Crowdfunding für geschlossenen Club beendet

Für Jonny Knüppel geht es um alles

Für Jonny Knüppel geht es um alles
Im Sommer soll es im Jonny Knüppel weitergehen - doch das klappt nur, wenn die nötigen Umbauten zu stemmen sind. Zur Foto-Galerie
Seit Sommer wird auf dem Gelände des Underground-Clubs Jonny Knüppel zwischen Kreuzberg und Treptow nicht mehr gefeiert, Kunst geschaffen oder diskutiert. Für eine Betriebsgenehmigung muss Geld her. Eine Crowdfunding-Kampagne brachte einen Teilerfolg.

Es ist eine dieser Geschichten, bei denen es darum geht, was Berlin mal war und was es bald sein könnte. Der Inhalt: ein Club, der gleichzeitig Freiraum für vieles bot, behördliche Auflagen und die Gentrifizierung Kreuzbergs. 2015 war Jonny Knüppel auf die nördliche Lohmühleninsel gezogen, den kleinen Streifen Land zwischen Treptow und Kreuzberg, zwischen Flutgraben und Landwehrkanal, wo dieser in die Spree mündet. In Sachen Clubkultur eine illustre Nachbarschaft: Gleich nebenan liegen Birgit & Bier, Chalet, Ipse und der Club der Visionäre.

Jonny Knüppel wollte von Anfang an nie nur ein Techno-Club sein. Hier spielten schon Bands aus der Wüste Malis mit renommierten Berliner Jazz-Ensembles zusammen. Für Kunst ist auf dem Gelände ebenfalls Raum. Man könnte auch von einem Gesamtkunstwerk sprechen, das dort aus alten Überseecontainern und wiederverwendetem Material entstanden ist. Die Macher überließen Jonny Knüppel darüber hinaus auch vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen als Treffpunkt und Ort für Diskussionen. Der Freiraum sollte durch die Einnahmen aus dem Clubbetrieb querfinanziert werden. Einen Haken hatte die Sache: Konzerte und Clubnächte fanden am Rande der Legalität statt. So wie es im Berlin der Nachwendezeit eher die Regel als die Ausnahme gewesen war.

Jonny Knüppel war nie nur Club, sondern immer auch Kunst, Freiraum, Spielplatz. ©Jonny Knüppel

Ein Wohnhaus und ein Kabelbrand

Die Hauptpersonen des offenen Kollektivs hinter Jonny Knüppel hatten das Gelände von einem Investor gemietet, der nach und nach weitere Grundstücke auf der Lohmühleninsel kaufte – so erzählt es uns Johannes, einer der Macher. Seinen Worten nach ist der nördliche Teil der Insel als Gewerbegebiet ausgewiesen. So sei es den Club-Gründern zumindest am Anfang versichert worden. Das Problem: Auf dem Gebiet befindet sich ein einzelnes Wohnhaus, das auch nach wie vor bewohnt ist. Genaugenommen dürfe es dort nicht stehen, es genieße aber Bestandsschutz, so Johannes. Entsprechend höhere Schallschutzauflagen muss der Nachbar Jonny Knüppel eigentlich erfüllen.

Zum aus eigener Kraft unüberwindlichen Hindernis wurde das aber erst durch ein Ereignis im Sommer 2017. In einem der Container brach ein Kabelbrand aus, verursacht durch Personen, die nicht zum Kreis der Club-Macher gehörten. Laut Johannes blieben Brand und Schaden klein, es gab keine Verletzten, aber beträchtliche Qualmentwicklung. Polizei und Feuerwehr mussten anrücken. Vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gab es nach dem Brand eine klare Ansage: Bis Jonny Knüppel eine vollständige Betriebsgenehmigung habe und alle Auflagen erfüllt seien, dürften keine unbefugten Personen mehr das Gelände betreten – das vorläufige Aus für öffentliche Veranstaltungen aller Art.

Regenschirmdisko im Knüppel ©Jonny Knüppel

Ohne Party kein Geld

Seither ruht also der Betrieb, aber die Betreiber blieben nicht untätig. Ein Bauantrag ist gestellt, um die nötigen Umbauten in Angriff nehmen zu können. Die betreffen neben dem Schall- auch den Brandschutz, sowie etwa eine neue Heizungsanlage. Doch die entstehenden Kosten kann das Jonny Knüppel-Kollektiv ohne die Einnahmen aus dem Club-Betrieb nicht stemmen. Und ohne Betriebsgenehmigung wird es auch mit Krediten schwierig. Als vermutlich letzte Chance auf eine Wiedereröffnung initiierten die Macher eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Startnext. Mindestens 60.000 Euro sollten damit erzielt werden – wie üblich gab es dafür diverse Dankeschön-Geschenke. Und die am 21. Februar abgelaufene Kampagne war erfolgreich: Knapp 70.000 Euro kamen zusammen. Allerdings nicht 100.000, mit denen die Macher den Umbau komplett aus eigener Kraft hätten finanzieren können. Diese hoffen nun unter anderem auf den neuen Lärmschutz-Fonds des Senats, der geschaffen wurde, um die Berliner Clubszene zu unterstützen.

Ob diese Geschichte mit einem Happy-End für die nicht-kommerzielle Clubkultur und ein Berlin der Freiräume endet? Das entscheiden nicht nur die finanziellen Unterstützer. Zunächst mal muss der Ende März auslaufende Mietvertrag verlängert werden – hierzu gibt es nur eine mündliche Zusage des Investors. Und auch die Behörden müssten zustimmen. Vor der endgültigen Genehmigung dürften noch diverse Gutachten und eine Abnahme stehen. Anfang Mai oder Juni könnte es im Idealfall so weit sein, hoffen die Jonny Knüppel-Macher.

Weitere Infos gibt es auf der Webseite des Clubs.

Foto Galerie

Für Jonny Knüppel geht es um alles, Schleusenufer 4A, 10997 Berlin

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