Ausstellung im Museum Pankow

"Jetzt wird's ernst" im Thälmann-Park

Das Museum Pankow befindet sich in den Räumen des Kultur- und Bildungszentrums Sebastian Haffner. Zur Foto-Galerie

Einst wurden für ihre Errichtung unter Protest drei denkmalgeschützte Gasometer platt gemacht, nun steht sie selbst unter Denkmalschutz und ist durch Gentrifizierung bedroht: die Siedlung rund um den Thälmann-Park. Eine Ausstellung im Museum Pankow widmet sich anlässlich des 30. Jahrestages der Sprengung genau diesem Kiez.

Allein das Museumsgelände – unweit des Wasserturms Prenzlauer Berg – ist einen Besuch wert: In dem ehemaligen Schulgebäude von 1886 befinden sich heute Volkshochschule, Stadtbibliothek und das Museum mit verwildertem Garten. Unter Kastanien, Eichen und Linden stehen Bänke und ein Stück Berliner Mauer mit Fotografien aus den 80er Jahren drauf.

Im Juli 1984 sprengte die DDR die letzten drei Gasometer auf dem ehemaligen Gaswerksgelände auf dem Areal der heutigen Ernst-Thälmann-Park Siedlung. Das Museum Pankow erzählt in der Ausstellung „Jetzt wird’s ernst – Die Visionen Thälmann-Park“ vom damaligen Protest gegen die Sprengung und von der aktuellen Debatte um die Zukunft des Kiezes.

Für das DDR-Großbauprojekt musste das 1873 errichtete Gaswerk mit seinen drei denkmalgeschützten Gasometern weichen. Die Menschen brauchten zwar dringend Wohnungen und dank der Schließung des Gaswerks 1981 konnten die Menschen frei atmen und die Wäsche, die draußen zum Trocknen hang, bekam keinen Grauschleier mehr, aber die Sprengung der Bauwerke mit ihren spinnenartigen Kuppeln 1984 erregte in Ost-Berlin einen großen Bürgerprotest.

Von Sprengungen und „Gentrifizierern“

Gleich am Eingang zur Ausstellung sieht der Besucher in Wiederholungsschleife einen Film von der Sprengung der Gasometer 1984. Rechts vom Bildschirm hängen alte Blechschilder mit der Aufschrift „Gasbehälter“ und links sind alte Fotoaufnahmen von der Zerstörung zu sehen. Die Sprengung eines Gasometers gelang nicht vollständig, so dass viele Schaulustige an diesem Tag eine Mahnung und ein Versagen der Autoritäten darin sahen. Viele der Umstehenden brachen in Gelächter aus, andere wollten sich die unerträgliche Bevormundung nicht gefallen lassen und versuchten, sich an die Gasometer anzubinden.

1986 ist die Siedlung Ernst-Thälmann fertiggestellt worden: Eine sozialistische Vorzeigesiedlung mit Fahrstuhl, Müllschlucker, Zentralheizung – eine grüne Insel inmitten der verfallenen Altbauquartiere. Nach dem Mauerfall gerät der Thälmannpark-Kiez im Zuge der Sanierung der Altbauten in Vergessenheit. Seit zwei, drei Jahren rückt der Kiez jedoch immer mehr in den Fokus von Investoren und eine neue Debatte um das Areal entfacht.

In der Ausstellung kommen Anwohner, Investoren, aber auch Bezirkspolitiker und „Gentrifizierer“ aus dem benachbarten Luxuswohnhaus „Prenzlauer Bogen“ in kurzen Interviews zu Wort. Außerdem gibt es auch interessante Details zu entdecken: So z.B. kann man eine alte Folge der Sandmännchen-Sendung, die im Thälmann-Park spielt, sehen oder auch Fotoaufnahmen von den Arbeitsbrigaden während des Abrisses des Gaswerkgeländes sowie alte Sendungen zum Thema im SFB- und im DDR-Fernsehen. Zu erfahren ist aber auch etwas über die kritische Betrachtung des Mythos Ernst Thälmann in den DDR-Medien und noch vieles mehr.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Oktober bei freiem Eintritt zu sehen. Mehr Infos zur Ausstellung und Begleitveranstaltungen findest du hier.

Foto Galerie

Museumsverbund Pankow mit Ausstellungshalle, Prenzlauer Allee 227, 10405 Berlin

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