Ausstellung im Hamburger Bahnhof

Ernste Spiele

Ernste Spiele
Harun Farocki: Ernste Spiele III: Immersion, 2009. Videostill.
Invalidenstraße - Im Hamburger Bahnhof sind bis Mitte Juli vier Videoprojektionen des filmischen Essayisten Harun Farocki zu sehen, in denen der Künstler den Einsatz von Computerspielen für militärische Zwecke reflektiert.

Wie wird man eigentlich US-Soldat? Und wie bereitet man sich auf Waffeneinsätze am anderen Ende der Welt vor? In Zeiten digitaler Medien scheint das für die zuständigen Behörden gar kein Problem mehr zu sein: Man nehme ein eigens entwickeltes „Spiel“, Joystick und Bildschirm – fertig ist das perfekte Rüstzeug für spätere Auslandseinsätze. Wo andere nur „daddeln“, können die Soldaten ihre Reaktionsgeschwindigkeit testen, fremde Landschaften auf sich wirken lassen und die Scheu vor dem Schuss auf einen abgewandten Menschen ablegen. So oder so ähnlich sieht die Gedankenwelt führender US-Militärs aus, die seit Jahren Computerspiele dazu einsetzen, um ihre Untergebenen auf den Einsatz im Irak oder in anderen Teilen der Welt vorzubereiten.

Die fatale Wirkung und die seltsame Verstrickung von Realität und Virtualität, die in diesem Einsatz von Computerspielen zum Tragen kommt, untersucht der 1944 geborene Filmemacher Harun Farocki in seinen vier Installationen „Watson ist hin“, „Drei tot“, „Immersion“ und „Eine Sonne ohne Schatten“, die bis zum Sommer 2014 im Hamburger Bahnhof ausgestellt werden. Vorangestellt sind den eindringlichen Videosequenzen zwei frühere Werke Farockis: der Film „Nicht löschbares Feuer“ von 1969 und die Installation „Schnittstelle“ von 1995.

Die Schau ist einer Schenkung des Outset Contemporary Art Fund an die Nationalgalerie Berlin zu verdanken. Wer seine Nerven beisammen hat und sich ein Bild von moderner Kriegsführung und den virtuellen „Spielen“ um Leben und Tod machen möchte, der kommt an einem Besuch im Hamburger Bahnhof in den nächsten Monaten nicht vorbei.

Hamburger Bahnhof / Museum für Gegenwart Berlin, Invalidenstr. - 5051, 10557 Berlin

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Hamburger Bahnhof / Museum für Gegenwart Berlin

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