Interview

Beatsteaks-Sänger Arnim: "Keine Zeit für Bullshit"

Beatsteaks-Sänger Arnim:
Sänger und Gitarrist der Berliner Kultband Beatsteaks: Arnim Teutoburg-Weiß. Zur Foto-Galerie
Er ist ein echtes Berliner Original: Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß. Wir haben mit dem Musiker über sein neues Album, Blamagen auf der Bühne und das 20-jährige Bandjubiläum gesprochen. Natürlich hat er uns aber auch seine persönlichen Berlin-Tipps verraten ...

QIEZ: Am 1. August habt ihr mit „Beatsteaks“ (Warner Music) euer siebtes Studioalbum veröffentlicht. Einer Platte den Namen der Band zu geben ist immer auch ein Statement. Welches ist eures?

Arnim Teutoburg-Weiß: „Ich sage immer: Wenn du keinen vernünftigen Albumtitel hast, dann lass es lieber. In unserem Fall war ‚Nevermind‘ schon weg – und ‚London Calling‘ auch. Abgesehen davon haben wir dieses Mal aber tatsächlich alles anders gemacht. Nachdem die letzte Platte so lange gedauert hatte, sollte es ganz schnell gehen. Wenn du etwas schnell aufnehmen willst, musst du es entsprechend vorbereiten. Also haben wir sieben, acht Monate an den Songs geschrieben und sind kurz darauf ins Studio. Zehn Tage haben wir dort verbracht. Wir saßen in einem Raum im Kreis und haben alles rausgeballert und sogar besungen. Zeitlich betrachtet unser persönlicher Rekord!“

Heute spielt ihr bei den großen Festivals vor hundertausenden von Leuten, aber euren ersten Auftritt hattet ihr bei einer Abifeier in Lichtenberg. Was ist euch davon in Erinnerung geblieben?

A.T.: „Ziemlich viel, wenn ich ehrlich bin. Ausschließlich Positives. Dieser Auftritt war die beste Droge, die ich je genommen habe oder hätte nehmen können, der totale Flash. Ich wollte sofort mehr, sofort wieder rauf auf die Bühne. Damals haben wir die Beastie Boys gecovert, Songs von den Ramones und NOFX, aber auch ein paar eigene Stücke gespielt. Das war super. Danach habe ich mit unserem Keyboarder Bernd und unserem Gitarristen Peter eine Zigarette geraucht und darüber gesprochen, dass wir das jetzt öfter machen müssen.“

Würdet ihr heute noch mal bei einem Abiball spielen – bei dem der eigenen Kinder zum Beispiel?

A.T.: „Ach nee, ich weiß nicht. Das wäre wohl eher uncool für die Kids. Aber allgemein: Warum nicht? Wenn der richtige Anlass dafür kommen würde.“

Wäre euer 20-jähriges Bandjubiläum nächstes Jahr nicht der perfekte Anlass?

A.T.: „Oh, das ist tatsächlich eine ziemlich gute Idee. Darüber sollten wir mal nachdenken. Echt jetzt.“

Die Beatsteaks im Retro-Look. (c)Birte Filmer
Stichwort 20-Jähriges: Feiert ihr das bei euch intern?

A.T.: „Offen gestanden fühlt es sich für mich gar nicht nach 20 Jahren an. Klar: Auf dem Papier steht eine 20, aber für mich sind es eher 14 Jahre Beatsteaks. Ich zähle ab dem Jahr 2000 – als unser Bassist Torsten zu der Band stieß und wir zusammen an ‚Living Targets‘ gearbeitet haben. Aber über ein Jubiläum mache ich mir so oder so nicht groß Gedanken. Nach der Platte ist vor der Platte. Ich will weiter viel live spielen und uns auch ein bisschen selbst die Daumen dafür drücken, dass wir alle gesund bleiben.“

Der schwere Unfall eures Schlagzeugers Thomas ist diesen Monat genau zwei Jahre her. Wie hat sich euer Bandleben dadurch verändert?

