Ein Kiosk und ein Restaurant haben nicht viel gemein, doch zusammen können sie Großes bewirken. Das dachte sich vermutlich Jochen Thoss, der Inhaber des neuen Restaurants Bundesbüdchen Berlin in Mitte. Das Interieur drückt die Fan-Liebe des IT-Experten zum denkmalgeschützten Bonner Kult-Kiosk aus. Herzstück ist die Bar, die in Formgebung und Außenwirkung das Original zitiert. Sogar das Leuchtbanner mit den Werbungen wurde nachgebaut. So hat man beim Betreten des Lokals das Gefühl, wieder draußen zu stehen. Zum Glück ist der restliche Raum darauf bedacht, eine wohlige Atmosphäre zu zaubern. Das gelingt mit modernen Lampen aus orangefarbenem Glas, einfachen Holztischen, schwarzen Cassina-Stühlen und Parkettboden.
Qiez zu Google hinzufügenToll ist die offene Küche, die wie ein beleuchteter Schaukasten wirkt. Als Küchenchef konnte Thoss den gebürtigen Passauer Johann Maier gewinnen, den viele sicher noch aus der Cordobar und dem Oh, Panama kennen. Das Team in der Küche scheint bereits sehr gut eingespielt zu sein, und es macht Spaß, den einzelnen Charakteren bei der Arbeit zuzusehen. Damit es am Herd bald wieder Neues zu tun gibt, bestellen wir rosa gebratenen Kalbstafelspitz auf Brioche mit Schnittlauchsauce (19 Euro) und Saibling mit Buttermilch, Rettich und Petersilie (18 Euro) als Vorspeise.
Mit Stil und Liebe zum Detail wird ein Kiosk zum Restaurant. Quelle: Bundesbüdchen/ Copyright: Contentley Media, Arash FarahaniMit Stil und Liebe zum Detail wird ein Kiosk zum Restaurant. Quelle: Bundesbüdchen/ Copyright: Contentley Media, Arash Farahani
Schon bald stehen die schön angerichteten Speisen bei uns am Tisch. Der Geschmack hält, was sich das Auge erhofft. Der Saibling ist zart und erfrischend leicht. Der Rettich bleibt angenehm im Hintergrund und verleiht dem Fisch doch eine feinwürzige Note. Der Tafelspitz wäre schon als Solist perfekt, zeigt sich durch die leichte Süße der Brioche und die milde Schärfe der Schnittlauch-Sauce verspielt. Der Weißburgunder (Köhler Ruprecht) erweist sich als unkomplizierter Begleiter zu beiden Gerichten.
Als Hauptspeise bringt die Rotbarbe in Krustentierbisque mit grünem Gemüse (36 Euro) Festtagsstimmung in die Vorweihnachtszeit. Auch das Reh als cremiges Wildgulasch mit Brioche-Knödel hält da locker mit. Am Nebentisch erfreut sich eine große Gruppe an klassischen Gänsekeulen und sieht ebenfalls glücklich aus. Zur Planung einer Weihnachtsfeier hier ist es etwas spät, aber im Bundesbüdchen lässt sich bestimmt auch gut Silvester (mit einem exklusiven 5-Gänge-Menü), Ostern, Geburtstag, Pfingsten, Jubiläum und dann bald schon wieder Weihnachten feiern.
Die Rotbarbe überzeugt durch vielfältige Aromen und Texturen. Quelle/ Copyright: QIEZDie Rotbarbe überzeugt durch vielfältige Aromen und Texturen. Quelle/ Copyright: QIEZ
Zurück zu unserem Test. Den beenden wir mit Begeisterung für den ausgezogenen Krapfen auf Fruchtkompott und Crème pâtissière (10 Euro): eine perfekte Zubereitung des österreichischen Klassikers. Dazu gönnen wir uns einen wirklich tollen Kaffee von der Rösterei Symple. Zu unserer Liebe zu Spätis haben wir uns ja bereits bekannt, aber ab sofort gehen wir öfter mal fremd, denn dieses Kiosk-Restaurant ist eindeutig die viel bessere Anlaufstelle für feinstes Essen und sehr guten Wein.
Bundesbüdchen
Hannoversche Straße 2
10115 Berlin






