Mascha fragt nach

Dating-Apps: Badoo im Schnellcheck

Dating-Apps: Badoo im Schnellcheck
Ob sie sich auch freut, ihren Beliebtheits-Faktor bei Badoo gesteigert zu haben?
Ein halbes Jahr hatte sich Mascha eine Pause von Dating-Apps verschrieben – doch jetzt will sie sich endlich mal Badoo angucken. Immerhin die größte Dating-App der Welt, heißt es. Hier kommt ihr Badoo-Tag im Schnelldurchlauf.

Ich kann dem Sog nicht länger widerstehen: Zwar habe ich den Dating-Apps eigentlich seit einer Weile abgeschworen (zu anstrengend, zu zeitintensiv). Aber man muss ja dranbleiben, schließlich bin ich Liebes-Kolumnistin. Und tatsächlich ist eine Dating-Plattform bisher gänzlich an mir vorbeigegangen, wie mir durch den Hinweis einer Kollegin auffiel: Badoo. Die Community gibt es tatsächlich bereits seit 2006, und laut Selbstbeschreibung ist es die derzeit größte Dating-App mit weltweit über 400 Millionen Mitgliedern. Das ist ja mal üppig. Ein paar Probleme mit dem Thema Sicherheit und Fake-Portale soll sie haben. Ich bin gespannt.

Badoo im Test: Der Start

Badoo macht es mir schon mal insofern leicht, als dass ich erstmal keine App runterladen muss, sondern die Plattform auch am Rechner nutzen kann. Einfach per Facebook einloggen. Hui, geht das flott, ich klicke zwei Tasten und bin schon mittendrin im Badoo-Kosmos. Überforderung. Überall Bilder, Symbole, und huch, auch Fotos von mir sind schon drin! Wo kommen die jetzt her? Ah ja, Facebook. Die letzten zehn Profilfotos, schön aufgereiht, um mich den Blicken der Flirthungrigen zu stellen. Ich bin, nach all den Jahren, noch immer so herrlich naiv … totale Überraschung, dass jedes mit Facebook vernetzte Angebot nun munter meine Daten abgreifen und damit auf seiner eigenen Seite herumhantieren kann.

Das eigene Profil

Naja, damit muss ich nun leben. So brauche ich zumindest wenig Zeit für die Erstellung meines Profils. Während ich ein paar Eckdaten angebe – wo komme ich her (Berlin), was suche ich (alles), was mag ich besonders gerne (so einen Hobby-Mist fülle ich nicht aus) – plingt es immer wieder. Schon nach wenigen Minuten trudelt die erste Nachricht ein, da weiß ich noch gar nicht, wer mich sieht, wie ich andere sehen kann. „Hey du Hübsche, wie geht’s dir“, schreibt ein Stefan. Sieht eigentlich ganz nett aus, er hat ganze sechs Fotos von sich hochgeladen, aber ich muss hier erstmal klarkommen. Nebenbei ploppen „Likes“ rein, gut, das ist mir vertraut. Vielleicht hätte ich mich vorher mal ein bisschen informieren sollen, bevor es richtig losgeht, aber ich hätte gar nicht gewusst, wie ich das hier einstellen kann, erstmal nur zu gucken, statt mich angucken zu lassen. Geht vermutlich gar nicht. Ein Aspekt, mit dem Badoo offenbar Fake-Profilen entgegenwirken will, wird mir auch angeboten: Man kann sein Profil verifizieren lassen. Gute Sache, hab ich jetzt aber keine Lust zu. Datensicherheitsbeauftragte des deutschen Dating-App-Verbandes werde ich offenbar wirklich nicht.

Optionen und Design

Trotz des großen „Pling Plings“ im Hintergrund (wenigstens passiert was!) schaue ich mich jetzt erstmal ein bisschen um. Erstes Fazit von Design und Konzept von Badoo: bisschen witzig bis Banane. Oben links neben meinem Profil steht „Beliebtheit: Sehr niedrig“, darunter lockt das Knöpfchen „Beliebter werden“. Hah, miese Nummer. Klickt man darauf, denn wird mir armer, unbeliebter Seele angeboten, Punkte zu kaufen. „Mit Badoo-Punkten lernst du mehr Leute kennen“, erklärt mir der freundliche Text. Warum das so ist, erschließt sich mir nicht. Ich glaube, das pusht mein Profil und mehr Leute können mich sehen. Oder so. Beliebtheit hat hier aber leider seinen Preis: 24,49 Euro (Sonderpreis!) für 1250 Punkte, 52,49 für eine ganze „Truhe“ voll Punkte. Nö, danke. Offenbar funzt es bei mir auch so ganz okay. Denn nach einer Stunde ist meine Beliebtheit schon „durchschnittlich“. Da wird man ja ganz rot vor Glück. Endlich Durchschnitt. Diesen glamourösen Titel habe ich offenbar der Tatsache zu verdanken, dass relativ viele Menschen in relativ kurzer Zeit mein Profil anschauen und mir fleißig Likes und Nachrichten dalassen. Noch eine Besonderheit: Die ersten drei Teststage scheint man automatisch ins Premium-Abo zu rutschen, das einem einige Extra-Features bietet. Danach muss man dafür auch zahlen – die Hauptfunktionen bleiben aber kostenlos. Das bedeutet aber auch, dass ich dann zum Beispiel nicht mehr sehen kann, wer mich in der Volltreffer-Geschichte geliket hat. Dann kann ich, wie bei Tinder, nur mit den Leuten chatten, die mich auch gemocht haben.

