"Anonyme Zeichner"

Was macht gute Kunst aus?

Was macht gute Kunst aus?
Verschiedene Größen und verschiedene Motive: nur die Anonymität haben diese Bilder gemeinsam.
Was ist überhaupt Kunst? Wie definiert man ihren Wert und ihre Qualität? Und wie verändert sich das eigene Urteil über ein Kunstwerk, wenn man den Namen oder die Herkunft des Künstlers nicht kennt? Solche Fragen stellt man sich bei einem Besuch der neuen Ausstellung "Anonyme Zeichner" in Neukölln.

Anonyme Kunst bekommt hier einen Namen: bei der Ausstellung in der Galerie im Körnerpark ist das Einzige, was die Werke verbindet, die Anonymität des Künstlers, der dahinter steht. Ohne Informationen zu dem Herkunftsort oder der Biografie des Zeichners kann man sich eine Meinung zu den Zeichnungen bilden, die ganz unabhängig vom Ruf des Künstlers ist. Da fragen sich die Besucher: was zählt überhaupt als gute Zeichnung, wenn man nichts über den Künstler weiß?

Alles fing 2006 an, als Berliner Künstlerin Anke Becker das Projekt Anonyme Zeichner gründete. „Von dem Wert der Kunst war damals oft die Rede: wer ein Werk geschaffen hatte und für wie viel das verkauft wurde oder eher verkauft werden sollte“, sagt Anke. Als Antwort auf diese Tendenz wurde das Projekt geboren. Seitdem findet alle zwei oder drei Jahre – sowohl in Berlin, als auch in anderen europäischen Städten – eine Ausstellung von den Werken anonymer Künstler statt.

Ein buntes Gesamtkunstwerk in verschiedenen Sprachen

2018 hat Anonyme Zeichner sein Zuhause zum ersten Mal in Neukölln. Nach einem internationalen Aufruf zur Teilnahme sendeten Künstler aus 38 Ländern ihre Werke ein. Egal ob professioneller Künstler oder Hobbyzeichner, jeder konnte sich kostenlos bewerben. „Die einzige Voraussetzung: eine künstlerische Arbeit, maximal im A3 Format“, so Anke. Aus 2.000 Zeichnungen wählte die Künstlerin 600 aus. Ein Kriterium dafür hatte sie nicht: Name, Alter oder Geschlecht spielten bei der Auswahl keine Rolle. „Ich musste dabei aber im Sinne der ganzen Ausstellung denken, da sie ein kollektives Kunstwerk ist“, sagt sie.

Am 13. Juli diesen Jahres war es soweit: das abwechslungsreiche Collage aus Zeichnungen wurde enthüllt. Eine schwarz-weiße Skizze einer Blume, eine kindliche Zeichnung eines Fuchses, ein mit rotem Lack besprühtes Motiv und, witzigerweise, ein graues Bild mit dem Titel Trump: ein Saurier sind unter anderem zu sehen. Und nicht alle sind Zeichnungen im traditionellen Sinne des Wortes: Beispiele von Malerei, Collage und Näherei sind auch dabei. Einige Bilder bestehen nur aus Wörtern auf Deutsch, Französisch und Englisch, was die internationale Herkunft der Ausstellung schön widerspiegelt. Außerdem widmet sich eine ganze Wand der Ausstellung einer alphabetisierten Liste der Städte und Länder, aus denen die Künstler stammen.

Was uns besonders auffällt, ist die Gruppierung der Zeichnungen. „Ich war selber überrascht, dass manche Bilder zufälligerweise etwas gemeinsam hatten“, sagt Anke, „und darum wollte ich diese Zeichnungen zusammenstellen.“ An einer Wand stehen zum Beispiel viele Motive von Menschen, an einer anderen Wand ein paar Natur-Zeichnungen. Die Künstlerin zeigt uns sogar eine Gruppe von Bildern, die alle ein Dreier-Motiv enthalten: drei Wölfe, drei Frauen und eine dreiköpfige Familie hängen hier nebeneinander.

Die Ausstellung

Säule trennen die lange Wand und helfen bei der Gruppierung von Zeichnungen.

Zu verkaufen: Kunst von Unbekannt

Das Besondere an der Ausstellung: Der Name des Künstlers wird erst nach dem Verkauf des Werkes enthüllt. Besucher haben zu bestimmten Zeitpunkten die Gelegenheit, eine Zeichnung für 200 Euro zu kaufen. Außerdem besteht auch die Möglichkeit, die Zeichnungen online zu kaufen, denn alle sind digitalisiert worden und jetzt auf der Website des Projekts zu sehen. „Das Werk wird von der Wand genommen und an der Stelle entdeckt man den Namen und den Herkunftsort des Künstlers“, erklärt Anke. „So wird sich die Ausstellung im Laufe der Zeit ganz deutlich verändern.“ Die meisten Ausstellungsstücke, die nicht verkauft werden, werden dem Archiv gespendet. Dort gebe es laut Anke schon über 1000 Werke.

Diverse Veranstaltungen finden in den Sommermonaten parallel zur Ausstellung statt, wie zum Beispiel ein Workshop zum Thema Gemeinschaftszeichnung am 14. und 15. August, der von den Künstlerinnen Anke Becker und Katja Pudor begleitet wird.

Die Ausstellung “Anonyme Zeichner” in der Galerie im Körnerpark läuft noch bis zum 19. September 2018. Der Eintritt ist frei. Besucher haben mittwochs und donnerstags von 17 bis 20 Uhr die Gelegenheit, die Werke vor Ort zu kaufen. Der Online-Verkauf startet am 17. Juli.

Galerie im Körnerpark, Schierker Str. 8, 12051 Berlin

Telefon 030 56823939

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Montag bis Sonntag von 10:00 bis 20:00 Uhr

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