Bäckerei und Konditiorei Laufer in Reinickendorf

Traditionelle Backkunst

Laufers Krustenbrot, Schusterjungenpresse oder Kornknackerstange - bei Laufer hören sich die Backwaren nicht nur dufte an, sie schmecken auch so. Die Bäckerei und Konditorei gibt es mittlerweile schon seit über 100 Jahren und vom Senior bis zum Junior legen alle größten Wert auf Backtradition und Qualität.

Es duftet verführerisch nach warmem Zwiebelkuchen und frischen Brötchen. Die Tür zum Bäckerladen steht offen. Aus dem hinteren Teil des Ladens kommt eine junge Frau mit weißer Schürze, das Blech in beiden Händen haltend.
Nein, das ist nicht in einem Nest am Bodensee. Die dörfliche Straße führt aus dem alten Ortskern von Hermsdorf Richtung Lübars, im Norden von Berlin, Richtung Tonstich. Das war eine jener Gruben, aus denen der Lehm für die Ziegel stammt, mit denen das Rote Rathaus gebaut wurde. Seit Jahrzehnten gibt es die Grube nicht mehr, ein Freibad wurde daraus, deshalb heißt die Straße, an der die Bäckerei und Konditorei Laufer seit 1936 ihren Sitz hat, Seebadstraße. Gegründet wurde sie eine Ecke weiter, von Josef Laufer. Das war im Jahr 1911.

Qualitätsware seit 100 Jahren

Warum er seine Bäckerei ausgerechnet an dieser abgelegenen Stelle eröffnete, ist auch seinem Enkel, dem Konditormeister Wolfgang Laufer, nicht klar. Aber einen guten Ruf müssen die Backwaren von Laufer schon damals genossen haben, denn Josef kutschierte mit Pferd und Wagen regelmäßig über die sandigen Wege bis ins edle Charlottenburg. Die Sache mit der Qualität ist bei den Laufers so geblieben. Wolfgang Laufer lernte das Konditoren-Handwerk zwischen 1955 und 1958 bei Möhring, damals in Berlin die beste Adresse. 1962 ging er nach St. Gallen und Davos, weil er gehört hatte, dass man von den Schweizern noch was lernen könnte.

In vierter Generation

Längst hat Tochter Manuela, auch sie Konditormeisterin, das Unternehmen mit seinen 40 Mitarbeitern übernommen. Der Schwiegersohn hat umgelernt, und leitet nun als Bäckermeister diesen Teil des Betriebes. 3000 Brötchen kommen bei den Laufers jeden Tag aus dem Ofen, ein Dutzend verschiedene Sorten sind im Angebot, auch die Vielfalt vom vollen Korn bis zum knusprig-braunen Weißbrotlaib ist beachtlich. Warum die Brötchen bei ihm so gut schmecken? „Wenn du optimale Rohstoffe reintust“, meint der Senior, „kannst du auch Optimales rausholen.“

Nicht günstig, dafür besonders

Laufer ist kein Billigbäcker, aber er achtet schon auf seine Preise. „Ich frag’ mich immer, würdest du das kaufen?“, erklärt Tochter Manuela Seefluth. Die Krise ist auch am bürgerlichen Teil Reinickendorfs spürbar. Der Kuchen vom Vortag zum halben Preis geht weg wie warme Semmeln.

In der Konditorei gibt es Köstlichkeiten, die über Generationen gefragt bleiben. Der Bürgermeisterkranz ist so ein Kuchen, ein flockig-leichter Hefeteig, den junge Erwachsene gerne kaufen, weil er schon bei den Eltern am Sonntagnachmittag auf dem Kaffeetisch stand, auch die Nussecken, der Frankfurter Kranz.

Die Stammkunden kommen längst nicht mehr nur aus Hermsdorf. Vor allem vor dem Geschäft in der Heinsestraße, eine der gesamt drei Filialen in Hermsdorf, stehen am Wochenende viele Schlange. Auf Laufers Schrippen und Kuchen wartet man eben auch gerne eine Weile länger.


Quelle: Der Tagesspiegel

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