"Jenny Jenny" in der Berlinischen Galerie

Bilder von Tobias Zielony

Bilder von Tobias Zielony
Muster, aus der Serie: Jenny Jenny, 2013. Zur Foto-Galerie
Alte Jakobstraße - Unser Autor Ludwig Heim hat sich in Kreuzberg Zielonys Fotografien junger Prostituierter aus Berlin angeschaut und seine Eindrücke für uns festgehalten.

Das Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur zeigt noch bis zum 30. September die Ausstellung Jenny Jenny des viel diskutierten Künstlers und Fotografen Tobias Zielony. In zwei Räumen hängen große Farbfotos in drei Formaten. Die Fotoserie ist das Ergebnis von Zielonys Arbeit, bei der er von 2011 bis 2013 junge Prostituierte in Berlin begleitete und portraitierte. Er fotografierte sie in ihrer Umgebung, in Räumen und im Freien, immer ohne künstliche Beleuchtung. 

Zielony arbeitet meist in entlegenen Winkeln der Welt, doch die Idee zu dieser Fotoserie kam ihm bei einer U-Bahnfahrt in Berlin. Dort begegnete ihm ein interessantes Paar, das er ansprach, um die beiden zu fotografieren. Das Mädchen war auf dem Weg zu ihrer Arbeit im Bordell und der Künstler verabredete sich mit ihr. Er begleitete sie und andere Prostituierte in Bordelle, Stundenhotels und auf Parkplätze. „Die Frauen waren nicht eitel, sie beeindruckten durch eine gewisse Form der Professionalität“, so der Fotograf. Seine künstlerische Arbeit ist ‚wertfrei‘, die Kamera fängt die Subjekte und Objekte sehr distanziert und dokumentarisch ein. Und gerade deshalb zeigen die Bilder die nackte Hoffnungslosigkeit und die Traurigkeit und hinterlassen beim Betrachter ein bedrückendes und beklemmendes Gefühl.

Fotorealistische Gemälde

Viele Bilder hängen solitär, manche sind zu Paaren zusammengefasst. Zielony hat mit Negativfilmen gearbeitet und die Fotos analog abgezogen. Manche der Fotografien wirken wie fotorealistische Gemälde. 

Auf dem Weg durch die Ausstellung, durchquert man einen längeren stilisierten Tunnel in einen dunklen Raum, in dem eine achtminütige Fotoanimation unter dem Titel Danny gezeigt wird. Man sieht eine Prostituierte am Rand einer Landstraße stehen, die mit unterschiedlichen Blinklichtern und Leuchtschlangen auf sich aufmerksam macht. Es zeigt sowohl Initiative und Unternehmergeist, als auch Kreativität.

Für diese Fotoanimation hat Zielony ca. 4.000 digitale Einzelfotos gemacht, die er zu einem Film mit 10 Bildern pro Sekunde zusammenschnitt. Die Animation hat ihre eigene, nicht zeitgleiche Rhythmik der Bilder, die wir vom Film nicht kennen. Schon 2009 schuf er mit dem gleichen Stilmittel eine Animation über Jugendliche in einer Siedlung in Neapel, die von der dortigen Mafia kontrolliert wird. Nach insgesamt 5 Videoarbeiten sieht Tobias Zielony in dieser Technik eine weitere Form für sein zukünftiges kreatives Schaffen. Wir dürfen gespannt sein.

 

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Foto Galerie

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