Friedrichshain, Lichtenberg, Rummelsburg
Wettbewerb zur Gestaltung der Vorplätze

Das neue Ostkreuz: funktional, aber wenig grün

Das neue Ostkreuz: funktional, aber wenig grün
Viel Pflaster, Bänke und ein paar Bäume: So soll es nach dem Siegerentwurf von Planorama bald am nordwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ostkreuz aussehen.
Die Entscheidung ist gefallen: Ein Berliner Architektenbüro hat sich beim Wettbewerb zur Gestaltung der vier Vorplätze am Ostkreuz durchgesetzt. Der Siegerentwurf erfüllt die Vorgaben zur Nutzbarkeit, doch manchem Bürger fehlen die Grünflächen rund um den künftig zum Regionalbahnhalt aufgewerteten Bahnhof.

Der Nord-Süd-Bahnsteig hat bereits seine Glashaube, in Ost-West-Richtung wird noch an Gleisen und Plattformen gebaut. Doch in einigen Jahren soll der Bahnhof Ostkreuz seiner Stellung als eine der wichtigsten Umsteigestationen der Hauptstadt endlich gerecht werden – was Funktionalität und Aussehen anbetrifft. Die Zeiten weiter (Um-)Wege zur Anschlussbahn gehören dann im Idealfall ebenso der Vergangenheit an wie dunkle Ecken und schlecht beschilderte Zugänge im Umfeld.

Letztere Zielstellung war auch Teil des Wettbewerbs zur Gestaltung der vier Vorplätze des Bahnhofs. Insgesamt 30 Arbeitsgemeinschaften, gebildet aus Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern, waren eingeladen worden, ihre Ideen für die Ausgangsbereiche in Richtung Trave- und Rudolfkiez, Victoriastadt und Rummelsburger Bucht einzubringen. Nun kürte das Preisgericht die Sieger: Planorama Landschaftsarchitekten und die Hoffmann Leichter Ingenieurgesellschaft.

Stark versiegelt, lichte Baumreihe

Ihr Entwurf zeichne sich „durch große Sachlichkeit bei der Pflasterung, der Vegetationsverwendung und dem Einsatz von Ausstattungselementen“ aus, heißt es von den Preisrichtern unter Vorsitz von Landschaftsarchitekt Timo Herrmann. Auf dem Bild wird deutlich, was gemeint ist: Die Plätze sehen in der Simulation eher spartanisch aus, sind aber wie gefordert übersichtlich strukturiert. Geplant sind große geknickte Sitzelemente, an denen Baumgruppen positioniert sind. Am Traveplatz soll der Verlauf des früheren Bahndamms durch eine „lichte Reihe von Bäumen“ markiert werden.

Ansonsten sind grüne Elemente aber eher spärlich gesät. Eine Tatsache, die auch den in einem Netzwerk von Initiativen rund um das Ostkreuz engagierten Bürgern missfällt. Zwar loben diese ausdrücklich das umfangreiche Beteiligungsverfahren, dank dem auch Veränderungen wie eine höhere Anzahl von Fahrradstellplätzen erreicht werden konnten. Doch bei der endgültigen Entscheidung des Preisgerichts über die eingereichten Entwürfe durften die zuvor als „Sachverständige“ involvierten Anwohner nicht abstimmen. Viele hätten wohl einen der Beiträge gewählt, die auf der Fläche des ehemaligen Bahndamms – der sogenannten Nordkurve – einen Grünzug vorsahen.

Preisgericht empfiehlt mehr Grün

Das Preisgericht empfiehlt in seiner Begründung dann auch, die Grünfläche dort noch zu vergrößern und insgesamt „möglichst noch mehr Bäume zu platzieren“. Andererseits sei der Grünanteil höher als bei der ersten Ansicht des Entwurfs sichtbar. Ein Grund für den sparsamen Einsatz gestalterischer Elemente sind auch die vielen funktionalen Anforderungen – etwa Flächen für Räder, Straßenbahn, Busse und Feuerwehr. Immerhin werden für das Jahr 2025 täglich rund 150.000 Bahnhofsnutzer am Ostkreuz erwartet. Zudem scheint die Angst vor unübersichtlichen ‚Angsträumen‘ eine Rolle zu spielen.

Weitere Differenzen zwischen Anwohnern und Planern gibt es unterdessen bei der Streckenführung der Straßenbahn, die künftig direkt vor den Bahnhof fahren soll. Das Planfeststellungsverfahren für die neue Trasse soll in Kürze beginnen.

Bahnhof Ostkreuz, Markgrafendamm 23, 10245 Berlin

Telefon 030 29743333

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