• Freitag, 21. Dezember 2012
  • von Günter Wieske

QIEZ-Experte Günter Wieske

Steuerliche Änderungen im Jahr 2013

  • Steuererklärung
    Jedes Jahr aufs Neue lästig: die Steuererklärung. Foto: dapd - ©Torsten Silz/ddp

Wie fast in jedem Jahr bemühen sich die Bundesregierung und die Gesetzgebungsorgane die Bundesbürger mit Steueränderungen zum Jahresende zu erfreuen oder zu verärgern. In diesem Jahr fehlte den Gesetzgebungsorgangen eine halbe Stunde, um das eigentlich beschlossene Jahressteuergesetz 2013 noch zum Jahresende 2012 auf den Weg zu bringen. Nun kann es frühestens im Januar 2013 beschlossen werden. Steuerberater und QIEZ-Experte Günter Wieske erklärt, was hingegen für 2013 schon verbindlich beschlossen wurde und gibt wertvolle Tipps.

Änderungen bei der Einkommensteuer für Steuerzahler

Erhöhung des Grundfreibetrages

Bei der Einkommensteuer wird der Grundfreibetrag in zwei Stufen im Jahr 2013 und 2014 erhöht. Insgesamt werden dadurch alle steuerpflichtigen Bürger um rund 67 Euro für beide Jahre entlastet. Der Staat verzichtet auf 2,5 Milliarden Euro Steuereinnahmen. Allerdings hat der rot-grün dominierte Bundesrat verhindert, dass die von der Bundesregierung geplante Abmilderung der sogenannten "kalten Progression" ebenfalls in das Gesetz aufgenommen wurde. Die "kalte Progression" bewirkt,
dass der Steuersatz mit einem höheren Einkommen stärker steigt und eventuell Gehalts- oder Lohnerhöhungen zu höheren Steuern und damit zu einem niedrigeren Nettoeinkommen führen.

Elektronische Lohnsteuerkarte (ELSTAM)

Die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte ab dem Jahr 2013, die die altbewährte Papierlohnsteuerkarte ersetzt, soll zu weniger Bürokratie führen. Zu beachten ist jedoch, dass die auf der Lohnsteuerkarte des Jahres 2010 eingetragenen bisherigen Freibeträge nicht automatisch in die elektronischen Steuerkarten übernommen werden. Damit im neuen Jahr mehr Netto vom Brutto übrig bleibt, müssen spätestens bis zum Umstieg auf die elektronische Lohnsteuerkarte die Freibeträge neu beim Finanzamt beantragt werden. Als Freibetrag können zum Beispiel hohe Kosten für die Fahrten zur Arbeit oder Kinderbetreuungskosten angesetzt werden.

Änderungen bei der Veranlagung von Eheleuten

Auch Eheleute, die sich zusammen zur Einkommensteuer veranlagen lassen oder die sogenannte "getrennte" Veranlagung gewählt haben, müssen zukünftig genau hinschauen und nachrechnen. Denn mit der Steuererklärung für das Jahr 2013 wird die Entscheidung, ob man getrennt oder zusammen veranlagt werden möchte, mit Abgabe der Steuererklärung bindend. Hier hat der Gesetzgeber nämlich ein paar Details geändert.
Die "Zusammenveranlagung" birgt den Vorteil des Splittingtarifes, der sich bei hohen Einkommensunterschieden zwischen den Eheleuten bezahlt machen kann. Die "getrennte Veranlagung" (hier werden die Eheleute wie zwei Ledige behandelt) kann zum Beispiel dann günstiger sein, wenn ein Ehepartner eine hohe Abfindung erhält, die einer besonderen Steuerermäßigung unterliegt. Die "getrennte Veranlagung" heißt ab 2013 "Einzelveranlagung" und bedeutet, dass Sonderausgaben, haushaltsnahe Dienstleistungen und außergewöhnliche Belastungen (beispielsweise Krankheitskosten) bei der Einzelveranlagung nur noch bei demjenigen berücksichtigt werden, der sie auch wirtschaftlich getragen hat. Die hälftige Aufteilung ist aber auf Antrag weiterhin möglich. Deshalb sollten Ehepaare bei anstehenden Aufwendungen, z.B. Reparaturen an Haus und Hof, darauf achten, wer die Reparaturleistungen bezahlt und bei wem sie wirtschaftlich angerechnet werden. So wird auch die für die außergewöhnlichen Belastungen maßgebliche Zumutbarkeitsgrenze künftig anhand der Einkünfte des jeweiligen Ehegatten berechnet.

