Wer im Kollwitzkiez ins neue Restaurant Matthias kommt, fühlt sich schon an der Tür wie zu Gast bei guten Freunden. Sommelier Michael Stiel und Gastgeberin Janine Woltaire machen – beide auf ihre sehr unterschiedliche Art – schnell klar, dass man sich in Sachen Genuss in besten Händen befindet und die Welt da draußen für einen Moment keine Rolle spielt.
Qiez zu Google hinzufügenDer Stil des Restaurants ist eine Mischung aus luftiger Klarheit und einfacher Gemütlichkeit. Die Stühle aus den 1970er Jahren sind so charmant wie markant und passen wunderbar zu den schlichten Holztischen. Der Tresen ist von rosafarbenen Kacheln gerahmt und lädt mit seiner breiten Fläche dazu ein, hier nicht nur Drinks und Wein, sondern auch den fantastischen Speisen zuzusprechen. Der hohe Raum, die langen Vorhänge und die reduzierte Dekoration sorgen für Leichtigkeit.
Copyright: Luís Bompastor — Quelle: Restaurant MatthiasFoto: Restaurant Matthias – ©Luís Bompastor
Wir bekommen den besten Platz im Restaurant: auf der bequemen Bank mit Blick in den Gastraum und zugleich in die offene Küche. So entgeht uns nichts. Das Team um Küchenchef Silvio Pfeufer arbeitet konzentriert und mit viel Leidenschaft für Details. Das zu beobachten, steigert die Vorfreude auf das Menü. Zunächst bereiten uns aber zwei Spritz-Aperitifs Vergnügen: Wermuth und Yuzu. Bevor uns der Alkohol zu Kopf steigen kann, schickt uns die Küche außergewöhnliche Snacks.
Schon hier zeigt sich deutlich, dass Pfeufer die Freiheit genießt, seine Kreativität in seinem ersten eigenen Restaurant in vollen Zügen auszuleben. Das Spiel mit Aromen und Texturen bei der Croustade mit zarter Lachsforelle, XO-Sauce, Zitrone und feinem Forellenkaviar ist umwerfend, das Profiterol mit würzigem Bergkäse und Kombualge macht süchtig und das Mini-Tartlette mit Topinambur-Madeira-Creme und Johannisbeere löst Euphorie am Gaumen aus. Auch das selbst gebackene Sauerteigbrot mit Butter und Kräuteröl ist in seiner Einfachheit unschlagbar gut.
Copyright: Luís Bompastor — Quelle: Restaurant MatthiasFoto: Restaurant Matthias – ©Luís Bompastor
Zwar gibt es auch à la carte beeindruckende Erlebnisse, die den Aufenthalt unvergesslich machen, aber wir empfehlen klar das Menü mit 5 oder 6 Gängen. Das hat zwar seinen Preis (ab 119 Euro), doch es wirkt wie ein kulinarisches Konzert für alle Sinne. Pfeufer überlässt nichts dem Zufall und so scheint alles mit Vielfalt und Kontrasten, aber dennoch in völliger Harmonie perfekt aufeinander aufzubauen. Von der Makrele, die sich durch Pflaumen, Shiso und Dill ganz zart gibt, über Seeteufel, der durch Kalbskopf, Muscheln und Spinat an Ausdruck gewinnt, bis zum Rehrücken, der Weihnachtsgefühle im Oktober auslöst.
Eine besondere Erwähnung verdient die Entenleber, die das Reh begleitet. Außen kross und innen cremig zart: fast ein Ding der Unmöglichkeit, was Pfeufer hier als Konsistenz und im Geschmack herausholt. Verdient hätte es jede einzelne Zutat und jeder Gang, eine ausführliche Beschreibung zu erhalten. Vom Snack bis zum Dessert legt der Sterne erfahrene Koch den Fokus auf die Produkte, um auf Basis der französischen Küche moderne Kunstwerke zu erschaffen, die den Gast verwöhnen. Versuchen wir das aus Platzgründen mal in einem Wort zusammenzufassen: grandios.
Copyright: Luís Bompastor — Quelle: Restaurant MatthiasFoto: Restaurant Matthias – ©Luís Bompastor
Dazu versorgt uns Michi Stiel mit exzellenten Weinen wie dem leichten und doch erdigen Riesling In der oberen Petershöhle vom Weingut Mehling oder alive von pars pro toto, der durch seine geschmacksreiche Dynamik Lebensgeister weckt. Bei der sorgfältigen Auswahl der Weine merkt man, dass auch die mehrfach ausgezeichnete Sommelière Janine Woltaire glücklich ist, endlich ihr eigenes Restaurant betreiben zu dürfen. Die Weingüter, die es auf die spannende Weinkarte geschafft haben, werden von Winzer*innen mit Visionen betrieben, die innovativ arbeiten und dabei den besten Geschmack nie aus den Augen verlieren. Mit ihrem Kollegen Michael Stiel hat Woltaire bereits im Horvath bestens zusammengearbeitet.
Das Gourmetrestaurant kommt auf jeden Fall auf unsere persönliche Liste der Lieblingslokale. Wenn du einen besonderen Abend verbringen möchtest, wenn du herzlich umsorgt werden willst oder wenn du dir einfach zu einem wunderbaren Wein ein paar köstliche Kleinigkeiten gönnen magst, sollte das Matthias auch das Restaurant deiner Wahl sein.






