• Mittwoch, 13. Juni 2012

Raupen-Plage

Kleine Biester

  • Eichprozessionsspinner
    Feine Härchen, schwere Folgen: Die Raupen des Eichprozessionsspinners können allergische Reaktionen hervorrufen.  Foto: dapd - ©Oliver Lang

Immer mehr Kinder- und Jugendeinrichtungen in Berlin haben unter dem Eichenprozessionsspinner zu leiden. In einer besonders schwer betroffenen Kita in Nikolassee übernimmt der Bezirk einen Teil der Kosten für die Bekämpfung des Schädlings.

Es sticht, kratzt und juckt - zahlreiche Schützlinge der Kita "Zentrum am Kleeblatt" (ZaK) haben unter den Folgen eines massenhaften Auftauchens der  Eichenprozessionsspinner zu leiden. Nach tagelangem Streit um die Zuständigkeit soll nun endlich gegen die giftigen Raupen in den Eichen des angeschlossenen Spielplatzes vorgegangen werden. Bezirk und Kita wollen den Gespinstnestern der gefräßigen Tiere gemeinsam zuleibe rücken.

Im gesamten Stadtgebiet schlagen sich Schulen, Horte und Kitas mit den bis zu fünf Zentimeter großen Raupen herum, die sich gemeinsam durch das Grün der auf Schulhöfen, Spielplätzen und in Parks beheimateten Bäume fressen. Vor allem der Süden Berlins ist von der Plage betroffen.

Nachdem der Bezirk Steglitz-Zehlendorf zunächst erklärte, er sei für die Reinigung des Kita-Geländes nicht verantwortlich, holte die "Tandem BQG", Trägerin vom "Zentrum am Kleeblatt" in Nikolassee, am Dienstag Kostenvoranschläge bei Baumpflegefirmen ein. Mit Spezialgerät können sie die Eichenprozessionsspinner, deren Härchen in bestimmten Fällen zu Augen- und Schleimhautreizungen, Rötungen und heftigem Jucken führen, aus den Kronen der Bäume vertreiben.

Bezirk beteiligt sich an den Kosten

Nach weiteren allergischen Reaktionen der Kita-Kinder lenkte der Bezirk schließlich ein. Reinigungskosten in Höhe von 1000 Euro wird die Tandem BQG übernehmen, den Rest tragen die zuständigen Behörden. Den zwei Jahre alten Bengt haben die Raupen in der Zwischenzeit bereits mit roten Pusteln übersät. Am Dienstag verließ er mit der Diagnose "Raupendermatitis" die Kita.

Bisher ging der Bezirk eigenständig gegen den Eichenprozessionsspinner vor. Seit die Zahl der giftigen Raupen jedoch stark ansteigt, bemüht sich die Bezirksregierung um eine Begrenzung der Kosten und prüft vor dem Einschreiten die Zuständigkeitsfrage.

Die Gesundheitsämter verschiedener Berliner Bezirke kamen am Montag zusammen, um die Maßnahmen gegen die explosionsartig zunehmende Raupenpopulation miteinander abzustimmen. Dabei wurden jedoch lediglich einheitliche Maßstäbe zur Risikobewertung festgesetzt. Nun können betroffene Grundstücksbesitzer bei den Gesundheitsämtern Rat einholen. Für die Beseitigung der Raupen müssen sie jeoch eigenständig aufkommen.

Klimaerwärmung kommt Raupen zugute

"Wir können den Eichenprozessionsspinner weder jetzt noch morgen ausrotten“, so die Gesundheitsstadträtin im Bezirk Steglitz-Zehlendorf Christa Markl-Vieto. Die Zunahme der Raupen hänge eng mit dem Klimawandel zusammen, langfristige Lösungen könnten nur gemeinsam mit dem Land Brandenburg entwickelt werden. Auch dort klagen vor allem Kinder- und Jugendeinrichtungen über das massenhafte Auftreten der Eichenprozessionsspinner. In Potsdam ist bereits ein Drittel aller Eichen von der Raupe befallen. Im Neuen Garten haben 300 Bäume unter dem gefräßigen Insekt zu leiden.

Schon die lokalen Maßnahmen gegen den Befall gestalten sich schwierig. Um chemische Pflanzenschutzmittel zu vermeiden, müssen die Tiere oder ihre Gespinstnester, in die sie sich zur Häutung zurückziehen, abgesaugt oder verbrannt werden. Die feinen, Allergien auslösenden Härchen verbreiten sich dabei jedoch schnell über eine große Fläche. Das Einsprühen der Nester mit Kleber hat dagegen erst nach der Verpuppung des Nachtfalters Ende Juni Erfolg.

Die vierzehn Krippenkinder, zu denen auch der betroffene Bengt gehört, müssen ihre Spielstunden derzeit bei geschlossenem Fenster verbringen. Sie dürfen nur eingeschränkt nach draußen und können die Bäume ihres Gartens nur noch vom rot-weißem Absperrband aus betrachten.

Kita Zentrum am Kleeblatt

Von-der-Trenck-Straße 4
14129 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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