 

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Ein Beitrag geteilt von Badoo (@badoo) am Jun 25, 2019 um 10:09 PDT

Insgesamt gibt es jede Menge Möglichkeiten, Menschen zu entdecken, anzusprechen, anzuflirten. Man kann Geschenke verteilen, es gibt einen „Schwärmen“-Button, man kann „Doppelgänger sehen“ … häh? Tatsächlich zeigt Badoo mir dann Leute an, die so ähnlich aussehen sollen wie die Person, auf deren Profil ich gerade bin. Im Falle von Steffi: Andere Menschen mit dunklen Haaren und Sonnenbrille. Männer und Frauen. Also, was das nun helfen soll, weiß ich nicht. Eignet sich vielleicht für Dating-Willige, die definitiv nur mit Menschen mit dunklen Haaren und Sonnenbrille vögeln wollen. Ach, bei der Doppelgänger-Funktion werden mir auch andere Profile vorgeschlagen. Sigmar Gabriel und Marco Reus sind also auch hier. Ah ja. Und mein Freund Marco. War ja klar. Dessen Doppelgänger-Vorschläge sind faszinierend bis großartig, muss ich ihm mal zeigen. Lauter kahlrasierte, bärtige Typen, teilweise extrem muskelbepackt. Das hätte er sich selber sicher nie träumen lassen … egal.

Die User von Badoo – und erste Kontakte

Nun muss ich mich mal in die Kontakte stürzen. Hier gibt es die Optionen „Volltreffer-Spiel“ und „Umgebung“. Beim Volltreffer-Spiel fühle ich mich heimisch, ähnlich wie bei Tinder muss ich Herzen oder Kreuze verteilen und kann mich einfach durchklicken. Was aber nervt: Ich sehe nicht, ob die Leute in meiner Nähe sind oder in Regensburg. Überhaupt, das mit der Entfernung. Wo kann ich das einstellen? Überall Leute Regensburg, Hannover und Brandenburg, denen ich gefalle, eine Dame kommt sogar aus Salzburg. Was haben die denn davon, dass sie meine Fotos mögen? Weder für einen Kaffee noch für einen Kuss würde man doch mal eben hunderte Kilometer überwinden. Ich möchte doch Leute aus Berlin kennenlernen. Und dann gibt es unten NOCH eine Anzeige namens „Profile im Fokus“. Wer sind die nun wieder? Die Premium-Kandidaten? Puh. Ich schreibe mal Stefan, der war der erste, der mich angeschrieben hat und der kommt sogar aus Berlin. „Nicht so hastig, ich arbeite, wie geht’s“, blabla. Alles wie gehabt. Geradezu bezaubernd finde ich die Ansage eines blonden, 27-jährigen Jünglings, dem ich laut Nachricht „aufgefallen“ sei. Na Mensch, spitze, davon gehe ich aus, wenn du mir schreibst. Das Bezaubernde ist, dass er Dates mit Frauen zwischen 34 und 59 sucht. Da bin ich ja grad noch so ins Raster gerutscht. Eine Seltenheit, diese Vorliebe, zumindest bei den Dating-Apps, die ich kenne. Ich 22 Jahre älter, das ist mal ne Ansage.

