Bart-Schau im Neuen Museum

Diese Ausstellung hat die haarten Fakten

Diese Ausstellung hat die haarten Fakten
Movember, Finger-Stache und das Barbier-Revival: Bärte sind bedeutender Teil der Popkultur - auch über Hipster hinaus. Zur Foto-Galerie
Museumsinsel - Zugegeben: Der Witz mit den "haarigen Angelegenheiten" hat schon sooo einen Bart. Aber darum geht's ja auch: Bärte. Das Neue Museum hat des Hipsters liebstem Accessoire nämlich eine neue Ausstellung gewidmet. Die zeigt: Der Bart ist tot!

Da das Neue Museum eine ernst(zunehmend)e Institution der Hochkunst ist, dreht sich die Schau vor allem um die Kulturgeschichte des Bartes. Das heißt: viele historische Exponate, Steinscherben, Büsten und Bilder. Die ältesten Stücke reichen zurück bis in die Zeit um 3000 v. Chr. Der Bart wird aber nicht nur als ältester Körperschmuck der Welt präsentiert.

In elf Stationen wird die Gesichtsbehaarung aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: Bart als Symbol von Weisheit. Bart als Maskierung. Rasur. Soziologische Aspekte des Bartes. Und auch: Ist Bart gleich männlich? Das wirkt (auch wegen des geringen Platzes, den die Ausstellung einnimmt) manchmal gehetzt und chaotisch. Vor allem, weil viele Stationen noch einmal separate historische Querschnitte durch die Jahrhunderte geben.

Kurzweilige Sammlung von Anekdoten

Auf der Suche nach einem neuen Style? Auch da hilft dir das Neue Museum mit einer Bart-Typologie.
Am Anfang bespricht die Ausstellung zum Beispiel ein Bild Picassos (1937), direkt danach die Goldmaske des Agamemnon (ca. 1550 v. Chr.) sowie die Büste der Pharaonin Hatschepsut (ca. 1450 v. Chr.) – nur, um dann auf Luther (1521) einzugehen. Alle, die Ordnung und Chronologie in ihrem Leben brauchen, werden hier nicht glücklich. Die Aufteilung in die einzelnen Stationen ergibt aber durchgehend Sinn und erschließt sich auch logisch: Damit erfüllt die Ausstellung ihr Ziel, den Bart in all seinen Facetten kulturhistorisch zu beleuchten.

Überall erzählen kurze Anekdoten, wie sich der Bart, seine Bedeutung und Rezeption entwickelt haben. Karl Marx und Auguste Rodin trugen ihre Bärte, um Unabhängigkeit zu demonstrieren. Hadrian war um 120 der erste römische Kaiser, der sich rasiert abbilden ließ, um sich mit griechischen Gelehrten gleichzusetzen. Zar Peter der Große erhob sogar eine Bart-Steuer und ließ lange Bärte kürzen, weil er in ihnen ein Zeichen für Rückständigkeit sah.

Die Bart-Ausstellung beendet den Hype

Diese Kleinteiligkeit ist die große Stärke der Ausstellung. Sie ist im besten Sinne kurzweilig. Der Besucher kann völlig wahllos und wie er will zwischen den Stationen wechseln. Lediglich das Ende ist recht klar definiert: Dort geht es um die moderne Sicht auf den Bart und den bekannten (Moustache-)Hype in der Popkultur. Den Schluss bildet ein Bildschirm mit Kamera. Wer will, kann sich dort mit einem Selfie verewigen. Und wer keinen Bart hat, benutzt eine der beigelegten, künstlichen Varianten.

Letztlich zieht die Ausstellung einen Schlussstrich unter den aktuellen Bart-Hype. Nicht nur, dass die Schau in einem Museum qua Definition Geschichte ist. Die Ausstellung entlarvt den Trubel um die Gesichtsbehaarung als eine Phase. Eine Episode in der Menschheitsgeschichte, die auch schon wieder vorüber ist. Das zeigt sich auch an anderer Stelle. Zum Beispiel werden Glattrasierte wieder attraktiver als Bärtige. Der Grund: Bart ist Mainstream und nichts Besonderes mehr. Eine Sache für’s Museum.

Die Ausstellung „Bart – zwischen Natur und Rasur“ ist noch bis zum 28. Februar 2016 zu sehen. Die Tickets kosten 12 Euro (ermäßigt 6) und ermöglichen auch den Besuch aller anderen Ausstellungen im Neuen Museum.

Foto Galerie

Neues Museum, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin
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