• Montag, 09. Juli 2012

Durchgehender Spree-Uferweg

Große Pläne, keine Taten

  • Bauarbeiten direkt an der Spree
    Ein durchgehender Spree-Uferweg: Diese Idee ist schon über zehn Jahre alt. Falls sie überhaupt eines Tages Realität wird, werden vorher noch mindestens zwei Jahrzehnte ins Land ziehen. Genug Zeit, um sich an Baustellenbilder von der Spree zu gewöhnen - wie hier in der Nähe des Reichstagsgebäudes 2005. Foto: dapd - ©Marcus Brandt/dapd

Von einem durchgehenden Spree-Uferweg ist schon ziemlich lange die Rede. Tatsachen wurden bisher jedoch nicht geschaffen. Wie steht es um das Projekt?

Seit über einem Jahrzehnt hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt neue Pläne für Uferwege an der Spree. Die Vision: ein durchgängiger Spazierweg am Fluss durch die gesamte Hauptstadt. Was ist bis heute aus den Plänen geworden?

Die deutlichste Gestalt haben die Pläne für Friedrichshain-Kreuzberg angenommen. Im Mai hatte Franz Schulz, der Bezirksbürgermeister, angekündigt, dass die ersten Bauarbeiten für den Weg am Ufer im Abschnitt zwischen Lohmühleninsel und Jannowitzbrücke im Sommer 2012 anfangen sollten. Der Senatsverwaltung zufolge könnte sich der Baubeginn für die ersten beiden Teilabschnitte, dem Ufer östlich und westlich der Oberbaumbrücke, bis ins Jahr 2013 verzögern.

Allein für die ersten Abschnitte des Uferweges sind zwei Jahre Bauzeit nötig

Denn sämtliche Verhandlungen mit den Eigentümern der Grundstücke sind noch nicht beendet. Wo ein Uferweg nicht machbar ist, da die Bebauung bis ans Wasser reicht, soll der Weg Stege entlang führen. Die Finanzierung stemmt das Bauförderungsprogramm Stadtumbau West. 24 Monate sind allein für das Fertigstellen der ersten zwei Teile von zusammen fünf Abschnitten eingeplant. Bis der ganze Uferweg im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg komplett ist, könnte also noch einige Zeit vergehen.

In Schöneweide ist schon eine ganze Anzahl von Uferwegen entstanden, beispielsweise zwischen der Treskowbrücke und dem Kaisersteg in Oberschöneweide, wenngleich bislang nicht durchgehend. Auf dem Areal der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) führt seit April vergangenen Jahres ein Rad- und Fußweg an der Spree entlang. Auch der Skater- und BMX-Park Mellowpark hat seinen eigenen Uferweg. Mit den Besitzern einiger Privatgrundstücke, auch in Nachbarschaft zum HTW-Gelände, führt das Bezirksamt Treptow-Köpenick noch Verhandlungen über einen potenziellen Zugang zum Ufer. Alternativ Stege übers Wasser zu führen, wie in Friedrichshain-Kreuzberg geplant, ist aus Finanzierungsgründen keine Möglichkeit für Schöneweide.

Kein Zeitplan für die Bauarbeiten in Schöneweide

In Niederschöneweide wird ein Uferweg auf dem ehemaligen Industriegelände an der Schnellerstraße geplant. Wann es jedoch zur Umsetzung der Pläne kommt, kann im Bezirksamt kein Mensch sagen. Ähnlich verhält es sich mit der Wilhelminenhofbrücke, deren Bau noch nicht angefangen hat. Falls sie irgendwann existiert, soll auch hier ein Uferweg bis zur Treskowbrücke entstehen. Die Bürgerinitiative "Schöneweider Ufer" verfolgt das Geschehen an der Spree in Schöneweide mit kritischem Blick.

Hübsche Pläne für die Spreehalbinsel Sophienwerder in Spandau, mit ganz viel Grün, sind auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt zu sehen. Bis Sophienwerder wirklich zu der gewünschten grünen Oase wird, müsste man jedoch Wege und Brücken für Fußgänger und Radfahrer bauen, denn einen direkten Zugang zu der Halbinsel gibt es nicht. Derzeit ist das Gelände zwischen der Spree und ihrem Ruhlebener Altarm noch ein ausschließliches Industriegebiet. Hier sind zum Beispiel die Spandauer Verwaltung des Berliner Wasser- und Schiffbauamtes und der Baustoffhersteller Cemex zu finden.

Zeitplan für Spandau: 20 Jahre

Auch am Nordufer in Spandau soll es der Internetseite zufolge auf dem Festland in Zukunft Uferwege geben. Sie zu realisieren ist jedoch ein auf zwei Jahrzehnte angelegtes Projekt. Wie so häufig ist hier die Finanzierung problematisch, denn es müssten auch Privatflächen angekauft werden. Laut der Einschätzung eines Mitarbeiters aus dem Bezirksamt wird Spandau der letzte Abschnitt eines hoffentlich irgendwann kompletten Spree-Uferweges. Die Begründung: In der Senatsverwaltung halte man den Bezirk "nicht gerade für den Nabel der Welt".

Fazit: Eine ganze Menge könnte und sollte. Ob diese Vagheit an den noch zu unklaren Planungen oder einfach an der Sommerpause in Bezirksämtern und der Senatsverwaltung liegt? Man solle im August noch einmal fragen, so der Ratschlag einer Verwaltungsmitarbeiterin. Bis dahin müssen die Hauptstädter weiter von einem Spaziergang am Spreeufer quer durch Berlin träumen.

Adresse

Karlshorster Straße
12459 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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