Insgesamt muss ich leider sagen: Kaum Menschen dabei, die mich sofort ansprechen. Viele sehr schlechte Profilfotos (da sollte generell mal jemand Kurse geben, am besten die Dating-Apps selber), viele schlechte Tattoos, seltsame Posen, seltsame Selbstbeschreibungen. Vielleicht muss man auch hier etwas länger unterwegs sein, wenn man auf einen grünen Zweig kommen will. Einer hat als Vornamen „Geheim“ angegeben, ein anderer „Gehteuchnixan“, und es gibt einen Herr „Pommes“ sogar einen „DateMan“. Leute, bitte, nicht euer Ernst. Einer beschreibt sich selbst als „cool“, ein anderer sucht eine Frau, die viele Kinder hat oder viele möchte. Das ist ja fast schon wieder süß. Für mich ist aber irgendwie niemand dabei, das kann ja nun nicht sein. Sogar viele Frauen haben hier ganz ganz doofe Fotos. Ich will nicht gemein klingen, aber ein Selfie von unten, quasi in die Nase rein? Doch, da, ein Max, der gefällt mir. Ich vergebe mein erstes Herz. Im Gegensatz zu Tinder schreiben die Leute hier gerne ihr Profil voll. „Suche eher meinen Spaß, kann auch anreisen und habe Geld für ein Hotelzimmer“ gefällt mir ganz gut. Viele sind aber natürlich auch „aufgeschlossen“, suchen „nix gefaktes“, hoffen, „dass man auch zurückschreibt, wenn man sich liked“ usw. Ganz kurios: Ein Typ hat einen riesigen Text geschrieben, er wäre ah so seltsam, das Leben für ihn total kompliziert, mit Midlife Crisis geboren, aber, haha, wer diesen Humor versteht, bitte anschreiben… und dann, zehn Fotos später: Ein anderer Typ mit derselben Profilbeschreibung. Häh? Hat diesen Scheiß tatsächlich der eine vom anderen abgeschrieben? Ist das ganze Profil ein Fake? Sehr seltsam.

Dating-Plattform Badoo: Mein Fazit

Aber wie zum Teufel stelle ich nun ein, dass mich nur Leute aus meiner Umgebung sehen und auch nur Leute aus Berlin mich anschreiben können? Ich verstehe es nicht…ich bin jetzt mal richtig smart und frage meinen ersten Flirt Stefan. Der sagt: Weiß er auch nicht, kann man offenbar nicht einstellen. Bei ihm gehe aber eh „Qualität vor“. Starke Einstellung. Badoo scheint mich aber mit anderen Dingen triggern zu wollen: Nach zwei Stunden habe ich in Sachen Beliebtheit bereits den Status „hoch“ erzielt. Also, ich will ja nun nicht eingebildet klingen, offenbar erreicht man dieses Level sehr schnell. Zumindest als Frau mit halbwegs netten Fotos, ich schätze, gerade Männer, die ein schiefes Selfie von sich posten, haben es hier etwas schwerer. Aber das ist jetzt nur eine steile These von mir. Auch Stefan erklärt mir: „Männer schreiben viel an, Überschuss, Frauen in der Minderheit, zurückhaltend.“ Er weiß offenbar Bescheid. Immerhin: Ich kann meine Privatsphäre anpassen und mich können nur Leute sehen, die mir gefallen oder deren Profil ich angesehen habe.

Ich fange mal nach meinem Testtag mit dem Positiven an: Auf Badoo scheinen wirklich sehr viele Menschen unterwegs zu sein. Und auch viele Aktive. Auch nett: Das „Volltreffer-Spiel“ funktioniert ähnlich wie Tinder. Ruckzuck trudelten bei mir die Likes und Nachrichten ein – aber, das muss ich nochmal betonen, ich war ja auch als Neuling im Premium-Abo. Sonst wäre das Ganze etwas ruhiger abgelaufen und ist auch deutlich begrenzt. Für jeden Kleinkram Punkte oder neue Abos kaufen, das nervt. Und: Mir ist das Ganze viel zu unübersichtlich, zu hektisch und mit zu wenigen Features ausgestattet, die ich für sinnvoll halte. Ich brauche weder eine Geschenk-Funktion noch muss ich jemanden zu meinen Favoriten hinzufügen oder für ihn schwärmen. Ich will Leute aus meinem Umfeld kennenlernen – Community-Gedanke hin oder her, ich bin schließlich auf einer Dating-Plattform. Deswegen könnte ich auf all diese Kleinkram-Features verzichten und hätte lieber alle Leute aus meinem Umfeld in besagtem Volltreffer-Spiel. Es gibt zwar eine Seite für „Umfeld“, auf der ich User sehe, aber da tut sich irgendwie wenig im Laufe eines Tages. Und: So oder so gab es einfach zu wenig Menschen, Männer und Frauen, die mir gefallen haben. Vielleicht fünf, die ich auch in einer Bar oder einem Club angesprochen hätte oder die ich auf den ersten Blick zu meiner Peergroup zählen würde. Kann sein, dass es netter wird, je länger man dabei ist. Aber aktuell sage ich: Badoo kann einen sehr schnell bespaßen, aber ging mir auch sehr schnell auf die Nerven.

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