Marzahn
Ausstellung in Bibliothek

Vom Umgang mit Flüchtlingen

Vom Umgang mit Flüchtlingen
Eine der Zeichnungen, die Flüchtlinge über ihre oft traumatischen Erlebnisse anfertigten. Zur Foto-Galerie
Victor-Klemperer-Platz – Eine Ausstellung in der Bezirkszentralbibliothek Mark Twain appelliert mit ungeschönten Bildern an das europäische Gewissen in der Flüchtlingspolitik. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat dafür Fotos, Zeichnungen und Informationen aus Aufnahme- und Internierungslagern auf Lampedusa, Malta und in Griechenland zusammengestellt.

Die Mark Twain-Bibliothek im Freizeitforum Marzahn ist ein heller, angenehmer Ort. Durch die großzügigen Fenster blickt man auf die Hochhäuser und Bäume der Umgebung; an einem Dienstagvormittag ist hier kaum etwas los und man könnte nun ungestört Zeitung lesen oder nach Literatur stöbern. Doch die Bibliothek hat sich ein Thema ins Haus geholt, das erst einmal weit weg erscheint, das auf Lampedusa, Malta oder im griechischen Evzoni spielt – so zumindest der bequeme mitteleuropäische Blick auf die EU-Flüchtlingspolitik. Deren Hauptschauplätzen in Süd- und Südosteuropa widmet sich die Ausstellung „Willkommen in Europa – EU-Politik gefährdet Menschenleben“ der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die bis zum 19. Dezember in den Bibliotheksräumen zu sehen ist.

Es handelt sich um eine überschaubare Ausstellung, rund 15 Bildtafeln, die auf den drei Stockwerken gut sichtbar in der Nähe der Treppenaufgänge hängen. Man wünscht ihr dennoch mehr Besucher, als der ruhige Vormittag in der Bibliothek am zweiten Ausstellungstag nahelegt. Denn Ärzte ohne Grenzen hat eine eindrückliche Dokumentation der Zustände an den südlichen EU-Außengrenzen zusammengestellt: Fotos von überfüllten Flüchtlingsschiffen und entkräfteten Menschen, die beispielsweise auf der italienischen Insel Lampedusa stranden. Oder eine Aufnahme aus dem griechischen Evzoni, die die Enge in einem als Aufnahmelager zweckentfremdeten Gebäude der Grenzpolizei zeigt. Ein weiteres Bild zeigt die Stempel, die selbst Kleinkinder von der griechischen Grenzpolizei zwecks Registrierung auf die Arme gedrückt bekommen.

Flüchtlinge zeichnen Erlebtes

Eindrucksvoll sind auch die Zeichnungen von erwachsenen wie minderjährigen Flüchtlingen, die diese im Rahmen von psychosozialen Betreuungsprogrammen angefertigt haben. Sie zeigen Erlebtes, zu Verarbeitendes – und geben einen kleinen Einblick in die häufig traumatisierte Psyche der Betroffenen. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen sind die Hilfsangebote und Leistungen, die die Flüchtlinge in Ländern wie Italien, Griechenland oder Malta von Behörden und Institutionen kriegen, häufig völlig unzureichend.

Die Hilfsorganisation nutzt die Ausstellung auch zur Selbstdarstellung, geht immer wieder auf die materielle, ärztliche und psychologische Hilfe ein, die sie selbst vor Ort leistet. Dennoch ist das damit verbundene Plädoyer für eine andere EU-Politik richtig und auch an diesem Ort wichtig. Schließlich gab es im nahen Hellersdorf medienwirksame Proteste gegen eine Notunterkunft für eine niedrige dreistellige Zahl von Flüchtlingen. Schließlich haben sich die zuständigen EU-Minister bisher nicht auf Änderungen ihrer Politik verständigt. Daraus folgt, dass die wirtschaftlich gebeutelten Mitgliedsländer Italien und Griechenland weiter nur unzureichend bei der Betreuung der hauptsächlich an ihren Grenzen eintreffenden Flüchtlinge unterstützt werden – so dass sich an der in der Ausstellung gezeigten Not so schnell nichts ändern dürfte.

Die Ausstellung „Willkommen in Europa – EU-Flüchtlingspolitik gefährdet Menschenleben“ ist bis zum 19. Dezember während der regulären Öffnungszeiten in der Bezirkszentralbibliothek Mark Twain in Marzahn zu sehen.

Foto Galerie

Bezirkszentralbibliothek Mark Twain, Marzahner Promenade 52, 12679 Berlin

Telefon 030 54704144

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