Änderungen bei den Minijobs

Aufpassen müssen auch Minijobber. Zwar wurde die Minijob-Grenze für 2013 um 50 Euro auf 450 Euro angehoben, aber ab 2013 sind Minijobs regelmäßig rentenversicherungspflichtig und nur auf Antrag versicherungsfrei. Das gilt für alle ab 2013 neu aufgenommene Minijobs bzw. für die bestehenden, die auf einen Betrag über 400 Euro angehoben werden. Die Frage, ob Rentenversicherungspflichtig oder nicht, sollte genau überlegt werden, da auch weitere Folgen damit verbunden sind, etwa Invaliditätsschutz oder die Möglichkeit eine Riesterrente gefördert zu bekommen.

Änderungen bei der Berücksichtigung von Versicherungsbeiträgen

Zu den Änderungen, die nun wohl verspätet vom Bundestag beschlossen werden, gehört auch der Beschluss, die Beiträge zum sogenannten Basiskrankenversicherungsschutz (also ohne Chefarztbehandlung) unbegrenzt als Sonderausgaben abzuziehen. Ab 2013 sollen dazu auch Beiträge an ausländische Versicherungsunternehmen außerhalb der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) gehören. Auch der Pflegepauschbetrag von jährlich 924 Euro soll dann den Pflegebedürftigen gewährt werden, die in ihrer Wohnung im EU- oder EWR-Ausland (z.B. in Spanien) gepflegt werden. Bisher war der Pauschbetrag an eine Pflege geknüpft, die nur in Deutschland stattfinden durfte.

Zuschüsse zur Gebäudesanierung

Das Vorhaben der Bundesregierung zur steuerlichen Begünstigung der energetischen Gebäudesanierung wurde im Vermittlungsausschuss gestoppt. Dieses Programm will die Bundesregierung nun auf eigene Faust vorantreiben, sie wird dazu ein Förderprogramm auflegen, das über die KfW Bankengruppe abgewickelt werden soll.

(Schwarz)Geldkonten in der Schweiz

Erwähnenswert ist auch, dass die rot-grüne Ländermehrheit das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz abgelehnt hat. Das hat den Bundesfinanzminister sehr erbost, der auf Steuereinnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe verzichten muss. Die Regierung geht davon aus, dass ein großer Teil der deutschen Steueransprüche für die Vergangenheit unwiederbringlich verjähren wird. SPD und Grüne bauen dagegen auf die Erfolge der Steuerfahndung mit Hilfe von erworbenen Datenträgern, die Informationen über Bankeinlagen von deutschen Steuerpflichtigen in der Schweiz enthalten.

FAZIT:

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass einige der Änderungen, insbesondere die Tatsache, dass zukünftig mit Abgabe der Steuererklärung entschieden werden muss, ob sich Ehegatten zusammen oder getrennt veranlagen lassen wollen, erhebliche Auswirkungen auf die Steuerbelastung haben. Hier ist jedem Steuerpflichtigen zu empfehlen, sich bei seinem Steuerberater sachkundigen Rat einzuholen.

Dieser Überblick kann nicht die fachkundige Beratung durch einen Steuerberater ersetzen. Vor allem erheben diese Hinweise keinen Anspruch auf Vollständigkeit, insbesondere wegen des schwebenden Gesetzgebungsverfahrens.

WIESKE Steuern I Recht I Beratung, Günter Wieske, Steuerberater

Nassauische Straße 21
10717 Berlin

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