Berliner Newcomer

Auf einen Drink mit… JU’GO!

Auf einen Drink mit… JU’GO!
Entspannt mit Drink in der Hand: Ingo (links) und Julien bilden das DJ-Duo JU'GO. Zur Foto-Galerie
Wir ziehen durch die Bars der Stadt und laden uns Berliner Newcomer als Trinkgäste ein. Den Anfang macht das Berliner-DJ-Duo JU’GO. Mit ihnen waren wir in ihrer Stammkneipe Helga in Friedrichshain.

DIY-Regale an der Wand, gemütliche Sessel in der Ecke und in der Nähe der Eingangstür wächst Wilder Wein. Die Helga in der Straßmannstraße ist ein toller Spot für lange Sommerabende und die Lieblingslocation von Julien (29) und Ingo (26).

Oma feiert ihre Musik

Die beiden Ur-Berliner, die in Hohenschönhausen und Mitte groß geworden sind, haben am 1. Juni diesen Jahres ihr erstes Album mit Namen H.O.P.E rausgebracht. Ihr Sound: Eine Mixtur aus harten House-Klängen und melodischem Deep House. Während sie bei Live-Sets das Volk tanzen lassen, gibt es auf dem Album auch ruhigere Tracks. „Das hört sogar meine Oma“, lässt uns Ingo wissen.

Viel Grün und Holztische: Die Helga lädt dazu ein, seinen Feierabend im Freien zu genießen. ©Qiez

Die Rollen sind bei dem Duo deutlich aufgeteilt: Während Ingo sich vor allem um den musikalischen Part kümmert und live auch mit einem Elektronischen Blascontroller (E.W.I.) spielt, kümmert sich Julien um die Technik. Sie ergänzen sich – und daher passt auch ihr DJ-Name besonders, denn JU’GO steht für die Vornamen der beiden. „Das war eine Schnapsidee“, beschreibt Ingo die Namensfindung. Dazu passt auch, dass mittlerweile vor uns die ersten Gläser stehen: Gin Tonic und Weinschorle.

QIEZ: Wann habt ihr das letzte Mal zu tief ins Glas geschaut?

Julien: „Vor ein paar Wochen, als wir unsere Release-Party im Phono Club im Prenzlberg gefeiert haben. Allerdings trinke ich kaum noch etwas, ich versuche, auf einen gesunden Lifestyle zu achten.“

Ingo: „Gestern, das ist quasi mein Konterdrink.“

Stellt euch vor, ihr wärt selbst ein Drink, was wäre da drin?

J: „Eine Mischung aus Gin, Tonic, Gurke und Minze.“

I: „Bei mir wäre der Drink definitiv vielfältig. Bier, Pfeffi, Wodka, Rum, Whisky, Wein und Tonic – einfach von jedem etwas, nur keine Cola oder Sachen mit Zucker drin, das mag ich nicht.“

Die Drinks lassen nicht lange auf sich warten. ©Qiez

Die Kopfschmerzen danach wären wohl kolossal. Wir wollen gar nicht daran denken. Zurück zur Musik: Wenn die beiden könnten, würden sie ausschließlich auf Festivals und Open-Airs spielen. Das hat viel mit dem schummrigen Licht in Clubs zu tun: Denn – so erzählt uns Julien – es ist einfach schöner, wenn man die Menschen sieht, für die man spielt. Als Traum-Location für ein Set nennen die beiden die Full Moon Party in Thailand.

Wie seid ihr zur elektronischen Musik gekommen?

J: „Tatsächlich hat mich Ingo dazu gebracht. Vorher habe ich mehr Hip Hop gehört. 2009 habe ich mir das nötige technische Equipment zugelegt.“

I: „Ich komme ursprünglich aus dem Klassik-Bereich. Ich kann also auch Mozart auf dem Klavier spielen. Ich habe mich aber auch sehr für experimentelle elektronische Musik interessiert. Als DJ verstehe ich mich weniger, sondern als Produzent und Live-Act.

Struggle in der Bahn inspiriert

Als eine seiner Inspirationsquellen nennt Ingo den englischen Produzenten Bonobo. Besonders geprägt hat beide die Musik von Paul Kalkbrenner. Ingo und Julien erinnern sich: „Da war richtig was los in Berlin. Die Elektro-Mucke hat uns zu dem Zeitpunkt richtig gepackt bis heute.“ Ähnlich wie im Film Berlin Calling holt sich Ingo überall in der Stadt Inspiration: „Wenn ich mich in der U-Bahn aufregen muss, dann versuche ich, das auch in Musik umzuwandeln.“

Was wir noch gar nicht verraten haben, bei unserem Besuch hat die Helga überhaupt nicht offen. Aber durch Juliens und Ingos guten Kontakt zum Chef dürfen wir rein und haben uns natürlich den besten Platz vor der Bar gesichert. Weiterer Vorteil, die Drinks kommen sehr schnell an den Tisch. Im Normalbetrieb gibt es hier gutbürgerliche Küche, erzählt Julien.

Was weiß noch keiner über euch, was ihr aber gerne rausschreien würdet?

J: „Wir sind Berliner, spielen aber gar nicht so den typischen Berliner Techno.“

Was hat sich in der Berliner Clubszene eurer Meinung nach verändert?

I: „Früher wurden in den Clubs Tracks gespielt, die man sonst noch nie gehört hat. Es war also sehr viel da zum Entdecken. Dazu wurden Lieder gerne über ein halbes Jahr gespielt und gefeiert. Heute kommt ein Track nach dem nächsten – man verliert schnell den Überblick.“

Welche Künstler feiert ihr und was hört ihr privat?

J: „Hierzulande finden wir besonders Oliver Schories und Solumun toll, genauso aber auch N‘to aus Frankreich oder Roger Sanchez aus den USA.“

I: „Ich höre tatsächlich in meiner Freizeit wenig Musik. Ich mag ganz gerne 80er-Musik und höre dann Radio Paradiso.“

Unsere kleine Kneipen-Runde. ©Qiez

Wenn er nicht hinter den Plattentellern steht, arbeitet Julien seit bereits vier Jahren in der Marketing-Abteilung vom Badeschiff. Ingo hält sich mit Nebenjobs über Waser. „Mit Musik kann man in den meisten Fällen nicht reich werden. Man kann froh sein, wenn die eigenen Kosten, wie nun Miete für das Aufnahmestudio, wieder reinkommen. Wir machen Musik in erster Linie, weil es uns Spaß macht“, so Ingo.

Was ist euer nächstes Ziel mit eurer Musik?

J: „Unser Ziel ist es, Menschen mit der Musik zu erreichen und glücklich zu machen. Das Schönste für mich ist persönliches Feedback. Also durch deine Musik habe ich das und das erlebt, erreicht, gefühlt…“

I: „Ich fände toll, bald auf der Straße erkannt zu werden (grinst).“

Wir trinken aus und bedanken uns bei den Jungs. Zum Wohl!


In welchen Clubs oder auf welchen Festivals ihr die Jungs demnächst antrefft, checkt ihr am besten über ihre Facebook-Seite

Foto Galerie

Helga, Straßmannstraße 30, 10249 Berlin

Telefon 0176 38870825

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