• Freitag, 13. Juli 2012

Elterninitiative für Hygiene

Bald auch "Umweltplaketten" für Schulen?

  • Umweltplakette Berlin
    Umweltplaketten für Autos sind inzwischen altbekannt. Brauchen Berlins Schulen ein ähnliches System? Foto: dapd - © Marcus Brandt

Berliner Schüler atmen täglich erhöhte Mengen Feinstaub im Klassenzimmer ein. Auch sonst mangelt es den Lehrinstitutionen oft an Sauberkeit. Eltern in Friedrichshain, Kreuzberg und Reinickendorf fordern, dass sich die Situation ändern soll.

Vielen Eltern aus Friedrichshain, Kreuzberg und Reinickendorf wird es langsam zu bunt. Sie verlangen, dass die Verwaltung der Bezirke das Thema Hygiene an Schulen bespricht und Lösungsansätze vorstellt. "Seit Jahren ist bekannt, dass Feinstaub in den Klassenräumen gesundheitsschädlich ist", klagt Familienvater Thorsten Sett-Weigel, "aber es passiert einfach nichts." Aus diesem Grund suchte er sich andere Mütter und Väter, die sich freiwillig in der Elternarbeit engagieren, und organisierte sich mit ihnen. Zusammen riefen sie ein Bürgerbegehren ins Leben und gehen seit Tagen schon durch Friedrichshain und Kreuzberg, um unter dem Motto "Gesunde Schule für alle" Signaturen für das Begehren zu bekommen. 6000 Unterstützer benötigen sie, um daraufhin einen Bürgerentscheid zu bewirken.

Sollte dieser genügend Zustimmung bekommen, zählt er gleichwertig wie ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung. In Reinickendorf soll ein gleiches Projekt anlaufen. Nach diesen Pilotprojekten sollen im neuen Schuljahr berlinweit Anträge für Bürgerbegehren angeschoben werden.

Mit allen Wassern gewaschen

Die Initiative der Eltern zielt darauf ab, dass der sogenannte Musterhygieneplan an Schulen zum Maßstab wird, an den sich alle halten müssen. Den Musterplan gibt es seit 2009. Das Land Berlin erstellte ihn aber nur als Empfehlung für die Gemeinschaftseinrichtungen der Stadt. Dazu gehören natürlich auch Schulen. Das Schriftstück schreibt vor, dass Fußböden, die unter hoher Benutzung stehen wie solche in Klassenzimmern und Treppenhäusern, jeden Tag gereinigt werden sollen.

Die Empfehlungen sind aber nicht bindend für den Bezirk. Zurzeit sind Schulen zwar verpflichtet, einen Hygieneplan aufzustellen und einzuhalten, aber wie oft die Flure und Klassenzimmer nun gereinigt werden, ist von der Institution abhängig. "In den Schulen wird bislang nur zwei- bis dreimal die Woche gewischt", sagt Sett-Weigel. Das wäre nicht genug, um den Feinstaub in Klassenzimmern gering zu halten.

Finanzierungsprobleme nur eine Ausrede?

Eine weitere Hürde sieht der zuständige Experte der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Henry Malach, darin, dass keine Richtwerte darüber bekannt sind, wie hoch der Feinstaubanteil in Innenräumen sein darf. Dafür sind zuerst noch weitere wissenschaftliche Studien von Nöten.

In den Bezirken Friedrichshain und Kreuzberg ist das Problem nichts Neues. Monika Herrmann (Grüne) unterstützt als Stadträtin das Projekt der Eltern. Auch sie spricht sich für mehr Reinigungseinsätze an den Schulen aus. "Um dies zu realisieren, brauchen wir aber monatlich 800.000 Euro mehr", erklärt Herrmann. Leider gäben das die Finanzen nicht her. Deshalb ermuntert Herrmann die Anwohner, das Bürgerbegehren auf die ganze Stadt auszuweiten und ein Volksbegehren zu erwirken, denn das Problem übersteige die Bezirksebene bei weitem. Zudem müsse "das Abgeordnetenhaus einen Haushalt verabschieden, der den Bezirken mehr Geld für Bildung zu Verfügung stellt".

Die Elterninitiative hält diese Darlegung für einen Vorwand. Andere Projekte wie Wowereits Landesbibliothek auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof würden auch Geld bekommen, somit müssen auch die Mittel für die Reinigung von Schulen bereitgestellt werden.

Adresse

Mollstraße 14
10178 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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