Ausstellung im Ephraim-Palais

Düstere Glitzerwelt

Düstere Glitzerwelt
Unbekannter Künstler, Berlin, halt ein! Besinne Dich! Dein Tänzer ist der Tod., 1919. Zur Foto-Galerie
Nikolaiviertel - Rauschhafte Nächte und technischer Fortschritt einerseits. Bittere Armut, malochende Arbeiter und rechte Tendenzen andererseits. Gerade in Berlin bilden die 20er Jahre ein Spannungsfeld, das sich in einem nie dagewesenen Eskapismus niederschlägt. In der am 4. September eröffneten Schau "Tanz auf dem Vulkan" geht das Ephraim-Palais der oft verklärten Epoche nach.

Zwischen dem ersten Weltkrieg und der Machtergreifung der Nationalsozialisten liegt eine Epoche, die bis heute fasziniert. Selbst wenn man geschichtlich keine Ahnung hat. Vor allem in Berlin, so der Eindruck, muss zu dieser Zeit der Bär gesteppt haben. Von Leuchtreklamen erhellte Nächte, wilde Tanzparties und Frauen in Männerkleidung kommen einem dabei in den Sinn.

Ernst Schneider, Anita Berber mit Melone und Stock, 1921. (c) Stadtmuseum Berlin / Setzpfandt

Doch was es tatsächlich mit dem Mythos Berlin in den Zwanzigerjahren auf sich hat, welche Glanz-, aber auch Schattenseiten die Dekade mit sich brachte und wie sich das Leben damals angefühlt haben könnte, davon möchte vom 4. September 2015 bis 31. Januar 2016 die Schau Tanz auf dem Vulkan im Ephraim-Palais einen Eindruck vermitteln. Auf zwei Stockwerken und mit über 500 ausgestellten Werken wird in insgesamt 18 „Kapiteln“ Politik, Kultur und Gesellschaft der 20er beleuchtet. Schlaglichter wirft man etwa auf die expandierende Vergnügungsindustrie mit ihrer Begeisterung für das Spektakuläre, die Trends der Modemetropole Berlin, den weltweiten Ruf der Stadt als „‚Sündenbabel“ oder die Begeisterung für motorisierte Fahrzeuge, Radios und Leuchtreklame.

Berliner Dom mit dem Sensationsartisten Kurt Kunau, 1927. (c) Stadtmuseum Berlin / Setzpfandt

Dabei geht die Ausstellung allerdings ziemlich klassisch vor. Ausgestellte Objekte (u.a. Plakate, Fotografien, Kleider) und Originalkunstwerke werden von Texttafeln erläutert. Lediglich ein paar Hörstationen, Filmsequenzen und etwas Musik im zweiten Obergeschoss sorgen für eine gewisse Portion Multimedialität. Davon hätte man sich mehr gewünscht. Schließlich verlangt, so der Eindruck, gerade das Thema dieser Ausstellung nach frischen Präsentationsformen und vielen sinnlichen Eindrücken. Positives Beispiel: Der Parfümspender im dritten Stock, in dem sich eine thematisch angegliederte Sonderausstellung mit der Firma Schwarzlose und der Berliner Parfümindustrie auseinandersetzt. 

Rein inhaltlich wird die Schau ihrem Anspruch aber gerecht. So erfährt man beispielsweise etwas über den Zusammenhang zwischen dem neu eingeführten Acht-Stunden-Tag und dem Wachstum der Unterhaltungsindustrie. Oder über die Bedeutung der Kunstseide für die Mode und die kürzer werdenden Röcke. Solche Informationen bleiben hängen. Trotz vieler unterhaltsamer Abschnitte gerät die Schau dabei nicht in Gefahr, die 20er zu romantisieren. Schließlich widmet man sich auch „Denen im Dunkeln“ – also jenen Arbeitslosen, Kriegskrüppeln und Bettlern, die am Glanz der Epoche keinen Anteil nehmen konnten – und dem „Ende der Republik“, das schließlich in die Zeit „Unter dem Hakenkreuz“ mündete. Außerdem schwingt in allen Ausstellungsbereichen stets so etwas wie das Wissen um das nahende Ende und ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Niedergang mit. Ein Gefühl, das dem Besucher im Angesicht der Glitzerwelt düstere Schauer über den Rücken jagt.

Hans Baluschek, Die Auswandernden, 1924. (c) Stadtmuseum Berlin / Setzpfandt

Willy Römer, Blick in das Innere einer Erdhöhle, um 1920. (c) Stadtmuseum Berlin / Setzpfandt

Annot Jacobi, Käthe Kruse und ihre Kinder, um 1925. (c) Stadtmuseum Berlin / Setzpfandt

Foto Galerie

Ephraim-Palais (Stiftung Stadtmuseum Berlin), Poststraße 16, 10178 Berlin

Telefon 030 24002162

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Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 10:00 bis 18:00 Uhr | Mittwoch 12:00 bis 20:00 Uhr

Ephraim-Palais (Stiftung Stadtmuseum Berlin)

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