalls auch Dinge, für die sich Hersteller, Anbieter und Verkäufer oftmals nur sehr wenig Mühe geben, ungeschönte, umfangreiche oder wenigstens verständliche Informationen bereitzustellen – vielleicht hast auch du bei einem Onlinehändler schon einmal verzweifelt versucht, eine mehr schlecht als recht von Google aus dem Chinesischen ins Englische ins Deutsche übersetzte Produktbeschreibung zu entziffern. 

Und ganz gleich, ob es das Hotel deines letzten Urlaubs vor dem Lockdown ist, die Strickjacke, die du dir zum Herbstbeginn gekauft hast, ein Buch, Spiel oder eine Serie, die du zuletzt genossen hast: Praktisch immer hast du bei den Anbietern, auf den Verkaufsseiten und auf neutralen Drittportalen die Möglichkeit, deine Erfahrungen ungeschönt und ungefiltert all jenen zu unterbreiten, die selbst mit dem Gedanken spielen, für dieses Produkt, dieses Erlebnis Geld auszugeben. 

Du kannst ganz einfach beginnen: Geh einfach bei Amazon deine Bestellhistorie durch. Dann gibst du jedem Produkt eine deiner Meinung nach angemessene Anzahl Sternchen und schreibst einen möglichst umfassenden, ehrlichen Text darüber. Stell dir dabei ruhig die Frage, was du vor einem erneuten Kauf des Produkts wissen wolltest, ohne es zu kennen; gute Rezensionen zu schreiben macht zwar etwas Aufwand, hilft dann aber umso besser – Sachen wie „Alles gut, gerne wieder“ helfen niemandem. 

Auch muss deine Hilfsbereitschaft nicht bei sehr allgemein gehaltenen Dingen enden. Im Gegenteil, gerade bei Sachen, die eher in Nischen gehören, ist es oft besonders schwer, ehrliche Meinungen zu finden. Du spielst gerne in digitalen Casinos? Dann findest du dafür eine Anlaufstelle zum Rezensieren ebenso, wie du bei HolidayCheckTripadvisor und ähnlichen Seiten auch sehr spezielle Trips zusammenfassen kannst.  

Selbst wenn das betreffende Unternehmen sich nicht einmal auf den allgemeinen Bewertungsportalen findet, kannst du immer noch auf Google Maps Bewertungen abgeben – da tragen sich heutzutage üblicherweise selbst kleinste Firmen auch ohne Online-Bezug ein.  Immer geht es um das Gleiche: Du hast Erfahrungen mit einer Ware, also bestärke andere in ihrer Absicht oder hilf ihnen, (d)einen Fehlkauf zu vermeiden. Gerade heute, wo viele Fake-Bewertungen kursieren, ist das wichtiger denn je.

3. Nachhilfe geben – für lau

Auch wenn du nicht mehr die Schulbank drückst, kannst du dir vielleicht vorstellen, wie es heutzutage für deine Nachfolger aussieht – da hat mancher umständehalber ziemlich viele Lücken zu schließen. Und zumindest wenn dein Schulwissen noch nicht völlig veraltet ist, kannst du beim Schließen helfen. 

Typischerweise funktionieren die allermeisten Portale für (digitale) Nachhilfe auf Honorarbasis. Das heißt, du musst da meistens Geld an das Portal für seine Vermittlung abführen – und dementsprechend nicht nur bei deinen Schülern die Hand aufhalten, sondern zumindest auch einen Nebenerwerb anmelden. Das geht zwar mittlerweile online, ist aber weder fix noch sonderlich flexibel. 

