Berliner Nachtleben

Warum brav, wenn's auch lauter geht

Warum brav, wenn's auch lauter geht
Berlin kennt keinen Schlaf. Und das ist auch gut so.
Eine Sperrstunde für Berlin? Das wäre für die Autorin ein Anschlag auf die Vielfalt der Hauptstadt und ihrer Bewohner. Warum das so ist und was der Fernsehturm in ihrer Argumentation zu suchen hat, das erfahren sie in dieser kurzen Kampfschrift.

Berlin hat keine Sperrstunde nötig. Wer Ruhe sucht, der kann sie an vielen anderen deutschen Orten finden. Im Bayerischen Wald. In einer Kleinstadt nahe Hannover. Oder im Spreewald. Aus welchen Gründen sollten wir Berlin am Zügel nehmen, die Stadt regulieren und zum Stillhalten zwingen? Warum nicht das Nachtleben der Hauptstadt sich selbst  überlassen?

Für mich ist es eine große Freiheit, in Berlin ungezwungen über meine Nächte entscheiden zu können. Wann ich komme, wann ich gehe, alles bleibt meinem freien Willen überlassen. Und wenn ich um 12 Uhr nachts heimkehre, dann habe ich die Entscheidung aus einem guten Grund getroffen.

Wenn ich dagegen um sechs Uhr in der Früh immer noch nicht genug bekommen kann und trotzdem von der müden Bedienung einer Bar zum Aufbruch genötigt werde, dann kann Berlin mir helfen. Hier muss die Nacht kein Ende finden, man kann sie gebührend zelebrieren – so lange man möchte.

Jedem das Seine

Wer Sonne, Märkte und Ausflüge liebt, dem sei sein Vergnügen gegönnt. Doch die Einzigartigkeit einer Berliner Nacht überragt jedes Tagesprogramm. Dreist, großmäulig und doch verblüffend charmant sind die nächtlichen Stunden in der Hauptstadt. Vernunft und Mäßigung sind hier fehl am Platze. Wer darauf Lust hat, der sollte sein Glück woanders suchen.

Dieser Text entsteht, nachdem ich in der vergangenen Nacht durch zwei Bars und einen Club gezogen bin. Wie könnte ich diesen Marathon bis Mitternacht absolvieren? Ich hätte keine Chance! Das werden einige maßlos nennen. Doch wo sonst kann man die unvernünftigen Seiten der nächtlichen Stunden so genießen wie in Berlin? Berlin ufert aus und die Menschen wollen an der hemmungslosen Kraft der Hauptstadt teilnehmen. Eine Sperrstunde würde dieser Symbiose einen Riegel vorschieben. Wir würden eine Stadt in ihren Rechten beschneiden – eine Stadt, deren Wahrzeichen nicht zufällig eine riesige Discokugel auf der Spitze trägt.

Grenzenlose Hauptstadt

Berlin macht alles möglich, darin liegt das verlockende Geheimnis. Alles geht, nichts muss und viel Raum für Skurriles, Freches und Gewagtes steht jederzeit offen. Berlin schenkt die Freiheit, unterschiedliche Lebenskonzepte zu realisieren. Diese Attraktivität sollten wir unserer Hauptstadt erhalten.

Berlin holt in den frühen Abendstunden Luft. Die Stadt verharrt nicht in stumpfer Lethargie, sie bereitet sich vor und schöpft Kraft für eine weitere grenzenlose Nacht und ihre Eroberer. Wer in einen der versteckten Clubs vorgedrungen ist, in denen die Party unendlich zu sein scheint, für den sind Arbeitsalltag und Rauchverbot meilenweit entfernt. Für ihn zählen nur Musik und das Dröhnen der Bässe. Ins helle Licht des Tages kann man zurückkehren, wenn man müde ist. Oder Sehnsucht hat: Nach dem Alltag und einer großen Tasse Kaffee.


Quelle: Der Tagesspiegel

Warum brav, wenn's auch lauter geht, Panoramastraße A 1, 10178 Berlin

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