• Dienstag, 05. Juni 2012

Berliner Bildungssystem

Schule dringend gesucht!

  • Schulen in Berlin
    Wohin ihr Weg sie nach der Grundschule führt, das hat sich für viele Berliner Schüler noch immer nicht entschieden. Foto: dapd - ©Maja Hitij

Zahlreiche Schüler in Berlin müssen sich nach Alternativen für die von ihnen bevorzugte Sekundarschule umsehen. Zum Wechsel in die siebte Klasse werden sie von den Bezirken aus Kapazitätsgründen an Problemschulen verwiesen.

An vielen beliebten Sekundarschulen überstieg die Nachfrage das Angebot. Zahlreiche Schüler, die in diesem Sommer von der sechsten in die siebte Klasse wechseln wollen, sollen sich deshalb mit dem Besuch einer weniger attraktiven Schule abfinden. Häufig liegen diese Sekundarschulen in Problemkiezen und haben mit einem schlechten Ruf zu kämpfen.

Regina Sommerfeldt will diese Notlösung für ihren zwölf Jahre alten Sohn nicht akzeptieren. Das Schulamt Tempelhof-Schöneberg schlug der Familie eine Schule in Neukölln-Nord als Ersatz für die überfüllte Sekundarschule am Winterfeldtplatz und ihre anderen beiden - ebenfalls zu beliebten - Alternativwünsche vor. Mit einem Widerspruch will Familie Sommerfeldt nun gegen die Zuweisung vorgehen - genau wie 140 Familien im Bezirk Tempelhof-Schöneberg und etwa 300 Familien berlinweit.

Es besteht jedoch wenig Aussicht auf Erfolg. Bei den besonders nachgefragten Sekundarschulen werden die Klassenzimmer nach dem Sommer bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Die Nachfrage nach freien Plätzen ist hier wesentlich höher als an den auf nur 12 Schuljahre ausgelegten Gymnasien. Besonders beliebt waren in diesem Jahr die Sophie-Scholl-Schule in Schöneberg, die Carl-Zeiss-Schule in Lichtenrade und die Lichtenberger Gutenberg-Schule.

Benachteiligte Schüler

Vor allem Kinder, denen keine Empfehlung fürs Gymnasium ausgesprochen wurde, haben es schwer. An den Gymnasien haben sie so gut wie keine Chancen auf eine Aufnahme und die beliebten Sekundarschulen richten ihr Augenmerk bei der Auswahl zunächst auf leistungsfähigere Schüler. Oft bleiben danach keine Plätze an den Wunschschulen übrig.

"Die Eltern wollen sich damit nicht abfinden", so Anwältin Simone Pietsch. Sie tritt für die Rechte von 50 unzufriedenen Familien ein - der Klageweg ist in Bezug auf die Schulzuweisung nicht ausgeschlossen.

Vor allem im Bezirk Tempelhof-Schöneberg sind viele Eltern verärgert. "Erst wurden Schulstandorte geschlossen, und jetzt reichen die Plätze nicht", bringen Vertreter der Elternschaft das Problem auf den Punkt. Die Bildungsstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) sieht sich unter Rechtfertigungsdruck. Zum einen bestehe der Senat aus wirtschaftlichen Gründen auf die Auslastung der betriebenen Schulen. Zum anderen würden zahlreiche Kinder aus den umliegenden Bezirken zum Schulbesuch nach Tempelhof-Schöneberg geschickt. Kaddatz wünscht sich, dass die unbeliebten Sekundarschulen in höherem Maße gefördert werden, um sie so für alle Familien attraktiver zu machen. "Wenn diese Schulen besser werden, verteilt sich die Nachfrage auch besser."

Mühsame Schulsuche

In diesem Sommer ist den Eltern durch die Beteuerungen nicht geholfen. Regine Sommerfeldt hat in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben "25 bis 30" Schulen besichtigt. Sie hatten entweder keine Plätze mehr frei oder erwiesen sich als Brennpunktschulen. Auch am Telefon habe sie zahlreiche Stunden verbracht. Dabei wurde sie "manchmal nicht einmal zum Schulleiter durchgestellt". Nach all der Mühe hat ihr Sohn nun jedoch Aussicht auf einen Privatschulplatz.

Siebtklässler auf der Suche nach einer passenden Schule sind nur ein Problem. Auch die Frage, an welche Schulen Kinder verwiesen werden, die das erste Jahr am Gymnasium nicht überstehen, ist bisher nicht geklärt. Auch sie müssen sich noch in diesem Sommer nach einer Sekundarschule umsehen. Reinickendorf, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln oder auch Charlottenburg-Wilmersdorf rechnen mit zahlreichen Rückläufern.

Den Plänen einiger Bezirke zufolge sollen sie eventuell an unterbelasteten Schulen in speziellen Klassen zusammengefasst werden - für Experten eine bildungspolitische Katastrophe. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, Rückläuferklassen an Gymnasien oder Grundschulen mit freien Plätzen unterzubringen.

Sophie-Scholl-Schule

Elßholzstr. 34
10781 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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