A.T.: „Wenn wir arbeiten, sehen wir auf jeden Fall zu, dass wir schneller auf den Punkt kommen. Wir tun nicht so, als ob wir ewig Zeit hätten, denn das haben wir ganz offensichtlich nicht. Wir setzen Dinge jetzt sofort um. Keine Zeit für Bullshit. Ich für meinen Teil bin noch mehr für die Band da. In der Presse werden wir immer als eingeschweißte Gang beschrieben. Das ist auch so, definitiv. Aber intern müssen wir uns das bewusste Miteinander manchmal wieder auf den Schirm holen.“

In 20 Jahren Bandgeschichte gab es sicher nicht nur Glanzmomente. Erinnerst du dich an deine persönlich größte Blamage auf der Bühne?

A.T.: „Allerdings! In Leipzig habe ich es zu Beginn eines Auftritts einmal geschafft ‚Hallo Erfurt!‘ zu sagen. Das lag daran, dass wir am Abend zuvor tatsächlich dort gespielt und im Vorfeld bereits Witze darüber gemacht hatten. An dem Abend in Leipzig war ich dann total verdreht und wusste offensichtlich nicht mehr, wo ich war. Aber das war ganz zu Anfang unserer Zeit mit den Beatsteaks, 1998 oder so. Immerhin habe ich daraus gelernt: Seitdem setze ich mich vor jedem Auftritt eine Stunde hin und überlege mir genau, was ich sagen, vor allem aber, was ich nicht sagen möchte. Direkt nach dem Vorfall in Leipzig wusste ich: So etwas darf ich nicht noch einmal bringen!“

Du lebst seit deiner Geburt in Berlin. Wo hast du deine Kindheit verbracht und in welchem Kiez bewegst du dich heute am liebsten?

A.T.: „Ich bin in Mitte aufgewachsen, die Ecke Torstraße, Alte Schönhauser. Da unser Studio in der Gegend ist, bin ich inzwischen vor allem in Kreuzberg unterwegs. Und weiterhin in Mitte.“

Aktuell geht der Trend zum Umzug aufs Land. Gilt das auch für Rockstars?

A.T.: „Für mich definitiv nicht. Ich bin immer happy in Berlin, mir geht’s hier immer super. Ich bin hier geboren und werde auch hier begraben. Ganz klare Sache.“

Ein paar persönliche Berlin-Tipps von dir: Wo schleckst du im Sommer dein Eis? In welchem Laden schaust du nach Platten?Und wo gehst du bevorzugt baden?

A.T.: „Eis hole ich mir am liebsten bei Aldemir in der Falckensteinstraße in Kreuzberg. Und Platten … bei Hip Hop Vinyl in Friedrichshain. Schwimmen gehe ich in Berlin eigentlich gar nicht, wenn ich so darüber nachdenke. Einen speziellen Grund dafür gibt es nicht, aber meine Eltern haben ein Wochenendhaus in Schwerin. Dort bin ich häufiger.“

Als DJ-Duo Fra Diavolo legst du zusammen mit deinem Bandkollegen Torsten Scholz auf. Zu welchen Hits feiert das Partyfolk in Berlin erfahrungsgemäß am liebsten?

A.T.: „Wenn man selbst Musik macht und gleichzeitig auflegt, kann das definitiv die Sinne dafür schärfen, was den Leuten Spaß macht. Ich habe gelernt, dass man im Club gar nicht erst mit seinen speziellen Lieblingsliedern ankommen muss. Als DJ sollte es einem nicht um Selbstverwirklichung gehen. Man sollte keinen Egotrip fahren, sondern unterhalten wollen. ‚Twist and shout‘ von den Beatles geht meiner Erfahrung nach gegen drei Uhr morgens immer. Voraussetzung ist natürlich, dass der Laden voll ist und der Alkohol in Strömen fließt …“

Foto Galerie


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Aldemir Eisdiele, Falckensteinstraße 7, 10997 Berlin

Telefon 030 6118368

E-Mail schreiben


Täglich von 10:00 bis 22:00 Uhr

Weitere Artikel zum Thema Kultur + Events

Ausstellungen | Kultur + Events

Was macht gute Kunst aus?

Was ist überhaupt Kunst? Wie definiert man ihren Wert und ihre Qualität? Und wie verändert […]
Kultur + Events | Theater

Gerlinde und das Oldschool-Berlin

Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ verrät sie jede […]