Das Ergebnis der Berlin-Wahl 2026 für das Abgeordnetenhaus könnte kaum eindeutiger sein: Mit beeindruckenden 25,7 Prozent der Stimmen sicherte sich Die Linke den Wahlsieg – und landet somit mit klarem Abstand zur CDU (18,8 Prozent) auf Platz eins. Im Zentrum des Triumphes steht ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp. Nun stellt sich ganz Berlin die Frage: Schafft die Juristin es, als erste Bürgermeisterin der Linken ins Rote Rathaus einzuziehen, oder drohen zähe Koalitionshürden?
Qiez zu Google hinzufügenSpektakulärer Sieg für Die Linke
Das vorläufige amtliche Endergebnis der Berlin-Wahl hat die politische Landschaft der Bundeshauptstadt kräftig durcheinandergewirbelt. Die Linke triumphiert mit einem spektakulären Wahlergebnis von 25,7 Prozent – ein massives Plus für die Partei im Vergleich zur letzten Wahl (+14 Prozent). Die bisherige Regierungspartei CDU stürzt hingegen auf 18,8 Prozent ab. Die in Berlin weitaus weniger als in Sachsen-Anhalt erfolgreiche AfD kommt auf 16,3 Prozent. Die Grünen kommen auf 14,3 Prozent. Eindeutiger Verlierer der Wahl ist die SPD, die mit nur 12,1 Prozent eine herbe Niederlage erleidet. Das BSW verpasst den Einzug ins Abgeordnetenhaus knapp mit 4,7 Prozent, die FPD verliert mit lediglich 2,5 Prozent der Stimmen weiter an Bedeutung.
Wie könnte die nächste Regierung in Berlin aussehen?
Klar ist: Die bisherige schwarz-rote Koalition wurde damit klar abgewählt. Welche Regierung nun an ihre Stelle treten wird, ist bislang unklar. Rechnerisch und politisch stellt sich nach dem Wahlabend die Frage, wie eine stabile Regierung gebildet werden kann. Die Wunschoption der meisten Wähler dürfte ein linkes Dreierbündnis sein: Eine Koalition aus Linken als stärkste Regierungspartei sowie SPD und Grünen als Partner verfügt über eine komfortable Mehrheit im Parlament. Da diese Parteien programmatisch in vielen sozialen und gesellschaftspolitischen Fragen nah beieinander liegen, gilt dieses Bündnis als wahrscheinlichste Option für einen Politikwechsel.
Ganz von selbst dürfte die Regierungsbildung jedoch nicht laufen. Themen wie die Enteignung großer Wohnkonzerne (Deutsche Wohnen & Co), Schuldenpolitik und auch der Umgang mit dem Nahostkonflikt dürften eine zentrale Rolle bei den Sondierungsgesprächen spielen. So sind Eralp und Die Linke mit dem Versprechen angetreten, den Berliner Wohnungsmarkt radikal umzugestalten – immerhin 59,1 % stimmten im Volksentscheid für die Enteignung der Wohnkonzerne. Während Die Linke hierbei jedoch oft Tempo fordert, bremsen die Sozialdemokraten traditionell.
Wer ist Elif Eralp? Die Frau hinter dem Erfolg
Der Wahlerfolg ist eng mit dem Namen Elif Eralp verknüpft. Die 1981 in München geborene Tochter türkischer Eltern – ihr Vater arbeitete als Arzt, ihre Mutter als Krankenschwester – prägte den Wahlkampf der Berliner Linken wie kaum eine andere. Eralp absolvierte in Hamburg ihre juristische Ausbildung mit dem Zweiten Staatsexamen und zog 2010 nach Berlin. Nach Tätigkeiten als Referentin für Rechtspolitik in der Bundestagsfraktion der Linken wurde sie 2021 ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt.
Bekannt wurde sie unter anderem als Mitgründerin der „Migrantischen Linken“, um den Anliegen von Menschen mit Einwanderungsgeschichte mehr Gehör zu verschaffen. Mit einer modernen, nahbaren Kampagne (angelehnt an erfolgreiche internationale Vorbilder und stark auf den direkten Kontakt an der Haustür ausgerichtet) präsentierte sich Eralp als Anwältin der Mieterinnen und Mieter sowie der arbeitenden Bevölkerung. Ihr zentrales Versprechen: Berlin wieder bezahlbar zu machen.
Eralp selbst sah sich im Wahlkampf wiederholt mit Kritik hinsichtlich des Nahost-Konflikts konfrontiert: Kritiker warfen ihr vor, nicht konsequent genug gegen antisemitische Tendenzen oder israelfeindliche Strömungen im eigenen linken Milieu vorzugehen. Eralp räumte ein, dass es Antisemitismus im linken Milieu gebe, und distanzierte sich scharf von Gewaltverherrlichungen sowie bestimmten extremistischen Wahlkampfauftritten. Sie betonte, dass für sie die Existenzberechtigung Israels und das Selbstbestimmungsrecht jüdischer Menschen unantastbar seien.
Ihre Chancen stehen so gut wie nie zuvor
Mit dem klaren Wahlsieg im Rücken hat Elif Eralp die Chance, als erste Politikerin der Linken in das Rote Rathaus einzuziehen und der Hauptstadt einen völlig neuen politischen Kurs zu geben. Doch der historische Erfolg ist nur der Startschuss für eine extrem anspruchsvolle Phase. Ob aus dem klaren Wählerauftrag am Ende tatsächlich das Regierungsamt wird, entscheidet sich an den Verhandlungstischen: Eralp muss beweisen, dass sie die tiefen inhaltlichen Gräben beim Wohnungsmarkt, der Finanzpolitik und den gesellschaftlichen Konflikten überbrücken kann. Gelingt ihr dieser Balanceakt zwischen progressivem Aufbruch und pragmatischer Kompromissfindung, schreibt sie Berliner Politikgeschichte.






