• Montag, 22. Oktober 2012
  • von Patrick Paul

Naturschutz lohnt sich

Initiativen für Umweltpreis nominiert

  • Berliner Initiativen für Naturschutzpreis nominiert
    Fünf Berliner Initiativen sind für den Deutschen Naturschutzpreis nominiert. Foto: dapd - ©Norbert Millauer

Das Bundesamt für Naturschutz vergibt in Zusammenarbeit mit der Bekleidungsfirma Jack Wolfskin in diesem Jahr erstmals den Bürgerpreis für Deutschen Naturschutz. Der Preis steht unter dem Motto "Stadt braucht Natur – gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Das Preisgeld beträgt für die zwanzig Bestplatzierten 2000 Euro. Unter den 50 teilnehmenden Naturschutzprojekten befinden sich auch fünf Berliner Initiativen und Vereine. QIEZ stellt sie vor und informiert über Idee, Realisierung und Aussichten.

Himmelbeet (Wedding)

Müllerstraße 47, Berlin-Wedding. Dort befindet sich das Schillerpark-Einkaufscenter, ein Platz zum Shoppen und Bummeln. Mehrere tausend Menschen kommen täglich zum Einkaufen vorbei. Dass sie häufig zu Fuß oder mit dem Rad kommen, hatten die Planer und Eigentümer des Centers nicht ausreichend bedacht. Aus den großzügig angelegten Parkmöglichkeiten resultierte auf dem Dach ein Parkdeck, das aufgrund der wenig ausgelasteten Parksituation seit 2003 verwaist ist. Aktive und engagierte Bürger und Bürgerinnen kamen auf die Idee, die Fläche von 10.000 Quadratmetern sinnvoll zu nutzen und einen Gemeinschaftsgarten mit dem Namen "Himmelbeet" zu schaffen.

Seit Sommer 2012 läuft die konzeptionelle Planung und es werden Mitstreiter gesucht, die sich am Projekt beteiligen. In einer interaktiven Plattform koordinieren sich gegenwärtig  Gruppen zu den Bereichen "Gärtnern“, "Materialbeschaffung", "Bauen, Architektur, Erneuerbare Energien", "PR"  und  "Finanzen". Der erste Spatenstich soll im Januar 2013 erfolgen, so dass im Mai die Eröffnung stattfinden kann. Neben gemeinschaftlich nutzbaren Beeten sollen auch private Gartenanlagen entstehen, die gepachtet werden können. Dazu sind eine Werkstatt und ein Gartencafé geplant. Sollte Preisgeld in den Wedding fließen, sind Workshops zum Thema "Urbane Gartenkultur" und die Einrichtung eines Jugendgremiums vorgesehen

Wiesenlabor (Neukölln)

Wiesen- und Rasenflächen bieten gerade im Sommer Platz zum Rasten und zur Entspannung. In Neukölln gibt es einige Flächen, die im ansonsten dicht bebauten Bezirk für grüne Abwechslung stehen. Aufgrund der starken Frequentierung und Nutzung sowie der teilweise isolierten Lage sind die meisten Wiesen jedoch eher artenarm. Viele Bewohner wünschen sich ein sattes Grün und eine variantenreiche Bepflanzung. Dieses Anliegen griffen Schüler und Schülerinnen des Albrecht-Dürers-Gymnasiums in Neukölln auf. Unter wissenschaftlicher und pädagogischer Begleitung sollen die Rasenflächen renaturiert werden. Das Projekt "Wiesenlabor Neukölln" kombiniert dabei praktischen Naturschutz mit Erfahrungen aus der Umweltbildung. Seit August 2012 kooperieren daher Schüler und Schülerinnen der Klassenstufe 10 des Gymnasiums mit dem Freilandlabor Britz e.V. und Studenten des Fachgebiets Ökosystemkunde/Pflanzenökologie der TU Berlin.

Ziel ist die Gewinnung und Aufbereitung von Saatgut typischer Wiesenpflanzen, das dann im Frühjahr zur Bepflanzung der Rasenflächen genutzt werden kann. Rund 20 Jugendliche sammelten Samen von teilweise gefährdeten Wiesenpflanzen in Berlin. Als Testgebiet wurde der Park am Tempelhofer Flugfeld genutzt, um mit verschieden Verfahrensweisen der Renaturierung zu experimentieren und daraus Erkenntnisse zu ziehen, die für eine erfolgreiche Projektverwirklichung im Frühjahr 2013 nötig sind. Das Preisgeld soll eine langfristige Zusammenarbeit zwischen Universität und Schule ermöglichen. Weiterhin sollen Materialen wie Digitalkameras zur Dokumentation des Projekts und Fachliteratur gekauft werden.  

Naturraum Bundesplatz (Wilmersdorf)

Rund 40.000 Autos überqueren täglich den Bundesplatz, der zu den größten innerstädtischen Plätzen in West-Berlin gehört. Um den vierspurigen Tunnel herum, der unter dem Bundesplatz durchführt und in den 1960ern gebaut wurde, befinden sich Grünflächen, die jahrelang verwahrlosten. Die Initiative Bundesplatz e.V. wurde im Oktober 2010 gegründet und durch politische Partizipation und Engagement gelang es, die Verschönerung des Platzes in Angriff zu nehmen. Ein Jahr später, im Herbst 2011, begannen die Arbeiten. Nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung gab es grünes Licht und der Neubepflanzung stand nichts mehr im Weg.

In mehr als 1000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden gelang es 30 Mitgliedern der Bundesplatz-Initiative und Freiwilligen, den Boden auszutauschen und rund 2000 Stauden, Gräser und Farne zu pflanzen. Bei der Gartenarbeit standen vor allem die Wissensvermittlung von pflanzlichen Eigenheiten und die Wahl des richtigen Standortes (Sonne, Schatten) im Vordergrund. Um einen peripheren Blick auf den Platz und seine Umgebung gewährleisten zu können, wurden 100 Meter Mauer abgerissen. Der Bundesplatz ist nun von allen Seiten begehbar und bietet für Anwohner wieder einen schönen Aufenthaltsort, ähnlich wie vor dem Bau des Tunnels vor rund 50 Jahren. Sollte die Initiative Bundesplatz das Preisgeld von 2000 Euro gewinnen, werden naturräumliche Rückzugsmöglichkeiten für Schüler geschaffen.

Adresse

Schiffbauerdamm
10117 Berlin

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Quelle: QIEZ
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