Protest gegen Bauvorhaben Freudenberg-Areal

"Lebendiges Wohnquartier" oder "Blockmonster"?

Nicht jeder Friedrichshainer begrüßt das neue Wohnquartier an der Boxhagener Straße.
Boxhagener Kiez - Auf dem Freudenberg-Areal in Friedrichshain soll auch ohne Bebauungsplan gebaut werden. Dagegen haben Anwohner ein Bürgerbegehren gestartet, das jedoch selbst bei einem Erfolg keine rechtliche Wirkung hat. Das Bezirksamt gibt die Verantwortung für den Status Quo an den Senat weiter.

Derzeit sieht es zwischen Boxhagener, Holtei- und Weserstraße noch nach Brache aus, obwohl vorbereitende Maßnahmen für den Bau des neuen Wohnquartiers auf dem Freudenberg-Areal laut dem Investor bereits begonnen haben. Im gefragten Stadtteil Friedrichshain sollen 650 Wohnungen, kleine Gewerbeeinheiten, eine Kita und öffentliche Grünflächen entstehen. Das Bezirksamt hatte in Verhandlungen mit dem Unternehmen Bauwert unter anderem erreicht, dass 122 der Wohneinheiten von der städtischen Gesellschaft Howoge vermietet werden – größtenteils zu einem Quadratmeterpreis von 6,50 Euro netto kalt.

Gegen das Projekt gibt es dennoch weiterhin Vorbehalte unter Anwohnern. Organisiert sind diese in der Ideenwerkstatt Freudenberg-Areal oder beim Verein NaturFreunde Berlin. Ihre Hauptkritikpunkte sind die dichte Bebauung des 2,6 Hektar großen Areals und die angeblich unzureichende Versorgung des Kiezes mit Grünflächen sowie Schul- und Kitaplätzen, die sich durch das neue Quartier verschärfen würde. In jüngsten Verlautbarungen haben die Kritiker verbal noch mal aufgerüstet und sprechen vom „Blockmonster“, das auf dem Areal entstehe. Die Ideenwerkstatt hat außerdem – bezirklich bestätigt – genügend Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die geplante Bebauung gesammelt. Nun wird sich die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mit dem Anliegen befassen.

Senat greift zugunsten des Bauherren ein

Etwas ändern wird sich an den Planungen der Bauwert aller Voraussicht nach jedoch nichts mehr, denn das Unternehmen hat Fakten geschaffen – oder schaffen lassen. Beim Bezirksamt wurden Vorbescheidsanträge gestellt, mit denen geklärt werden sollte, ob das Vorhaben in der Höhe, der Form und der Nutzung auch ohne einen Bebauungsplan möglich sei. Diese wurden zwar vom Amt abgelehnt, jedoch im Widerspruchsverfahren von der nun zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bewilligt. Der Bezirk sah sich daraufhin gezwungen, die Baugenehmigung zu erteilen, ohne dass die Vereinbarungen mit dem Investor rechtlich abgesichert und die Einspruchsmöglichkeiten der Bürger gewahrt wären. Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) weist die Verantwortung hierfür dem Senat zu. Die Gegner des Projekts wollen nun klagen.

Die Fronten scheinen verhärtet. Das Unternehmen Bauwert wirft der Bürgerinitiative Falschdarstellungen vor und verweist auf die Einbindung der Bürger in den Diskussionsprozess, etwa bei öffentlichen Runden Tischen. Auf dem Freudenberg-Areal entstehe ein „lebendiges Wohnquartier“, das „dringend benötigten Wohnraum“ schaffe und „großzügige öffentliche Grünflächen“ biete. Auch würden überdurchschnittlich viele Kita-Plätze geschaffen. Der Investor hat wie die Gegner der Pläne eine eigene Webseite geschaltet, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Bis auf Weiteres hat Bauwert grünes Licht für den Baubeginn.

Die Argumente der Firma Bauwert sind auf deren Webseite zum Projekt zu finden, die der Gegner unter anderem in diesem Blog.

"Lebendiges Wohnquartier" oder "Blockmonster"?, Holteistraße 19A, 10245 Berlin
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