Retrospektive der Fotogalerie Friedrichshain

Nicht nur die Stasi hat geknipst

Nicht nur die Stasi hat geknipst
Fast wie in den Achtzigern, als die Fotogalerie eröffnet wurde, sieht es hier immer noch aus. Zur Foto-Galerie
Comeniuskiez - Die Fotogalerie Friedrichshain war der erste Ort, an dem das Fotografieren in der DDR als eigene Kunstform ein Forum erhielt. 30 Jahre nach der Eröffnung gibt die Galerie mit einer Retrospektive einen Überblick über ihr vielfältiges Schaffen.

Eine Innovation war die Eröffnung der kommunalen Fotogalerie 1985 nicht nur für Ost-Berlin. Es gab damals weder C/O noch das Museum für Fotografie; entsprechende Ausstellungen wurden meist eher stiefmütterlich behandelt und fanden in gewöhnlichen Kunstgalerien statt. Wer heute, anlässlich des 30. Geburtstags respektive der Jubiläums-Retrospektive, die Fotogalerie Friedrichshain ansteuert, fühlt sich womöglich in die Gründungszeit zurückversetzt. Die Räumlichkeiten am Helsingforser Platz sind in einem unsanierten Plattenbau untergebracht, der auch als authentische Filmkulisse für einen DDR-Endzeit-Streifen dienen könnte. Wenige Schritte von der so international belebten Warschauer Brücke ist das hippe Friedrichshain plötzlich weit weg.

Das Ambiente in und um die Galerie hilft beim Eintauchen in die Retrospektive. Die Bilder in den hellen, kahlen Räumen sind größtenteils schwarz-weiß und thematisch sehr vielfältig. Zu sehen ist ein Querschnitt durch die Ausstellungsgeschichte, wobei sich die Macher auf die ersten und letzten fünf Jahre konzentriert haben. Es gibt Szenen aus dem DDR-Alltag von Harald Hauswald zu sehen, darunter seine bekannte Momentaufnahme dreier Männer in der U-Bahn (siehe oben). Eberhard Klöppel machte für die „Neue Berliner Illustrierte“ Aufnahmen von Arbeitern, die er Ende der 1980er Jahre erstmals in der Fotogalerie ausstellte – auch er ist nun wieder vertreten.

Internationale Motive

Die thematische Bandbreite der Galerie wird in der Jubiläumsausstellung schnell deutlich. Tina Modotti etwa fotografierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die indigene Bevölkerung Mexikos. Sie ist ebenso Teil der Retrospektive wie die jüngste bisher ausgestellte Künstlerin Dvorah Kern. Sie porträtierte ihre Schwester und wurde bereits als Jugendliche für ihr Schaffen ausgezeichnet. Zu sehen sind auch Bilder aus der Zwischen- und Nachkriegszeit in Berlin, die aus den Archiven der Galerie stammen. Sie haben eher dokumentarischen Charakter und sind die Werke, auf die man im Rahmen dieser Schau am ehesten hätte verzichten können.

Ansonsten macht die Ausstellung zum 30. eindrucksvoll klar, wieso die nicht-kommerziell betriebene Galerie lange eine zentrale Rolle in der Fotografie-Szene gespielt hat. Bis heute kostet der inzwischen vom Verein Kulturring in Berlin betriebene Kunstort keinen Eintritt – auch wenn die Zeiten nicht immer leicht waren. Die nächste Ausstellung steht übrigens schon fest: Eine Woche nach Ende der Retrospektive eröffnet am 18. September eine Schau über „Kleingewerbe am Straßenrand“.

Die Fotogalerie Friedrichshain ist von Dienstag bis Samstag zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet, am Donnerstag bereits ab 10 Uhr.

Foto Galerie

Fotogalerie Friedrichshain, Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin

Telefon 030 2961684

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Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag von 14:00 bis 18:00 Uhr
Donnerstag von 10:00 bis 20:00 Uhr

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