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Top 10: Legendäre Berlin-Songs

Top 10: Legendäre Berlin-Songs
Mit dem Anti-Berlin-Hit "Ich will nicht nach Berlin" landeten Kraftklub 2011 einen Überraschungserfolg.
Über Berlin-Songs könnte man Bände füllen. QIEZ hat jedoch ein paar Schätze gehoben. Einige Songs haben Musikgeschichte geschrieben, andere sind einfach nur geil, schräg oder immer noch erstaunlich aktuell. Eine kleine Zeitreise...

Ideal: „Berlin“ (1980)

„Ich fühl mich gut, ich steh auf Berlin“ – der Song fängt das rotzige, vornehmlich Kreuzberger 80er-Jahre-Lebensgefühl der Mauerstadt ein: „Kottbusser Tor, ich spring vom Zug, zwei Kontrolleure ahnen Betrug, im Affenzahn die Rolltreppe rauf, zwei Türken halten die Beamten auf.“ Die Band Ideal gilt als Vorreiter der Neuen Deutschen Welle, ihre aufgekratzte Frontfrau Annette Humpe ist die ältere Schwester von Inga Humpe (2raumwohnung). Hier ist ein Live-Mitschnitt aus der Berliner Waldbühne.


Kraftklub: „Ich will nicht nach Berlin“ (2011)

Mit ihrem Debütalbum und dem Anti-Hauptstadt-Song „Ich will nicht nach Berlin“ stieg die Chemnitzer Band Kraftklub von null auf eins in die Charts. In Liedzeilen wie „Ich hab da grade so’n Projekt, nichts Konkretes, aber sehr geil“ nehmen die Jungs die digitale und kreative Bohème von Berlins aufs Korn, von wegen „bloß kein nine to five job, genau, ich mach einfach einen Fashionblog“. Passt wie die Faust auf’s Auge! 


David Bowie: „Heroes“ (1977)

Das Lied handelt von zwei Liebenden, die sich im Schatten der Berliner Mauer näher kommen. Der Song, von dem es auch eine deutsche Version gibt, gehört außerdem zum Soundtrack des Filmklassikers Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981), einem Film über das Drogen-Schicksal der Christiane F., der eine ganze Generation bewegte. David Bowie, der einige Jahre zuvor in Berlin lebte, unterstütze die Filmproduktion mit einem Cameo-Auftritt. „We can be heroes just for one day– typisch Berlin eben!



Musical Linie 1: „Wilmersdorfer Witwen“ (1986)

„Wir Wilmersdorfer Witwen verteidigen Berlin“ – das berühmteste Lied aus dem legendären U-Bahn-Musical Linie 1, das auch in New York, Paris, London und Kalkutta aufgeführt und 1988 verfilmt wurde. Ein Stück über Spießer, Punks und Lebenskünstler im Berlin der Achtziger. Das Sinnbild der Wilmersdorfer Witwen – kleinkariert, deutsch-national und fremdenfeindlich – ist heute, 30 Jahre später, wieder erschreckend aktuell.


Peter Fox: „Schwarz zu Blau“ (2009)

„Komm‘ aus dem Club, war schön gewesen, Stinke nach Suff, bin kaputt, is’n schönes Leben“ – die Großstadt-Lyrik über das Berliner Nachtleben traf 2009 den Nerv der Zeit. Mit der Singleauskopplung von Schwarz zu Blau seines erfolgreichen Debütalbums Stadtaffe holte Pierre Baigorry beim Bundesvision Song Contest 2009 den ersten Platz und gewann etliche andere Auszeichnungen. Von dem Ruhm überrollt, geht er seitdem nur noch mit seiner Band Seeed ins Studio, die mit Dickes B keine minder legendäre Berlinhymne rausgebracht hat.


Marmion: „Schöneberg“ (1993)

Dieser Track war Anfang der 90er ein echter Hit in den Berliner Techno-Clubs. Warum Schöneberg? Zum einen befand sich das Studio der Produzenten in dem Bezirk, zum anderen muss man wissen, dass Schöneberg bis in die frühen Neunziger ein Szenebezirk war. Das 90° war damals noch ein cooler Club und stand am heutigen Park am Gleisdreieck, im Quartier Latin (heute Varieté Wintergarten) veranstaltete Wolle XDP seine berüchtigte Tekknozid-Party und auch das Ufo, die Ur-Keimzelle der deutschen Techno-Musik, befand sich in Schöneberg.


Hildegard Knef: „Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen“ (1966)

Geächtet, geliebt, verehrt – Deutschlands letzte große Diva mit der unverkennbaren Stimme produzierte mit einer Nacktszene im Film Die Sünderin den ersten Nachkriegsskandal und in ihrer zweiten Karriere als Sängerin gefühlige Chansons. Hier ist eine Liebeserklärung an Berlin von der „besten Sängerin ohne Stimme“, wie Ella Fitzgerald die Knef einst nannte.


Sido: „Mein Block“ (2004)

Dieser Song verhalf dem Deutsch-Rapper Sido zum Durchbruch, seine Maske wurde zum Markenzeichen. Der Song handelt über das Leben im Märkischen Viertel, dem Reinickendorfer Problem-Ghetto, und wurde von den Kritikern gefeiert. Die deutsche Ausgabe der Rolling Stone kürte das Stück sogar zu einem der besten Lieder der Nullerjahre.


 

Lilli Berlin: „Ostberlin-Wahnsinn“ (1982)

War es eine Vorahnung, als die eigenwillige NDW-Punk-Band Lilli Berlin an der Mauer ziemlich schräg und trashig sang: „Karneval in Ostberlin, Waaaahnsinn, Westberlin ist abgeschrieben“? Denn da konnten sie noch nicht wissen, dass das sieben Jahre später tatsächlich Realität werden würde, als nach dem Mauerfall der Hype um Ostberlin begann und den Westteil tief in den Schatten stellte. 

Lilli Berlin – Ostberlin-Wahnsinn from CatBlower on Vimeo.

Seeed: „Dickes B“ (2001)

Mit Zeilen wie „Dickes B, oben an der Spree, im Sommer tust du gut und im Winter tut’s weh“ hat die elf-köpfige Dancehall-Raggae-Formation Seeed eine Berlin-Hymne geschrieben. Durch sie wurde Dickes B als Umschreibung für die Stadt zum geflügelten Wort. Bandmitglied Peter Fox griff den Refrain in seinem Soloalbum Stadtaffe sogar noch einmal auf.

Top 10: Legendäre Berlin-Songs, Rathausstraße, Berlin

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