Architekturstudierende stellen Wohnkonzepte vor

Arbeitstitel Boddinhaus

Arbeitstitel Boddinhaus
Vogelblick auf das Quartier.
Flughafenstraße - Für die sozialgerechte Neugestaltung eines Eckgebäudes an der Hermannstraße gibt es noch keinen Investor und keine stadtentwicklungsrechtliche Absegnung - aber Konzepte! Darunter sind auch fünf Modellideen Cottbusser Architekturstudierender. Bis Anfang Dezember kann man sich deren Träume vom bezahlbaren Mietraum im Quartiersbüro anschauen.

Manche Ecken in Neukölln gehören nicht gerade zu den attraktivsten der Stadt. Sie sind weder architektonisch ästhetisch noch wohnlich komfortabel. Obendrein starten Angebotsmieten bei Neuverträgen seit geraumer Zeit bei 8 Euro. Es scheint, als seien die glanzvollen Zeiten von 5,50 Euro pro Quadratmeter, der integrativen Einbindung der nahen Moschee und des intergenerationellen Nachbarschaftshauses vorbei – letzteres, seit die Bundesförderung für den Kieztreffpunkt ausgelaufen ist.

Doch wer sich unter der Woche ins Quartiersmanagement in der Erlanger Straße 13 einschleicht, erlebt sein modelliertes Wunder: Fünf junge Architekturstudierende stellen dort bis zum 6. Dezember ihre Entwürfe für ein Boddinhaus aus, das die Nachbarschaft in der Flughafenstraße, Ecke Hermannstraße beleben will. Allein seinen Kiez in Miniatur zu überblicken, ist schon ein fantasieanregender Spaß, wie man ihn zuletzt als Kind mit der Eisenbahn hatte: Ein großes Modell zeigt den Kiez im Kleinen, die Straßen und Häuser.

Plastische Modelle für die Flughafenstraße

Auch die ideellen Baumaßnahmen der Studierenden sind als plastische Modelle im Raum ausgestellt. Im Fokus aller 30 eingereichten Arbeiten stand die Sozialverträglichkeit des Entwurfs, es entstanden Skizzen, Plakate und 3D-Plastiken für bezahlbaren Wohnraum, für interkulturelle Annäherung, für offene Geländegestaltung. Für die Ausstellung ausgesucht wurden daraufhin fünf Jungarchitekten der Uni Cottbus; zwei wurden von einer Jury vorgeschlagen, drei ergänzen die Ausstellung und zeigen exemplarisch die breiten Gestaltungsfantasien im gesamten Wettbewerb auf. Preiswerter Wohnraum und nachbarschaftliche Begegnungsstätten wurden da konzipiert – architektonisch wertvoll, aber dezent.

Nicht, dass Studierende der Architektur keine gestalterischen Großprojekte denken könnten – im Gegenteil. Die aktive Entscheidung gegen den optischen Fokus in der Flughafenstraße setzt ein Zeichen für die Nachhaltigkeit, letzendlich auch die finanzielle Realisierbarkeit der vorgeschlagenen Projekte. Noch dazu eignen sich die anwohnerfreundlichen baulichen Ideen für eine Konzeptvergabe des ungenutzen Standortes nach sozialen Kriterien statt nach dem höchsten Gebot. Der Meistbietende würde vielleicht ein architektonisches Prestigeobjekt aus dem Boden stampfen – unbeachtet bliebe aber der Einbezug beispielsweise der Moschee in die Gestaltung des Blocks oder ein mehrgenerationeller Begegnungsort.

Nicht so bei den jungen Architekten: Ihre Ideen sind dermaßen auf die Bedürfnisse Neuköllns abgestimmt, dass das Quartiersmanagement die Entwürfe bereits an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weitergereicht hat. Als gestalterische Basis können sie weitere Planungsüberlegungen beflügeln. Bis dahin bleiben die Ideen für ein Boddinhaus aber leider noch, was sie sind: Arbeitstitel.

Das Quartiersmanagement Flughafenstraße hat immer montags bis donnertags, von 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr geöffnet. Freitags ist das Büro von 10 bis 14 Uhr für Besucher frei. Frei ist ebenfalls der Eintritt, die Austellung geht bis zum 6. Dezember.

Quartiersmanagement Flughafenstraße, Erlanger Straße 13, 12053 Berlin

Telefon 030 62904362
Fax 030 62904602

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Montag bis Donnerstag 10:00 bis 13:00 Uhr und 14:00 bis 18:00 Uhr | Freitag 10:00 bis 14:00 Uhr

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