• Mittwoch, 06. August 2014

Illegale Badestellen

Wildes Baden wird in Berlin meist geduldet

  • Nackte Bader im see
    Der nackte Wahnsinn. Wo Baden nicht erlaubt ist, ist es verboten. Nur nimmt es niemand genau, so dass letztlich jeder auf eigene Gefahr badet. Foto: Der Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis

Sommerliche Temperaturen locken heute wieder viele ans Wasser. In einigen Berliner Seen ist das Baden aber verboten. Trotzdem wird es geduldet und vereinzelt sogar gefördert - besonders in Marzahn-Hellersdorf.

Wenn am Dienstag in Berlin das Thermometer auf warme 25 Grad steigt, zieht es wieder Hunderte Hauptstädter an die heimischen Badeseen. Doch an vielen Gewässern ist das Baden verboten. In Hellersdorf weiß man sich aber zu helfen: Müllsäcke werden mit Klebeband an Bäume gebunden, es werden kleine Zelte aufgebaut und Picknick mitgebracht. So verbringen Hunderte am Kaulsdorfer Habermannsee, von seinen Liebhabern "Kauli" genannt, ihre Sommertage. Sogar eine separate FKK-Bucht hat sich herausgebildet. Nur ändern diese geordneten Verhältnisse nichts daran, dass das Baden im Habermannsee, wie auch in den anderen Baggerseen des Bezirks, verboten ist.

"Illegale Nutzungen" hätten sich am Habermannsee seit Beginn der 1990er Jahre verfestigt, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. "Massenhaft" würde so gegen wasserschutzrechtliche Vorschriften verstoßen. Denn der Habermannsee liegt – wie rund ein Viertel der Berliner Landesfläche – im Trinkwasserschutzgebiet.

Badeverbot heißt nicht, dass niemand badet

In Berlin gibt es knapp hundert stehende Seen. Hinzu kommen die zahlreichen Buchten von Havel, Dahme und Spree. Dabei gibt es in der Stadt nur elf Strandbäder und 39 offizielle Badestellen, an denen, zumindest am Wochenende, meist Rettungsschwimmer aufpassen. Natürlich wird nicht nur dort gebadet. Außerhalb der freigegebenen Badestellen ist das Baden nach dem Wortlaut der Berliner Badegewässerverordnung "verboten". Eine Ordnungswidrigkeit begeht jedoch nur, wer etwa unter Brücken, an Schleusen sowie in der Stadtspree, der mittleren Havel oder in Kanälen badet.

Die Hürden zur Einrichtung einer offiziellen Badestelle sind hoch, ja wegen EU-Vorgaben "fast unmöglich", sagt Christian Gräff (CDU), Stadtrat für Wirtschaft und Stadtentwicklung in Marzahn- Hellersdorf. In keinem der dortigen Seen wäre es möglich, die Wasserqualität auf EU-Niveau zu bringen. Was die Kaulsdorfer Seen betreffe, spricht sich Gräff im Sinne des Landschaftsschutzes auch gegen eine Badenutzung aus. Allerdings würde er den benachbarten Biesdorfer Baggersee zum Baden freigeben, "wenn wir es könnten". Dort ist sogar eine Art Sandstrand aufgeschüttet worden, und der Bezirk suchte einen Kioskbetreiber. Dies sei in der Tat "eine merkwürdige Herangehensweise", sagt Gräff. Sie rühre noch von seinen Vorgängern.

Auch in den zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gehörenden Seen der Grunewaldkette ist das Baden verboten. Im Halensee etwa, trotz verbesserter Wasserwerte wie berichtet noch nicht wieder zum Baden freigegeben, wird trotzdem viel gebadet. Bezirksamtssprecher Karl-Heinz Metzger sagt, es gebe deswegen weder Kontrollen noch Sanktionen. Man bade dort schlicht "auf eigene Gefahr". So badete vor wenigen Wochen auch ein 35-jähriger Mann am Plötzensee außerhalb des Freibadbereiches – und ertrank.

Linken-Abgeordnete kritisiert die Bezirke

Gabriele Hiller, sportpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, kritisiert die Duldung des "wilden Badens": Es sei problematisch, dass an den stark frequentierten, jedoch nicht offiziell freigegebenen Badestellen "rechtsfreie Räume" entstünden, an denen es Alkoholkonsum und Müll gebe. Gerade der Bezirk Marzahn-Hellersdorf dulde das illegale Baden geradezu offensiv, weil es im Bezirk an offiziellen Bademöglichkeiten fehle. Bezirksstadtrat Gräff weist diesen Vorwurf zurück. Die Hellersdorfer scheinen sich am Habermannsee jedenfalls wohlzufühlen. Einer trägt am Abend einen Müllsack nach Hause. Auf dem Weg durch die Trampelpfade hält er an und pflückt sich noch zwei frische Zweige Brombeeren.

Adresse

Kressenweg 37
12623 Berlin

Entdecke deinen Kiez mit unserer Karte! aufklappen

 
Quelle: Der Tagesspiegel
Möchten Sie einen Beitrag schreiben oder eine Bewertung vornehmen?
Weitere Artikel zum Thema "Wohnen & Leben"

Durch den Kiez

Marlene von Steenvag: "Nur Kurven haben reicht nicht."

Marlene von Steenvag: "Nur Kurven haben reicht nicht."

Auf der Bühne eine Diva, privat super sympathisch: Wir sind im Kiez … mehr Prenzlauer Berg

Wohnen & Leben

Alle raus: Die Masche mit den verwahrlosten Häusern

Alle raus: Die Masche mit den verwahrlosten Häusern

Extremes Mietermobbing – was hat das für Gründe? Die menschenunwürdige … mehr Berlin

Wohnen & Leben

Sex mit jüngeren Männern – Unsere Singlekolumne #50

Sex mit jüngeren Männern – Unsere Singlekolumne #50

Neugier trifft Ego: Mascha macht sich mal wieder Gedanken über Männer. … mehr Berlin

Wohnen & Leben

Videos von Dashcams als Beweismittel zulässig

Videos von Dashcams als Beweismittel zulässig

Die kleinen Auto-Minikameras, die ständig das Straßengeschehen filmen, … mehr Berlin

TOP-LISTEN

Top 10: Strandbäder in Berlin

Top 10: Strandbäder in Berlin

Du willst bei strahlendem Sonnenschein eine erfrischende Abkühlung … mehr Berlin

TOP-LISTEN

Top 10: Campingplätze in Berlin und Umgebung

Top 10: Campingplätze in Berlin und Umgebung

Du suchst in der Nähe von Berlin einen Campingplatz, auf dem du mit … mehr Brandenburg, Berlin

Artikel versenden

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. name@xyz.de).
Mehrere Empfänger werden durch Kommata getrennt.

* Pflichtfelder

Hast Du bereits ein QIEZ-Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

ODER
Falls Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto auf Qiez.de registriert haben, klicken Sie auf den nebenstehenden Button, um sich mit Ihrem Facebook-Konto anzumelden.

Passwort zurücksetzen