Du möchtest lieber etwas fürs Karma tun und einfach ab und zu kostenlose Nachhilfe erteilen? Dann hast du folgende Optionen:  

  1. Du erstellst einfach eine Kleinanzeige auf den einschlägigen Portalen im Netz – bei eBay Kleinanzeigen gibt es dafür sogar eine eigene Kategorie. Schreibe aber schon in der Headline, dass du dafür nichts haben möchtest.
  2. Falls du studierst, kannst du dich auch an den ehrenamtlichen Verein „Studenten bilden Schüler“ (SbS) wenden. Der arbeitet mit weiteren Trägern zusammen.
  3. Eine weitere Studi-Variante ist der „Corona School e.V.“. Die Vorgehensweise ist prinzipiell gleich, setzt aber einen besonders starken Fokus auf Videokontakte.
  4. Im Zweifelsfall kannst du auch immer die gute, alte Kiez-Methode verwenden: Erstelle am Rechner einen Flyer, auf dem du über dich (wichtig: Bildungs-Background nicht vergessen) und über die Fächer, in denen du helfen willst, informierst. Dazu eine zugängliche Kontaktmöglichkeit und ab damit in Bäckereien, Supermärkte und alle anderen Läden, die geöffnet haben. 

Der Rest ist buchstäblich Videotelefonie. Suche dir einen Dienst, den möglichst jeder nutzen kann – also beispielsweise nicht FaceTime, weil das nur Apple-Nutzern zur Verfügung steht. Falls du auch beim Korrigieren von Arbeiten helfen möchtest, solltest du mit deinen Schützlingen eine datenschützende Übertragungsmethode für die Unterlagen wählen. Etwa der selbst von Edward Snowden empfohlene und quelloffene Kurznachrichtendienst Signal – er funktioniert praktisch genauso wie WhatsApp, ist aber im Unterschied dazu nichtkommerziell.

4. In seelsorgerischen Themen helfen

So richtig perfekt dürfte es dir aktuell vielleicht nicht gehen. Aber immer, wirklich immer, gibt es noch zahllose andere Menschen, denen es noch ein gutes Stück schlechter geht. Und sehr häufig trauen sich diese Menschen nicht, sich von Gesicht zu Gesicht jemandem anzuvertrauen.  

Darin könnte sich eine weitere Möglichkeit für dich eröffnen, anderen aus deinem Zuhause heraus zu helfen. Prinzipiell musst du dazu aber wissen, dass es nur wenige offizielle Kanäle gibt, über die du seelsorgerisch tätig sein kannst. Das liegt schlicht daran, dass es für den Umgang mit Menschen bestimmtes Vorwissen braucht – du willst ja nicht durch ein falsches Wort, einen unbedarften Satz alles noch verschlimmern.  

Bei der Berliner Telefonseelsorge“ beispielsweise würde man dich zunächst anderthalb Jahre lang intensiv ausbilden, bevor du ans Telefon gelassen wirst. Auch das ehrenamtliche und gänzlich übers Netz funktionierende Sorgen-Tagebuch hat für Unausgebildete nur ehrenamtliche Positionen in unterstützender Funktion offen. Derartige Anlaufstellen sind jedoch in jedem Fall etwas für dich, falls du nicht nur jetzt und kurzfristig helfen möchtest, sondern längerfristig denkst. 

Allerdings offeriert das Netz auch niedrigschwellige Methoden. Hier gibt es beispielsweise das Kummer Board“, das wie ein ganz normales Forum aufgebaut ist, wo also jeder jedem helfen kann. Auch der Kummerchat“ ist nach einem ähnlichen Muster aufgebaut, legt aber einen größeren Fokus auf eine Live-Hilfe in Echtzeit. 

Bevor du jedoch auf diese Weise fremden Menschen hilfst, solltest du vielleicht kurz in dich gehen: Gibt es in deinem näheren Umfeld jemanden, 

  • von dem du weißt, dass er einsam ist?
     
  • der aktuell mit Existenznöten kämpft oder sie zumindest befürchtet?
     
  • dessen Beziehung nicht gerade zum Besten steht?
     
  • bei dem Krankheiten (auch in seinem engen Umfeld) zu beklagen sind? 

Kurz: Denk erst einmal an deine Freunde, Verwandte, Nachbarn und Arbeitskollegen. Wenn es unter denen jemanden gibt, der eventuell eine telefonische Schulter zum Ausweinen braucht, solltest du hier als erstes ansetzen – vielleicht einfach mit einem „Na, wie geht’s?“-Anruf. 

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