Drogenkriminalität an der Hasenheide

Anwohner fühlen sich alleingelassen

Anwohner fühlen sich alleingelassen
Nicht immer so friedlich: Volkspark Hasenheide
Drogenabhängige, die Innenhöfe zum Konsum nutzen, Dealer auf den Gehwegen: Die Drogenszene schwappt aus dem Volkspark Hasenheide in umliegende Wohngebiete, es kommt vermehrt zu Straftaten außerhalb des Parks. Die Kiezbewohner fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen.

Kiffer und ihre Dealer waren rund um die Hasenheide in Nordneukölln schon lange ein gewohntes Bild. Doch mit Junkies in den Hausfluren und nächtlichen Überfällen wollen sich die Anwohner nicht abfinden: Am Dienstag trafen sie sich, um öffentlichkeitswirksam auf das Problem aufmerksam zu machen. Wie der Tagesspiegel erfahren hat, plant die Polizei, die Gegend zum Kriminalitätsschwerpunkt zu erklären, um effektiver gegen Straftäter vorgehen zu können. Dies sei jedoch keine dauerhafte Lösung des Problems.

Einer der betroffenen Anwohner ist Stephan M. Er wohnt seit fünf Jahren in dem Gebiet um Karlsgarten-, Flughafen- und Hermannstraße. Vor kurzem wurde er überfallen, seine Frau bedroht. „Da reichte es“, sagt er. Er wollte die Kiezbewohner zusammenbringen, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Über 50 sind an diesem Abend in der Kneipe „Crazy by Locke“ versammelt. Alle haben ähnliche Erfahrungen gemacht: Fixerutensilien bleiben in den Hauseingängen liegen, Kot und Erbrochenes in den Fluren. Ruhestörungen sind an der Tagesordnung und nun vermehrt auch tätliche Angriffe. „Und die Bullen kommen immer zu spät“, beschwert sich eine alte Frau.

Die drei anwesenden Polizisten vom zuständigen Abschnitt 55 schreiben mit und nicken wissend. „Da können wir fast nichts machen“, sagt ihr Dienstgruppenleiter, der anonym bleiben möchte. Er setze daher auf erhöhte Aufmerksamkeit der Bürger: „Genaue Täterbeschreibungen, immer anrufen, wenn sie etwas sehen, genaue Zeitangaben.“ Die Aussage kommt bei den Anwohnern nicht gut an. Häufig würden Anrufe einfach ignoriert. „Wenn ich anrufe, höre ich nur: ’Warum sind Sie denn da hingezogen?’“ Die Anwohner kritisieren auch den Bezirk. Der Neuköllner Migrationsbeauftragte Arnold Mengelkoch ließ ein Treffen im letzten Augenblick platzen, weil dieses seine „Befugnisse übersteigt.“ Auch ansonsten erklärt sich der Bezirk für nicht zuständig. Bürgermeister Heinz Buschkowsky ließ durch Ordnungsamtsleiter Horst-Holger Kalusa ausrichten: „Kriminalitätsvorbeugung und Kriminalitätsbekämpfung sind ausschließlich Aufgabe der Polizei.“

Die Polizei kann wenig tun

Doch auch die hat kaum Möglichkeiten. Daher wolle man nun die Gegend um die Flughafenstraße und die Hasenheide zu einem „kriminalitätsbelasteten Ort“ erklären lassen. Einem entsprechenden Antrag soll polizeiintern stattgegeben werden. Offiziell werden diese Kriminalitätsschwerpunkte in Berlin von der Polizei unter Verschluss gehalten. Sprecher Thomas Neuendorf erklärte, dadurch solle einer Stigmatisierung der Gegenden vorgebeugt werden. Rund 20 solcher Schwerpunkte gibt es in der Hauptstadt, darunter das Kottbusser Tor, die Hasenheide sowie die gesamte U-Bahnlinie 8. Für die Polizeiarbeit hat das die Konsequenz, dass die Beamten in den betroffenen Gebieten nach dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) leichter Personen kontrollieren und Durchsuchungen durchführen können. Voraussetzung ist, dass dort „Straftaten von erheblicher Bedeutung“ vorkommen und nachgewiesen werden.

Eine echte Lösung könne das aber nicht sein, sagt einer der Beamten. Effektiver sei es, dem Vermieter eine Mietminderung anzukündigen, damit dieser die Probleme ernst nehme und Gegenmaßnahmen treffe – wie etwa die Installation von Kameras oder eines sicheren Schließsystems.


Quelle: Der Tagesspiegel

Hundeauslaufgebiet im Volkspark Hasenheide, Volkspark Hasenheide, 12053 Berlin

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