Großflughafen Schönefeld

BER: Probleme über Probleme

BER: Probleme über Probleme
Noch haben die Bauarbeiter auf dem Gelände des künftigen Großflughafens in Schönefeld alle Hände voll zu tun.
Am Freitag tagte der Aufsichtsrat des geplanten Großflughafens BER in Schönefeld. Statt klarer Vorgaben traten dabei viele Unsicherheiten auf den Plan. Eventuell könnte die Eröffnung des neuen Airports noch länger auf sich warten lassen und teurer werden als geplant. Wir haben die größten Unsicherheitsfaktoren für Sie zusammengestellt.

Brandschutz

Sorgenkind Entrauchungsanlage: Vor allem die Kabel der notwendigen Sicherheitseinrichtung sind ein Hindernis. Die Schächte in der Flughafen-Decke können ihr Gewicht möglicherweise nicht halten. Außerdem sind die Trassen wohl zu klein und behindern Lüftungsschächte und Sprinkleranlagen. Die bereits montierten Zwischendecken müssen eventuell wieder entfernt werden. Der daraus resultierende notwendige Umbau aller angeschlossenen Schachtanlagen könnte das gesamte Flughafengebäude betreffen und zusätzlich viel Zeit und Geld kosten. Die Brandschutzklappen, die im Frühjahr aufgrund fehlender Zertifizierung zu einem Baustopp geführt hatten, sind dagegen mittlerweile vom Landesamt für Bau und Verkehr in Cottbus durch eine „Zustimmung im Einzelfall“ abgesegnet – sie können in Betrieb gehen.

Eröffnung

Klaus Wowereit (SPD), Regierender Bürgermeister und Vorsitzender des Aufsichtsrats, hält den 17. März als neuen Eröffnungstermin für zweifelhaft. Sollten sich die Probleme beim Brandschutz ausweiten, wird das Datum wohl nicht beibehalten werden können. Die Flughafengesellschaft und zahlreiche Aufsichtsratsmitglieder geben sich zwar optimistischer, doch das letzte Wort hat Horst Amann, der neue Technik-Geschäftsführer. Der ehemalige Planer der Fraport AG in Frankfurt am Main will sich zunächst mit eigenen Augen über den Zustand des BER informieren. Ein Team von 50 Mitarbeitern soll darüber hinaus in den nächsten Wochen mehrere zehntausend Unterlagen zum Brandschutz prüfen.

Lärmschutz

Die Zeit läuft der Flughafengesellschaft davon. Anfang Juli wird ihr vom Potsdamer Verkehrsministerium ein Bescheid zugesandt, der den zulässigen Geräuschpegel in vom Fluglärm betroffenen Wohnungen auf 55 Dezibel beschränkt. Etwa 10.000 Anwohner haben damit einen Anspruch auf Entschädigung. Die Flughafengesellschaft will zwar juristisch gegen die beschlosssene Obergrenze vorgehen, doch Kritiker des Flughafens wehren sich gegen den Einspruch. Vom „Stil einer Bananenrepublik“ ist die Rede. Der Versuch des Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD), eine Klage gegen die im Planfeststellungsbeschluss festgelegten Lärmobergrenzen zu verhindern, war am Freitag in der Aufsichtsratssitzung abgelehnt worden.

Politisches Debakel

Auch aus den Reihen der Opposition hagelt es Kritik. Ramona Pop, die Fraktionschefin der Grünen-Fraktion, findet das Vorgehen der Flughafengesellschaft gegen den beschlossenen Lärmschutz falsch. Außerdem solle eine Entscheidung über den genauen Eröffnungstermin spätestens im August getroffen werden. „Wenn das nicht passiert, wird es politisch eng für Wowereit.“ Auch Martin Delius von den Berliner Piraten macht sich für die Schallschutz-Auflagen der Gerichte stark. Er wird den Untersuchungsausschuss zum BER leiten und ist sich sicher: „Das Management hat bewusst gegen den Planfeststellungsbeschluss gehandelt.“

Personalie Schwarz

Rainer Schwarz, der noch immer amtierende Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, schweigt zu den Vorfällen am BER. Für Martin Delius ist die „Kette von Fehlern“ unter Schwarz‘ Aufsicht unverständlich. Auch Ramona Pop stellt die „Position von Schwarz sehr infrage“. Oliver Friederici (CDU) findet die „Art und Weise, wie Herr Schwarz in der Öffentlichkeit mit dem BER-Desaster umgeht, sehr problematisch“. Ob Schwarz noch bis zur tatsächlichen Eröffnung des Großflughafens Schönefeld Chef der Flughafengesellschaft bleiben kann, wird zumindest aus Oppositionskreisen stark bezweifelt.

BER: Probleme über Probleme, Kirchstraße 19, 12529 Schönefeld

Weitere Artikel zum Thema Wohnen + Leben

Kultur + Events | Wohnen + Leben

Top 10: Berliner Nörgelthemen

Berliner jammern gern. Und weil das Wetter und die lieben Nachbarn einfach zu wenig hergeben, […]