100-jähriges Jubiläum

Jetzt startet das Bauhaus-Jahr 2019 noch mal richtig durch

Jetzt startet das Bauhaus-Jahr 2019 noch mal richtig durch
Ein fast schon ikonisches Bild der Bauhaus-Ära: Sitzende mit Bühnenmaske von Oskar Schlemmer im Stahlrohrsessel von Marcel Breuer, um 1926.
In diesem Jahr feiert Deutschland das Bauhaus – die bis heute prägende Stilrichtung für Kunst, Design und Architektur. Alles begann vor 100 Jahren in Weimar, wo die Bauhaus-Kunstschule gegründet wurde. Jetzt startet Berlin zum Thema noch einmal richtig durch. Los geht's mit einem Festival ...

Heute ist vieles ein bisschen Bauhaus. Vom Stuhldesigner bis zum Architekten verweisen Kreative gerne darauf, dass ihre Produkte von der seit den Zwanzigern stilprägenden Kunst-, Design- und Architektur-Richtung inspiriert sind. De facto gab es die namensgebende Schule allerdings nur von 1919 bis 1933. Nacheinander residierte sie an den Standorten Weimar, Dessau und Berlin. Das Ziel ihrer Gründer: Kunst und Handwerk zu vereinen und die Zukunft zu gestalten. Die von den Nazis 1933 erzwungene Schließung der Schule konnte nichts daran ändern, dass die Bauhaus-Idee um die Welt ging. So kommt es, dass Berlin das Jubiläumsjahr ausgiebig feiert. Der Höhepunkt ist ein eigenes Festival fürs Bauhaus. Wir haben die wichtigsten Infos und weitere spannendsten Events in Berlin und Umgebung für dich:

Bauhauswoche Berlin 2019 (31. August bis 8. September, verschiedene Orte draußen)

Es gibt viele Führungen, Spaziergänge, Workshops und Vorträge an verschiedenen Orten. Gegen Ende des Sommers wird das Bauhaus eine gute Woche lang vorwiegend draußen in Berlin zelebriert. Den Auftakt gibt die Lange Nacht der Museen. Das Kulturforum bietet mit einer Ausstellung Möbel und Mode im Stil des Bauhaus. Ein eigenes Kino hat die Bauhauswoche außerdem: Im Palais Podewil erwartet dich die Open-Air-Filmreihe Bauhaus und Film. Dort kannst du ausgewählte Filme sehen und Gesprächen mit Experten lauschen. Morgens kannst du dir das Sitzfleisch wieder abtrainieren: Alle Tage der Bauhauswoche starten auf einem anderen Flachdach oder einer „Terrasse der Moderne“ sportlich – mit öffentlicher Morgengymnastik. Eine gute Vorbereitung für die Schaufensterausstellung, die du entlang der Kantstraße, des Savignyplatzes und Teilen der Potsdamer Straße ablaufen kannst. In diversen Läden werden Leitideen und Wirken der Bauhaus-Schule vorgestellt. Außerdem steht ein gläsernes Festivalzentrum auf der Mittelinsel des verkehrsumtosten Ernst-Reuter-Platzes: Dort finden Vorträge, Lesungen und Performances statt. Außerdem starten dort die Touren zu Bauwerken der Moderne im Westen der Stadt. Stärken kannst du dich mittags in ausgewählten Restaurants in der Kant- und Potsdamer Straße mit eigens kreierten Bauhaus-Menüs! Die Bauhauswoche endet mit einer großen Abschlussparty am 7. September.
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Original Bauhaus – Jubiläumsausstellung des Bauhaus Archivs (6. September bis 27. Januar 2020, Kreuzberg)

Besonders gut getimt ist der Umbau des Bauhaus Archivs ja nicht: Erst 2021, deutlich nach dem Jubiläumsjahr, wird das Museum für Gestaltung in seinen Erweiterungsbau umziehen und wieder öffnen. In den bisherigen Räumen nebenan verbleiben das Archiv, die Bibliothek und der Veranstaltungsbereich. Derzeit gibt es zwar ein kleines Ausweichquartier in der Knesebeckstraße, doch für die große Jubiläumsausstellung des Bauhaus Archivs hat man sich die Berlinische Galerie als Partner ausgesucht. Nicht, dass die Schau dadurch irgendwie weniger lohnenswert wäre: Zu sehen sind „bekannte und vergessene Bauhaus-Originale“, deren Geschichte begleitend erzählt wird. Auch internationale Leihgaben sind Bestandteil der Ausstellung – sowie Kunstwerke, die die Ideen der Schule aufgreifen und neu interpretieren. Original Bauhaus beleuchtet zudem speziell das enge Verhältnis von Unikat und Serie, Remake und Original.
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Bauhaus-Archiv Museum für Gestaltung in Berlin unter blauem Himmel: weißes Gebäude im Bauhaus-Stil

Vor der Erweiterung: Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, 2015, Walter Gropius, Alex Cvijanovic und Hans Bandel.

ADGB Bundesschule Bernau (ganzjährig, Bernau)

Wir wollen es noch mal betonen: Bauhaus ist nicht nur Berlin, Weimar und Dessau. Die Stilrichtung hat beinahe weltweit ihre Nachahmer gefunden. Und da es immer gut ist, mal aus der Stadt rauszukommen, empfehlen wir einen Besuch im brandenburgischen Bernau. In einem Kiefernwald nahe des Städtchens, das nur sechs Kilometer von den Hauptstadtgrenzen entfernt liegt, stößt man auf eines der größten Bauhaus-Ensembles überhaupt: die Schule des einstigen Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. Sie wurde 1930 eröffnet und von Bauhaus-Direktor Hannes Meyer zusammen mit Hans Wittwer entworfen. Heute steht das Ensemble unter Denkmalschutz und wird zum Teil von der Handwerkskammer als Internat genutzt. Deshalb kann man auf eigene Faust nicht alle Gebäude besichtigen – der Besuch lohnt sich dennoch.
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Noch ein Tipp: Zu einer weitgehend unbekannten Protagonistin des Bauhaus, die an der Schule lehrte, gibt es nun eine Web-Plattform. Gertrud Grunow war schon an der ersten großen Ausstellung des Weimarer Bauhauses 1923 beteiligt, schrieb neben Gropius, Kandinsky und Klee einen Text für den Katalog. Trotzdem stand sie im Schatten der längst berühmten Männer. Rechtzeitig zum 100-jährigen Jubiläum empfehlen wir daher einen Blick auf www.gertrud-grunow.de, initiiert von der Kunstpädagogin Gabriele Fecher und der Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Linn Burchert, die auch ein frei verfügbares E-Book über Grunow geschrieben hat.

Es gibt jede Menge Events anlässlich des Jubiläumsjahres, darunter viele Führungen zu bekannten und weniger bekannten Bauhaus-Stätten. Darüber kannst du dich unter anderem auf der Webseite bauhaus100.de informieren.

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