Unterwegs im Kiez

Der märchenhafte Süden von Neukölln

Der märchenhafte Süden von Neukölln
Der Märchenbrunnen im Schulenberg-Park. Jugendstil wird hier mit gotischen Elementen verbunden. Zur Foto-Galerie
Sonnenallee - Das hippe Neukölln, aber auch das sozial schwache Neukölln, befinden sich innerhalb des S-Bahn-Rings. Außerhalb geht es eher bürgerlich zu. Wir haben Kiez und Areal rund um die Köllnische Heide mal unter die Lupe genommen - und märchenhaftes vorgefunden.

Unsere „outside-the-ring“-Erkundungstour startet am S-Bahnhof Köllnische Heide. Zur rechten lärmt die Sonnenallee, zur linken erstrecken sich gepflegte Häuserreihen. Von Schischa-Bars, wie sie wenige Kilometer weiter westlich zu finden sind, ist hier keine Spur. Es wird grün und grüner, schon nach wenigen Metern kündigt ein Schild einen Parkeingang an.

Drinnen erstreckt sich ein großer Spielplatz. Ein besonderer Spielplatz. Wir lassen ihn aber erst mal links (genau genommen rechts) liegen und ziehen weiter in den Von-der-Schulenburg-Park. Eine gepflegte und recht weitläufige Anlage tut sich auf: Blumenbeete, Rasenflächen und ein künstlich angelegtes Wasserbecken liegen vor uns. Während wir laufen, treffen wir auf zwei Landschaftspfleger. Müll sucht man hier vergebens, sogar die Mülleimer sind blitzeblank und leer. Da darf sich der Görli bitteschön mal eine Scheibe von abschneiden.

Ein zauberhafter Brunnen

Wir passieren das Wasserbecken, Enten freuen sich über den Premium-Pool. Circa 50 Meter weiter taucht dann das Herz des Parks auf: der Märchenbrunnen. Schnörkel, Steinfrösche und wasserspeiende Fratzen bilden zusammen ein Jugendstil-Gebilde mit gotischen Elementen. Der Brunnen, so verrät es später das Internet, stammt aus dem Jahr 1915, die ganze Parkanlage wird schätzungsweise auf das Jahr 1913 datiert. Benannt ist der Schulenburg-Park übrigens nach Rudolf Wilhelm Graf von Schulenburg, der zwischen 1914 und 1917 Oberpräsident der Provinz Brandenburg war.

Aber zurück ins Hier und Jetzt: Hinter dem Märchenbrunnen liegt eine große Wiesenfläche. Hier lässt es sich hervorragend picknicken – aber offenbar nicht am frühen Morgen. Gerade ist der Park noch ziemlich leergefegt.

Einmal durchquert, verlassen wir das Grüngelände, nur um auf die nächste Grünanlage zuzusteuern: Begrünte Seiten- und Schleichwege, die parallel zur Sonnenallee verlaufen, kommen hübsch und ruhig daher. Nach einem langgezogenen Rechtsknick allerdings landen wir wieder auf der Hauptstraße. Wir entscheiden: Hier ist es uns definitiv zu autolastig, wenige Minuten später stehen wir wieder im Park, die Seitenwege wollen schließlich auch noch erkundet werden.

Köllnische Heide
Und spätestens jetzt wird es definitiv märchenhaft: Verteilt auf drei Bänke, die sich an einen Seitenweg schmiegen, treffen wir auf sonderliche Gestalten: Zwerge – sieben an der Zahl – und ein tierischer Kauz glubschen uns aus Holzaugen an. Am Ende des Weges weist der leicht verunstaltete Zwerg Emil (mit einer aufgesprühten Sonnenbrille kommt er seltsam cool daher) den Weg. Wir folgen seinem ausgestreckten Zeigefinger und landen… genau: Auf dem Spielplatz, den wir vorhin links liegen gelassen haben. Es wäre eine Schande gewesen. Neben dem Brunnen ist dieses Kinderparadies des 2008 generalüberholten Parks das Prunkstück der Grünanlage: Böse Hexen und rauschebärtige Zauberer treiben auf dem Gebrüder-Grimm-Spielplatz ihr Unwesen und sogar einen Schatz soll es hier geben…

Als wir kurz darauf den Heimweg antreten und wieder vor dem S-Bahnhof stehen, fragten wir uns, was jetzt wohl der bösen Hexe vom Spielplatz in den Sinn käme? Wir jedenfalls würden einfach die Autos weg- und die S-Bahn pünktlich hexen. Den Park ließen wir aber so, wie er ist: zauberhaft.

Foto Galerie

Der märchenhafte Süden von Neukölln, Sonnenallee, Berlin
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