Vom Senat beschlossen

Freestyle: Die Alte Münze wird Musikzentrum

Nach vielen Partys und Zwischennutzungen entsteht nun ein Musikzentrum.
Nach vielen Partys und Zwischennutzungen entsteht nun ein Musikzentrum.
Lange wurde debattiert, nun hat Kultursenator Klaus Lederer verkündet, dass die Alte Münze ein Zentrum für Jazz und improvisierte Musik wird. Nicht ganz das, was Till Brönner wollte, aber der bleibt an Bord.

Geld ist da – gut 35 Millionen Euro vom Land Berlin und 12,5 Millionen Euro vom Bund – und nun steht auch der Plan für das Objekt in bester Lage: Die Alte Münze wird zukünftig ein Zentrum für Jazz und improvisierte Musik. So wird nicht nur das international hoch angesehene Genre Jazz mehr Platz in der Hauptstadt bekommen, wie es der bekannte Musiker Till Brönner mit seinem House of Jazz an dieser Stelle geplant hatte, sondern auch experimenteller Pop, transkulturelle Musik und andere zeitgenössische Musikgenres. Das ist das Ergebnis des Beteiligungsverfahrens, das seit dem Beschluss des Abgeordnetenhauses 2018 lief, um die Alte Münze dauerhaft als Kultur- und Kreativstandort zu sichern.

Till Brönner trägt das neue Konzept an der Seite von Deutsche Jazzunion und IG Jazz trotzdem mit, obwohl er sich von einigen seiner Ideen verabschieden muss. Der wohl bekannteste Trompeter des Landes hatte von einer Art Philharmonie des Jazz geträumt, von einem eigenen Orchester, einer Akademie und vielem mehr. Das von Brönner favorisierte House of Jazz bildet aber immerhin die Grundlage für das Zentrum für Jazz und improvisierte Musik „mit internationaler Strahlkraft“, wie es der Senat ersehnt. Hier soll die Musik des 21. Jahrhunderts beheimatet sein und die weit verzweigte Jazz-Szene die Chance erhalten, sich zu vernetzen und zu verankern. Dafür stehen vor allem in den Kellergewölben ausreichend Räume für die praktische Arbeit zur Verfügung – von Proberäumen über Studios bis zu Aufführungsräumen.

 

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Ein Beitrag geteilt von Alte Münze Berlin (@alte_muenze) am Nov 26, 2019 um 11:55 PST

Das letzte planende Wort ist natürlich noch nicht gesprochen. So entwickeln Expert*innen und Akteur*innen das Konzept noch weiter, damit das Zentrum auch den Ansprüchen der Szene selbst gerecht wird. In Beamtendeutsch heißt das, das vorliegende Nutzungskonzept wird in die Ausarbeitung des Raum- und Funktionsprogramms einfließen. „Unser Ziel ist es, die Alte Münze zu einem Ort zu entwickeln, der mit Kunst und Kultur ausstrahlt und einen Musikschwerpunkt haben wird“, erklärt Klaus Lederer. „Darauf freue ich mich.“ Die freie Szene, die ein Leuchtturmprojekt für alle nicht-kommerziellen und experimentellen freien Musikszenen oder ein interdisziplinäres und offenes Haus für Musik etablieren wollte, konnte ihre Ideen bei diversen Workshops und Diskussionen einbringen.

Ob Klaus Lederer allerdings noch Kultursenator ist, wenn der Bau endlich Fahrt aufnimmt? Oder ob er wie sein Vorgänger Tim Renner, der 2016 Till Brönner Hoffnung machte, das House of Jazz realisieren zu können, vor der entscheidenden Phase abtreten muss? Das neue Zentrum braucht Berlin-typisch nämlich noch viel Zeit, bis hier die ersten Töne erklingen können. Den Baustart peilt man für 2023 an, frisch saniert erstrahlt die Alte Münze dann erst 2026. Die nächsten Senatswahlen stehen allerdings schon 2021 an.

Alte Münze Berlin, Molkenmarkt 2, 10179 Berlin

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