Film-Review

Asphaltgorillas: Drogen, Falschgeld und Kreuzberger Nächte

Asphaltgorillas: Drogen, Falschgeld und Kreuzberger Nächte
Mit El Keitar (Kida Khodr Ramadan) ist nicht zu spaßen, das merkt Marie (Ella Rumpf) ziemlich schnell. Nur funktioniert bei ihr die Einschüchterungstaktik nicht ganz wie gedacht.
Krimis aus Neukölln und Kreuzberg mit Straßenattitüde und Authentizität – das ist gerade ein guter Mix für Erfolg. Detlev Buck unterlegt das Ganze auch noch mit einer Kurzgeschichte vom internationalen Bestsellerautor Ferdinand von Schirach und castet Rapper wie Capital Bra und Influencerin Stefanie Giesinger. Was dabei rauskommt? Ganz schön viel Chaos ...

Atris (Samuel Schneider) hat noch nie seinen Kreuzberger Kosmos verlassen. Der zeichnet sich aus durch muskelbepackte Gorillas, Gangsterboss El Keitar (Kida Khodr Ramadan) sowie seinen ständigen Begleiter Mo (Oktay Özdemir) und seine Mutter, die nach einer arabischen Ehefrau für ihn sucht. Der Junge mit gewisser Aufrichtigkeit will eigentlich gar nicht andere Grasdealer (gespielt von Rapper Capital Bra) vom Kotti verscheuchen, schließlich kassiert er dafür mächtig was auf die Nase, aber den Ansagen von El Keitar entfliehen – das funktioniert für den jungen Mann nicht.

Frischen Wind bringt sein langjähriger Freund Frank (Jannis Niewöhner) in den Kiez, der nicht nur ganz schön schicke Klamotten trägt, sondern auch Lambo fährt. Das Geld hat er aber nicht selbst verdient, sondern das kommt von dem russischen Geschäftsmann Sergej, sein Schwiegervater in spe. Statt mit Freundin Oxana (Stefanie Giesinger) das Luxusleben in Papis Eigentumswohnung zu genießen, will Frank Unabhängigkeit und mittels asiatischer Mafia und frisch gedrucktem Falschgeld durchstarten. Für seine Pläne spannt er auch Atris ein, der seinen Kopf und sein Herz mittlerweile an die Kaufhausdiebin Marie (Ella Rumpf) verloren hat.

El Keitar und Frank sind die beiden Hitzköpfe, die ständig kurz vor dem Herzinfarkt zu stehen scheinen. Sie befeuern mit ihren Aktionen die Handlung des Films, wobei die eigentlichen Nutznießer von ihrer Forschheit und damit auch Unbedachtheit andere sind. Einzige Kompetenz bei Asphaltgorillas haben die Frauen-Rollen, ob nun die professionelle Verbrecherin Die Mongolin (Uisenma Borchu) oder Marie, die Atris vor der Rache des Clanoberhaupts El Keitar schützt.

Buck ist zurück

Nach etlichen Kinderfilmen à la Bibi & Tina porträtiert der bekannte Regisseur und Drehbuchautor eine ziemlich verrückte, kriminelle Neonnacht durch Berlin. Hunde verschlucken Schlüssel zu wichtigen Geheimverstecken, Lamborghinis verschwinden und das auf Kosten des Kotti-Bosses (SSIO), der unter dem Pantoffel seiner Öko-Braut Ariane (Julia Engelmann) steht und Ganove mit Vokuhila Ronny (Georg Friedrich) duscht lieber im Luxusapartment als auf Falschgeld aufzupassen. Detlev Buck schafft gezielt Chaos, verbindet aber dennoch gekonnt Schicksale der unterschiedlichsten Charaktere. Dass man den Überblick in der Handlung nicht verliert, mag auch daran liegen, dass die Story frei auf der Kurzgeschichte Der Schlüssel von Ferdinand von Schirach basiert. Denn so gibt es doch zumindest einen Leitgedanken und eine Entwicklung.

Doch lohnt es sich, ins Kino zu gehen? Hier sind wir nicht wirklich überzeugt. Ja – der Cast ist beeindruckend, über Georg Friedrich,  Stipe Erceg, Ella Rumpf, Samuel Schneider und Jannis Niewöhners Talente braucht man nicht diskutieren. Heraus sticht für uns aber Kida Khodr Ramadan, der eigentlich die gleiche Rolle wie in 4 Blocks spielt und dann auch wieder nicht. Statt dem besonnenen Toni ist El Keitar eher aus dem Holz von Tony Montana geschnitzt. Ähnlichen Rollenprofilen trotzdem eine andere Richtung einzuhauchen, das schafft Kida Khodr Ramadan mit Bravour und ja, das ist schon sehenswert.

Auch die Rapperinnen von SXTN gehören zum Cast.

Figuren aus der Öffentlichkeit als Allheilwunder

Warum man eine Influencerin statt einer Schauspielerin engagiert? Das ist natürlich eine Frage, die wie folgt beantwortet werden kann: Die Followerschaft guckt den Film ziemlich wahrscheinlich an, und wenn es gut läuft, bringt es Authentizität. Auch, wenn Giesinger sicherlich nicht sich selbst, sondern nur eine Abwandlung davon, spielt. Das Prinzip hat schon bei 4 Blocks und den Rappern gefruchtet. Leider funktioniert das mit der Echtheit bei Asphaltgorillas nicht besonders, vielleicht kurz bei der Szene mit Capital Bra. Warum nur? Vielleicht, weil die Figuren so viel sollen. Es geht um Coolness, klar, aber dann auch wieder um Lacher, und zwar auf Knopfdruck, die dann doch nicht kommen. Einziger Lichtblick: Die Figur Mo. Dazu kommt, dass die Begegnungen so schrecklich gewollt inszeniert sind. Berlin, das ist oft Zufall und gerade deshalb besonders. Aber wenn in einem Film zwei Menschen sich wiedertreffen, weil sie immer wieder auf der Windschutzscheibe von anderen landen, ist das dann real? Nope. Es bleibt bis zum Schluss unklar, was der Film sein will und welche Mittel dafür probat sind. Bisschen enttäuscht sind wir also schon, weil Knallhart immer noch ein großartiger Film ist, wir hoffen also auf den nächsten Buck und bitten um mehr Nachhaltigkeit und weniger Trend.

Kinostart ist der 30. August 2018

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