Clubsterben in Friedrichshain

Klappe zu, Antje tot

Klappe zu, Antje tot
Mit Konzerten im gemütlichen Inneren des Friedrichshainer Projektraums Antje Øklesund ist es erstmal vorbei.
Samariterkiez / RAW-Gelände – Gleich zwei Verluste hat der Friedrichshain in diesen Wochen zu verschmerzen: Die Schließung des so genannten "RAW Tempels" und des Antje Øklesund. Wobei das so nicht stimmt. Schließlich hatte der RAW Club mit dem RAW Tempel eigentlich nichts zu tun und die Macher des Antje Øklesund dürfen im neuen Gewand weitermachen.

Clubsterben und Nutzungskonflikte sind Berlin nicht neu, Friedrichshain hatte gerade im letzten Jahr einige Clubschließungen zu verschmerzen. Jetzt luden zwei Kiezlieblinge zum finalen Tanz: der RAW Club und das facettenreiche Antje Øklesund, zu dem das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

RAW-Club ist nicht RAW-Tempel und Schuld sind nicht die Göttinger

Grund für die Schließung des RAW-Clubs ist ein Streit zwischen dem Betreiber und seinen Vermietern. Wer jetzt die Augen verdreht und an die neuen RAW-Eigentümer denkt, liegt falsch. Tatsächlich hat das Kreativnetzwerk CLoF (Creative Lobby of Future) den Mietvertrag gekündigt. Mit dem Netzwerk kooperiert auch der „RAW-Tempel„, ein gemeinnütziger Kulturverein, der noch immer Veranstaltungen auf dem RAW-Gelände betreut. Früher betrieben der Verein und ein externer Gastronom den basslastigen Club gemeinsam. Die Zusammenarbeit scheiterte. Nun wurde der externe Betreiber „rausgekickt“, wie Holger Werner es nennt. Der Geschäftsführer des CLoF e.V. streitet schon lange mit dem Club. „Ist doch ganz klar, dass wir nicht mehr mit jemandem zusammenarbeiten, der seit über einem halben Jahr keine Miete zahlt“, sagt er.

Der Club hätte einige Ansprüche nicht erfüllt gesehen und die Zahlung deshalb verweigert. Der Verein wisse nicht, wovon die Rede sei. Fakt ist: CLoF möchte möglichst schnell wieder Veranstaltungen in der Location anbieten. Politische Diskussionen, Lesungen, auch einen Clubbetrieb. Darum habe man dem Club seine Schulden erlassen, dafür musste der bis zum 31. Mai das Feld räumen. Schon Ende Juni soll es unter neuem Namen weitergehen.

Antje Øklesund verteidigt den Kiez

Eine Schließung und gleichzeitig Metamorphose macht das Antje Øklesund durch, das tatsächlich mit einem neuen Geländeeigentümer zu kämpfen hat. Schon 2012 war klar: Ihr Sitz in der Rigaer Straße wird zum Wohnquartier gemacht. Eine Baugenehmigung gab es vom Bezirk allerdings nur unter der Voraussetzung einer Zusammenarbeit mit dem Antje Øklesund und anderen Mietern. Schnell stand fest, dass zumindest ein Clubbetrieb inmitten des geplanten „Gewerbehofes mit kultureller Nutzung“ nicht existieren wird. Aber die Jungs vom Øklesund entschieden sich zu bleiben. „Obwohl der Neubau richtig hässlich werden könnte haben wir beschlossen: Mitdiskutieren ist besser als zu gehen. Wir wollen uns nicht vom Kiez verabschieden, auch wenn die Schließung schmerzhaft ist“, sagt Hajo Toppius, einer der Projektgründer.

 

Ab dem 20. Juni ist offiziell Schluss, auch wenn das Bauprojekt in der Rigaer Straße erst 2017 abgeschlossen sein soll. Wegen einiger Verzögerungen könnte Antje vielleicht sogar bis zum März 2016 auf dem Gelände bleiben. „Wir schließen aber trotzdem zum ursprünglichen Termin und starten anschließend eine Dokumentation des Abschieds“, verrät Toppius. Man wolle fotografieren und Videos drehen, die Räumlichkeiten des Øklesund künstlerisch festhalten.

Von Zwischenlösungen und Halbwertzeiten

Bis alles fertig gebaut ist, wird die ehemalige Möbelfrabrik in der Rigaer Straße von den Kulturschaffenden zwischengenutzt. In Containern werden dann Ausstellungen organisiert und die Gestaltung des Areals geplant, es soll Spielmöglichkeiten und ein Café geben. Im Miniaturformat wird so unter dem Arbeitstitel „Møbelturm“ das neue soziokulturelle Zusammenleben ausprobiert, das Antje Øklesund in Zukunft folgt.

Auf seine Art werde im Antje Øklesund exemplarisch eines der größten Probleme der Stadt diskutiert, sagt Toppius: Wie gehen wir mit der geringen Halbwertzeit des Nachtlebens um, wie kann man vergängliche Architektur und Strukturen in Neubauten integrieren? Die Idee Antje Øklesund wird jedenfalls in irgendeiner Form überleben, ist sich der Betreiber sicher. Auch wenn bisher noch lange nicht klar sei, wie das neue Wohnhaus mit dem begehrten Kulturhof in zwei Jahren aussieht.


Vom 15. bis zum 20. Juni feiert das Antje Øklesund seinen Abschied. Mit dabei sind zum Beispiel Der Stier aus der Bronx, die schon auf der Eröffnung des Kulturraumes zu den Gitarren griffen. Und natürlich dürfen auch die Hauskapelle, das Adriano Celanto Gebäckorchester, und eine Vielzahl anderer Wegbegleiter der letzten zehn Jahre nicht fehlen. Alle Infos und das volle Programm findest du auf dieser Homepage.

Antje Öklesund, Rigaer Str. 71-73, 10247 Berlin
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