Verkehrsbetriebe Berlin Brandenburg

Kein kostenloser Begleitservice im Sommer

Kein kostenloser Begleitservice im Sommer
Der Begleitservice des VBB hilft Menschen mit eingeschränkter Mobilität, aber erst wieder im Herbst.
Seit 2008 gibt es den Begleitservice der VBB. Menschen mit eingeschränkter Mobilität können sich von den Mitarbeitern des VBB bei Nutzung des Nahverkehrs unterstützen lassen. Nun sind die Fördergelder des Bundes für das Projekt versiegt und die Verträge ausgelaufen. Im Herbst soll es aber hoffentlich weitergehen - ohne den Bund.

„Entschuldigung, wissen Sie – welche Tram muss ich jetzt nehmen?“ Gabriele Schönfeld schämt sich nicht, die Hilfe anderer in Anspruch zu nehmen. Für die 53-Jährige ist das auch von größerer Bedeutung als für andere, da sie aufgrund einer schweren Krankheit seit fünf Jahren gehbehindert ist und einen Rollator nutzen muss. „Der ist zu schwer, um ihn anzuheben“, erklärt sie,“aber ich bin viel ehrenamtlich unterwegs, seit ich nicht mehr arbeiten kann. Ohne den VBB-Begleitservice ginge das nicht – vor allem, weil mir manchmal schwindlig wird.“ Die Schwindelanfälle sind durch ihr Leiden bedingt und treten sehr plötzlich auf. Als Gabriele Schönfeld auf das kostenfreie Angebot des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) stieß, war sie deshalb sehr glücklich. Sie nahm es häufig in Anspruch, aber nun ist das vorbei.

Da die Verträge der Beschäftigungsmaßnahmen des Bundes befristet waren, werden die letzten 30 Mitarbeiter nicht länger eingesetzt, erklärt VBB-Sprecherin Brigitta Köttel. „Aber es geht weiter, wir führen in den nächsten Wochen Bewerbungsgespräche und hoffen, dass wir im Herbst 100 Stellen neu besetzen können.“

Der Service soll weiter gehen, aber erst im Herbst

Der Begleitservice wird unter anderem älteren Menschen, Rollstuhlfahrern sowie Geh- und Sehbehinderten kostenlos zur Verfügung gestellt. Dass die Maßnahme im Herbst wieder aufgenommen werden kann, sei vor allem der Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) zuzuschreiben, erklärt der VBB. Sie habe von Beginn an darauf bestanden, dass das Angebot auch ohne Finanzierung vom Bund bestehen bleiben müsse. Jedoch dauerte es ein paar Monate, bis die Mittel zur Verfügung standen und die nötigen Vorkehrungen getroffen waren. Deshalb gibt es jetzt eine sommerlange Versorgungslücke.

Zwei, drei Monate würde die Schulung der neuen Mitarbeiter dauern, sagte Heike Rau, die Projektleiterin für den Begleitservice. Leider würde man sehr viele frühere Mitarbeiter, die großen Einsatz gezeigt hätten, nicht wieder sehen, da sie sich nicht erneut auf die Stellen bewerben dürften. Das Projekt sei eine Fördermaßnahme der Jobcenter, die man nur eine gewisse Zeit lang in Anspruch nehmen könne.

Viele Mitarbeiter wollen weiter helfen

Sabrina Stein ist eine der Helferinnen, deren Stelle ausläuft. Nach einem Unfall musste die gelernte Einzelhandelskauffrau ihre Arbeit aufgeben. Das Jobcenter verhalf ihr zu der Stelle beim VBB. Die 26-jährige ist fast die Jüngste im Programm. Die Aufgabe hat sie sehr bereichert. „Wenn man Menschen so unmittelbar helfen kann, ist das wunderbar.“ Das fange schon damit an, dass ältere Menschen nicht immer darauf angewiesen seien, dass ihre Nachbarn oder Kinder sie zum Einkaufen oder zum Friseur brächten.

Sabrina Stein besinnt sich auch auf eine ältere Frau, die im Rollstuhl saß. Sie hatte eine große Leidenschaft für Musik. Nach langer Zeit wollte sie endlich mal wieder in die Oper: „Dann wurde der Mann, der mitkommen wollte, krank, und sie rief bei uns an. Wir haben dann einen Begleiter für sie gefunden, der Opern mochte. Sie war überglücklich.“ Sabrina Stein wäre gern weiter beim Begleitservice tätig. Wie eine große Zahl ihrer Kollegen versucht auch sie, zusammen mit ihrem Jobcenter das Problem zu lösen.

Hoffnung auf ein Herbstmärchen

Das Angebot des VBB gibt es seit 2008. Die Idee dazu entstand durch das „Sommermärchen“ – die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, erinnert sich VBB-Sprecherin Köttel: „Damals hatten wir City Volunteers im Einsatz, die Touristen, aber auch Berlinern durch den Verkehr helfen sollten. Die berichteten von dem großen Bedarf an Unterstützung für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.“ Daraufhin kamen Senat, VBB, Bildungsträger und Jobcenter zusammen. Zwei Jahre später konnte das Projekt anlaufen. Die eigens dafür geschulten Helfer standen bis jetzt ungefähr 41.000 Menschen zur Seite. Bis Januar waren sie sieben Tage in der Woche zwischen 7 und 22 Uhr im Einsatz. Pro Monat wurden so 1200 bis 1500 Leute begleitet. Dann wurden die Fördergelder knapper und der Service beschränkte sich auf die Zeit von Montag bis Freitag.

„Ich war sehr dankbar, dass es das gab“, erzählt Gabriele Schönfeld. „Als ich hörte, dass es auslaufen soll, habe ich gleich an den Verkehrssenator Michael Müller geschrieben, aber bislang keine Antwort bekommen.“ Vorerst hat sich die 53-Jährige einen neuen, leichteren Rollator besorgt, aber an den Schwindelanfällen kann sie so leicht nichts ändern. Andere Begleitdienste existieren, aber ihr Nachteil ist, dass sie teuer sind und nur innerhalb eines Bezirks agieren. So hofft Gabriele Schönfeld, dass sie das Angebot im Herbst wieder wahrnehmen kann. Mit diesem Wunsch ist sie nicht allein.

Kein kostenloser Begleitservice im Sommer, Hardenbergplatz 2, 10623 Berlin

Weitere Artikel zum Thema Wohnen + Leben

Kultur + Events | Wohnen + Leben

Top 10: Berliner Nörgelthemen

Berliner jammern gern. Und weil das Wetter und die lieben Nachbarn einfach zu wenig hergeben, […]