Ausstellung von Diego Castro

Wind of Change an der Frankfurter Allee

"Rückbau Ost - Aufbau West" (2012) eine partizipative Installation mit Holz und Legosteinen des Wahlberliners Diego Castro.
"Rückbau Ost - Aufbau West" (2012) eine partizipative Installation mit Holz und Legosteinen des Wahlberliners Diego Castro. Zur Foto-Galerie
Wie hat sich Berlin seit der Wende verändert? Der Konzept- und Performancekünstler Diego Castro hat sich mit städtischen Umwandlungsprozessen und der Frage nach demokratischer Teilhabe dabei auseinandergesetzt und zeigt seine Arbeiten dazu in der Galerie im Turm.

Erst Schloss, dann Palast der Republik und bald wieder Schloss. Der öffentliche Raum ist auf der Museuminsel ganz deutlich ein politischer Raum, Ort der Präsentation politischer Ideale und Ideologien. Die Neubebauung der Fläche nach dem Abriss von „Erichs Lampenladen“ – wie der Palast der Republik in der DDR auch genannt wurde, da die stets leuchtenden Lichter dem Volk zeigen sollten, dass hier immer jemand für die Menschen arbeite – warf auch neue Fragen zur demokratischen Teilhabe an der Gestaltung der Stadt und ihres öffentlichen Raums auf.

Vielfältige Medien: Video, Stift auf Papier und Lego

Der in Berlin lebende, gebürtige Hannoveraner Künstler Diego Castro zeigt ab heute in der „Galerie im Turm“ unter anderem seine Installation „Rückbau Ost – Aufbau West“ von 2012. In dieser partizipativen Arbeit können die BesucherInnen den aus LEGO-Steinen nachgebauten Palast der Republik stückweise de- oder aber auch re-konstruieren. An der Wand dahinter hängen Zeichnungen von Trümmerfrauen nach dem Zweiten Weltkrieg und Zitate und Satzschnipsel zum Kapitalismus und dem ökonomischen Konzept der „Schöpferischen Zerstörung“. Demnach baut jede neue wirtschaftliche Entwicklung auf der Zerstörung der vorherigen auf. Wenn nun eine politische Ideologie fällt und nur leere Gebäude zurücklässt, ergibt sich also die Möglichkeit, ihnen neues Leben einzuhauchen und sie sich unter ganz anderen Vorzeichen wieder anzueignen.

Beispielhaft beleuchtet die dreiteilige Video-Arbeit „ORWO“ den Werdegang einer Marzahner Anlage, in der damals der Volkseigene Betrieb und früher größter Hersteller von Film- und Fotomaterial in Ostdeutschland „ORWO“ seinen Sitz hatte. Hier toben sich heute zahlreiche Berliner Bands in selbstverwalteten Proberäumen aus. In seinen Arbeiten behält der Künstler immer eine kritische Perspektive auf die unterschiedlichen Wandlungsprozesse und wie sich darin politische und wirtschaftliche Strukturen widerspiegeln.

Die Ausstellung ist Teil einer in der „Galerie im Turm“ konzipierten Reihe. In den kommenden zwei Jahren sollen Formen der experimentellen Geschichtsrepräsentation im Bezug auf die DDR erkundet werden.

Heute Abend, am 6. März feiert „Wind of Change“ in Anwesenheit des Künstlers ab 19 Uhr Vernissage. Dann ist die Ausstellung bis zum 10. April am Frankfurter Tor 1 immer dienstags bis sonnstags von 12 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Am Tag der Finissage wird der Dokumentarfilm „Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand“ (Deutschland, 2012, 94min) gezeigt.

Foto Galerie

Galerie im Turm, Frankfurter Tor 1, 10243 Berlin

Telefon 030 4229426

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Täglich von 11:00 bis 20:00 Uhr

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