Hier wird sich was ausgemalt

Wie diese Bilder Wünsche wahr machen

Wie diese Bilder Wünsche wahr machen
Kunst als Mittel der Kommunikation: Hier setzt die Initiative "PaintNow" an. Zur Foto-Galerie
Julius-Leber-Brücke – Heute eröffnet eine Ausstellung, bei der es eigentlich gar nicht um Kunst geht. Was dahinter steckt und warum es trotzdem rund 90 sehenswerte Bilder gibt, erzählen die Initiatorinnen des Projekts "PaintNow".

Ein Meer aus hektisch gezogenen, braunen Filzstiftstrichen, in der Mitte ein Boot, das voll besetzt auf einem Wellenkamm tanzt. Das DIN-A4 große Bild ist notdürftig mit Kaugummi an die Wand geklebt, es hängt in der Neuköllner Notunterkunft Jahnsporthalle. Als Susanne dieses Bild entdeckt, lässt es sie nicht mehr los, ein paar Tage vergehen und wenig später ist die Idee zu dem Projekt PaintNow geboren: Sie möchte gemeinsam mit geflüchteten Menschen malen. „Wo noch keine Sprache ist, kann Kunst etwas ausdrücken“, erklärt sie.

Die gebürtige Neuköllnerin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Initiative GermanNow ins Leben gerufen, ein Projekt, das ehrenamtliche Deutschlehrer und Geflüchtete zusammenbringt. Auf einem Treffen mit ihren Helfern stellt sie ihre Idee zum Kunst-Projekt vor: In den Hangars der Notunterkunft Tempelhof möchte sie Malworkshops für Geflüchtete organisieren und dadurch einen Raum der Begegnung schaffen. Anschließend will sie die Bilder in einer Galerie ausstellen. Das Ziel: Die Menschen und ihre Geschichten sollen raus aus der Notunterkunft, rein in die Stadt.

Emotionen und Erinnerungen: Bei den Malworkshops in den Tempelhof-Hangars kam alles auf's Blatt.

 

„Ich war direkt begeistert“, erklärt Anna. Sie war beim ersten Treffen dabei, heute leitet sie das Projekt ehrenamtlich. Seit diesem Treffen sind gerade mal drei Monate vergangen, „und jetzt stellen wir schon aus“, freut sie sich. Sie selbst sei jetzt nicht unbedingt eine ausgewiesene Kunstkennerin, aber darauf komme es ja auch gar nicht an: „Eigentlich ist die Kunst eher Mittel zum Zweck, im Kern geht es um etwas anderes.“ Neben den Bildern werden in der Ausstellung kurze Steckbriefe zu sehen sein. Vorname, Alter, Beruf, Herkunftsland und – das ist zentral – ein Wunsch stehen darauf. Ich möchte gerne in einem Volleyballverein spielen oder Ich brauche jemanden, der auf meine Kinder aufpasst, wenn ich zum Arzt gehe, kann man hier nachlesen. „Mit der Ausstellung suchen wir Menschen, die diese Wünsche erfüllen können“, erklärt Anna.

Wenn ein Wunsch einen Erfüller findet

In der Praxis läuft das dann so: Kann ein Besucher einen Wunsch erfüllen, merkt er sich die Nummer des dazugehörigen Bildes und wendet sich per Mail an PaintNow. Wünscher und Erfüller werden dann von Anna zusammengebracht.

87 Bilder, Steckbriefe und Wünsche werden nun in der Galerie Under the Mango Tree zu sehen sein. Die Palette der Gefühle und Motive ist genau so bunt wie die Farben, mit denen die Geflüchteten sie zu Papier gebracht haben. Es gibt heitere und dramatische Bilder. Die Künstler hatten keine Vorgaben.. „Klar, haben wir auch schon diskutiert, ob wir alles ausstellen wollen. Es tauchen zum Beispiel immer wieder blutige Tränen auf, es sind Geschichten von schrecklichen Verlusten“, sagt Anna. „Wir waren uns dann aber schnell einig: die Geschichten sollen erzählt werden, wenn die Geflüchteten das wollen.“

Raus aus der Notunterkunft, rein in die Stadt

Bei der Eröffnung der Ausstellung werden auch die Künstler dabei sein. Raus aus der Notunterkunft, rein in die Stadt, das gilt auch hier. Einen anfangs gar nicht mitgedachten Nebeneffekt habe es übrigens auch gegeben, erklärt Susanne: „Wir haben auch eine Therapeutin in unseren Reihen. Sie hat die Bilder analysiert und in Gang gesetzt, dass traumatisierte Menschen eine Therapie bekommen.“

Zwei Wochen lang läuft die Ausstellung nun. Susanne und Anna haben schon Anfragen von weiteren Galerien, die Ausstellung könnte auf Wanderschaft gehen.“Aber vielleicht“, hofft Susanne, „ist das ja gar nicht nötig: Wenn alle Wünsche erfüllt haben, braucht es ja keine zweite Runde mehr.“

„Wenn ein Wunsch Gestalt annimmt – When a whish takes it’s form“ vom 12.- 31.08.2016 in der Galerie Under the Mango Tree, Merseburger Straße 14, 10823 Berlin. Öffnungszeiten: Di-Fr von 15:30 – 18:30 Uhr, Sa+So von 13:00-16:30 Uhr. Eintritt frei. Vernissage am 12. August um 19:00 Uhr.

Weitere Infos unter germannow.de.

Foto Galerie

Under the Mango Tree, Merseburger Straße 14, 10823 Berlin
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