Dahlem, Zehlendorf
Aufregend unaufgeregt

Besuch auf dem Waldfriedhof Dahlem

Besuch auf dem Waldfriedhof Dahlem
Ein bedeutsamer Ort: Auf dem Waldfriedhof Dahlem gibt es viele Berliner Ehrengräber. Zur Foto-Galerie
Argentinische Allee – Wenn man nicht gerade in Zehlendorf wohnt, ist der Waldfriedhof Dahlem JWD – also janz weit draußen. Ein Ausflug hierhin lohnt sich aber allemal: Während man durch baumgesäumte Gräberreihen schlendert, gelangt man unmerklich zur Ruhe – und nicht nur das: Beim Innehalten passiert es nicht selten, dass man sich vor dem Grab einer bedeutsamen Person wiederfindet.

Dorothea, Gustav, Traudel und Erich. Diese Namen stammen aus einer anderen Zeit, die Grabmale mit ihren Jahreszahlen bezeugen das stumm und unverkennbar. Die Zeugnisse aus längst vergangenen Tagen sind auf dem Waldfriedhof eher unprätentiös: Schnörkellose Grabsteine stehen auf einfach begrünten Gräbern, aufwendige Skulpturen oder gar Mausoleen sucht man hier vergebens.

Am Haupteingang gibt eine Uralt-Karte Auskunft über die Gräberlage. Durch rote Sticker und von Hand eingezeichnete Zahlen sind die Ehrengräber der Stadt Berlin markiert. Eine alphabetische, in Folie gefasste Liste, nennt die zugehörigen Namen: Viele Professoren, Politiker, Schauspieler und Journalisten liegen hier. Unter anderem der weltbekannte Kunstsammler Heinz Berggruen, die Politikerin und Frauenrechtlerin Marie Elisabeth Lüders oder die Luftfahrt-Pionierin Elly Beinhorn.

Grab Erich Mühsam.
Nur wenige Meter vom Eingang entfernt liegt auf der rechten Seite eine von jenen Personen mit rot markierter Ruhestätte: Erich Mühsam. Die Sonne scheint an diesem heißen Tag durch die Baumwipfel, durch eine Lücke fällt ein großer Strahl auf das Grab des Querdenkers und Literaten. Eine Fügung so theatralisch, dass sie kaum aushaltbar ist. Mühsam wurde am 10. Juli 1943 im KZ Oranienburg ermordet. Besucher haben weiße Steine auf das Grabmal gelegt, darunter einen vergoldeten: „Sich fügen heißt lügen“ steht darauf. Ein Mühsam-Zitat.

Nicht nur dieses Grab, der ganze Friedhof ist schlicht gehalten, die Gründe liegen in der Geschichte: Bei Konzeption und Bau in den Jahren 1931-1933 wurde das Augenmerk auf die erste Worthälfte von Parkfriedhof gelegt. Aufwändige Grabmäler sollten erst gar nicht in die Verlegenheit geraten, mit der gärtnerischen Gestaltung in Konkurrenz zu treten. Diese Vorgabe fügte sich in die späteren nationalsozialistischen Maßgaben, Anträge zur Aufstellung von Grabfiguren wurden von den Nationalsozialisten konsequent abgelehnt.

„Ich habe gelebt“

Gräber auf dem Waldfriedhof.
Im Hier und Jetzt steht man – einmal quer über den Friedhof gelaufen – vor dem nächsten Grab eines bekannten Literaten: Gottfried Benn, Arzt und Verfasser der berühmten Morgue-Gedichte, ist hier neben seiner Frau Ilse begraben. Auch hier weiße Steine auf dem Grabstein, auch hier kein Prunk. Immer wieder begegnen dem Besucher alte Namen und Familiengräber, doch es gibt auch neue Grabstätten. Eingeschweißte Zettel richten liebe Worte an die Verstorbenen. Ein Kreuz, vor dem weiße Steine das Wort „Opa“ bilden, ist mit einer schwarz-rot-goldenen Deutschlandkette geschmückt. Wiederum auf einem anderen Grabstein ist nur ein Familienname nebst den Worten „Ich habe gelebt“ zu lesen. Es geht ein leichter Wind, das Rauschen der Bäume tut sein Übriges.

Zurück auf der rechten Seite des Friedhofs taucht das Grab von Entertainer Harald Juhnke auf. Ein im Vergleich etwas größerer Grabstein zieht die Aufmerksamkeit auf sich; es hätte trotzdem passieren können, dass er beim Vorbeilaufen unbemerkt geblieben wäre. Auf dem Weg zum Ausgang fällt noch ein ungewöhnlich großes Kreuz ins Auge. „Den Opfern des Krieges 1939 – 1945“ steht darauf geschrieben, auf dem Boden vier graue Tafeln mit unzähligen Namen.

Direkt vor den Pforten des Friedhofs fährt ein Bus in Richtung Steglitz. Zwanzig Minuten später steigt man aus und ist wieder im Stadttrubel. Noch trägt man ein Stückchen Ruhe mit sich. Auf dass es sich nicht so schnell aufbraucht.

Foto Galerie

Waldfriedhof Dahlem, Hüttenweg 47, 14195 Berlin

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